Montezemolo

Die üblichen Gegner

Teamkollege Rubens Barrichello, Williams-BMW-Pilot Juan Pablo Montoya und McLaren-Mercedes-Mann Kimi Räikkönen sind laut Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo in der neuen Formel-1-Saison die schärfsten Rivalen von Weltmeister Michael Schumacher im Titelrennen.

Außer diesem Trio rechnet der Italiener noch "wie jedes Jahr" mit einer Überraschung, wie er in einem Interview der "Welt am Sonntag" sagte. Er hoffe darauf, dass die Scuderia erneut die Fahrer-und Konstrukteurs-WM gewinnt, würde aber "keinen Selbstmord begehen", wenn dies nicht klappen sollte.

Von den Nachwuchskräften schätzt di Montezemolo den 24 Jahre alten Räikkönen, der im Vorjahr nur knapp geschlagen Vizeweltmeister wurde, am stärksten ein. "Der ist zwar noch extrem jung, aber neben Barrichello ist er nach Michael der Beste", sagte er. Für Ferrari sei der Finne für 2004 noch kein Thema gewesen, da er einen Fünfjahresvertrag mit McLaren habe. "Aber wir müssen nach vorne denken", deutete di Montezemolo an, dass Räikkönen ein interessanter Kandidat für das Traditionsteam sei. "Er ist jung, wir sind jung, und wir müssen langfristig planen." Bis 2006 stehen Schumacher, Barrichello, Teamchef Jean Todt und weitere Schlüsselfiguren bei Ferrari unter Vertrag.

Montezemolo: Schumi for ever

Schumacher, der seit 1996 und damit so lange wie kein anderer für Ferrari fährt, soll laut di Montezemolo aber so lange bleiben, wie er will. "Wenn er dieselbe Leidenschaft und Motivation hat wie gegenwärtig, wenn er weiter sehr schnell und sehr gut ist, wird er fahren. Wie lange, hängt von ihm ab, selbst wenn er mit diesen Eigenschaften 55 Jahre alt sein sollte", wiederholte er sein Angebot an den 35-jährigen sechsmaligen Champion, bis ins Rentenalter für die Roten Renner zu bestreiten. "Aber das ist seine Entscheidung. Von außen kann man solche Prozesse nicht bestimmen." Schumacher hatte erst vor wenigen Tagen erklärt, er könne sich auch nach 2006 eine Fortsetzung seiner Karriere vorstellen.

Di Montezemolo schwärmte aber nicht nur von Schumacher ("Michael ist fantastisch"), sondern stellte auch dessen brasilianischem Teamkollegen Barrichello ein gutes Zeugnis aus. "Ferrari hat zwei potenzielle Weltmeister im Team", sagte er. "Rubens hat sich nicht nur dramatisch als Fahrer, sondern auch als Mensch entwickelt."

Formel 1 ist für Ferrari kein Muss

Obwohl ein Rückzug aus der Königsklasse kein Thema für das Unternehmen ist, hat der Präsident erklärt, dass es Gründe für einen Ausstieg geben kann. "Ferrari lebt nicht im Formel-1-Gefängnis", sagte di Montezemolo und forderte einschneidende Veränderungen. Gewährleistet sein müsse ein Technik-Transfer zum Serienauto. Zudem dürfe der Grand-Prix-Sport nicht zu einer Show nur fürs Fernsehen werden. Er plädierte für reduzierte Eintrittspreise, um wieder mehr Zuschauer an die Strecke und nicht nur vor den Bildschirm zu locken.

Außerdem müssten "die Fahrer wieder mehr in das Zentrum rücken", da die Formel 1 eine Fahrermeisterschaft sei. Elektronische Fahrhilfen und Kosten müssten verringert werden, die "künstliche Beeinflussung von Rennen durch merkwürdige Regeln" gestoppt werden. "Wir sind an einem Punkt angelangt, der für mich das Limit markiert", sprach di Montezemolo von einer Grenze. "Gehen wir über die bisherigen Eingriffe hinaus, wird der Sport künstlich und manipuliert."

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