Sebastian Vettel - Ferrari - Formel 1 - GP Kanada - Montreal - 8. Juni 2019 Motorsport Images

Ferrari-Power zerstört Mercedes

Ferrari mit Vettel-Faktor auf Pole

Die Strecke von Montreal kam Ferrari entgegen. Mercedes konnte fast sechs Zehntel Verlust auf den Geraden nicht auf in den Kurven wettmachen. Aber am Ende brauchte es den Vettel-Faktor, um Lewis Hamilton zu schlagen.

Endlich hat Mercedes mal wieder einen Konkurrenten. Die Sternstunde von Ferrari in Kanada kam nicht ganz unerwartet. Sie bahnte sich nach einem durchwachsenen Freitag im dritten Training schon an. Bis zur letzten K.O.-Runde der Qualifikation schwang das Pendel hin und her. Dann legte Lewis Hamilton mit 1.10,493 und 1.10,446 Minuten vor.

Bis dahin war Sebastian Vettel noch knapp zwei Zehntel langsamer als sein Gegner. Doch dann feuerte der Ferrari-Pilot seinen letzten Schuss ab. Man könnte beinahe von einer perfekten Runde sprechen. Vettel nahm Hamilton im allerletzten Versuch 0,206 Sekunden ab.

Das ist auf einer Strecke wie Montreal mit minimalen Zeitabständen eine Menge Holz und war nicht nur damit zu erklären, dass die Ferrari auf den Geraden allen anderen davon flogen. Hamilton verlor in den Vollgaspassagen fünfeinhalb Zehntel auf Vettel. Im Top-Speed betrug das Delta 7,2 km/h zugunsten des Ferrari.

Dafür holte sich Hamilton in den Kurven dreieinhalb Zehntel wieder zurück. Hauptsächlich in den langsamen Ecken. In den mittelschnellen war Ferrari gleich schnell. Valtteri Bottas büßte nur 0,45 Sekunden auf den Geraden ein. Der Finne hatte auf der langen Gerade den Vorteil eines guten Windschattens.

Sebastian Vettel - Ferrari - Formel 1 - GP Kanada - Montreal - 8. Juni 2019
Wilhelm
In seiner Pole-Runde quetschte Vettel alles aus seinem Ferrari raus.

Zwei enttäuschte Nummer 2-Fahrer

Hamilton fand sich schnell mit dem zweiten Platz ab: „Ich bin happy mit meinen Qualifikationsrunden und habe gegeben, was möglich war. Die Ferrari waren einfach zu stark auf uns auf den Geraden. Wenn einer den Party-Modus hat, dann sind sie es. Ich bin froh, dass ich die Ferrari wenigstens splitten konnte.“ Valtteri Bottas gab zu: „Es wäre auch mit einer optimalen Runde unmöglich gewesen, die Ferrari zu schlagen.“

Der Finne erwischte einen rabenschwarzen Tag. Der erste Versuch endete in einem Dreher ausgangs Kurve 2. „Ich kam gut aus der Kurve raus, war früh auf dem Gas, das Auto hat aber auf dem Randstein versetzt und dabei bin ich aufs Gras gekommen.“

Unter dem Druck, dass beim zweiten Mal alles passen musste, schlichen sich viele Fehler ein. Darunter zwei Verbremser in den Kurven 6 und 10. „Ich werde mir heute abend die Sache nochmal anschauen und versuchen daraus zu lernen.“

Auch Ferraris Nummer 2 Charles Leclerc haderte mit sich selbst: „Im Q1 fühlte sich das Auto noch gut an. Dann ist es mir immer mehr aus der Hand geglitten. Ich muss herausfinden, ob ich beim Setup Fehler gemacht und nicht richtig auf die Entwicklung der reagiert habe.“

Vettel & Leclerc - Ferrari - Formel 1 - GP Kanada - Montreal - 8. Juni 2019
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Leclerc konnte das Tempo von Teamkollege Vettel nicht mitgehen.

Vettels Pole-Runde im Detail

Eine normale gute Runde hätte Vettel nicht für seine 56. Pole Position gereicht. Er brauchte schon eine dieser Runden, in denen man sich von Kurve zu Kurve steigert und am Schluss wie in einem Rausch fährt. „Ich habe mich in den ersten zwei Kurven etwas eingebremst, um auf die Reifen aufzupassen. Dann flog das Auto. Es hat mir zugerufen: weiter so, weiter so.“ Die GPS-Daten zeigen: Vettel verbesserte sich in seinem letzten Versuch massiv auf sich selbst.

Er gewann ein Zehntel in den Kurven 1 und 2, ein weiteres Zehntel in den Kurven 3 und 4. In der Kombination 6 und 7 feilte er ein paar Hundertstel von seiner vorherigen besten Runde ab. In den Kurven 8 und 9, dort wo Hamilton am Tag davor die Mauer geküsst hatte, machte Vettel 0,17 Sekunden auf sich selbst gut. Dafür ließ er in der Haarnadel ein halbes Zehntel liegen und büßte in der Folge auf der langen Geraden etwas Zeit ein. Die Schikane vor Start und Ziel passte dann wieder.

Es hatte sich schon in Bahrain angedeutet, dass Ferrari auf den Strecken zum Gegner werden kann, wo die Geraden überwiegen. „Wir wussten, dass es schwer werden würde, uns in den Kurven gegen ihren Vorteil auf den Geraden zu verteidigen“, konstatierte Teamchef Toto Wolff.

Mit dem Motorschaden im Racing Point von Lance Stroll am Morgen hat der bescheidene Topspeeds der Silberpfeile nichts zu tun. Die Mercedes-Techniker kennen zwar den Grund für den Schaden noch nicht, doch deshalb musste in den anderen Autos nicht die Leistung zurückgedreht werden. Wolff: „Wir vertrauen da unseren Prüfstandsläufen. Da gab es keinerlei Probleme. Du kannst deswegen nicht mit gedrosselter Leistung fahren.“

Hamiltons beste Chance ist der Start

Mercedes räumt zwar ein, dass Ferrari im Qualifikations-Modus Power-Vorteile hat, doch das erklärt nicht den großen Rückstand auf den Geraden. Der Ferrari SF90 ist das effizientere Auto. Es hat weniger Abtrieb, aber auch weniger Luftwiderstand. Dafür büßt er dann in den Kurven ein.

Vettel warnt deshalb vor zu großer Euphorie: „Wir wissen, wo wir unsere Zeit gewinnen, und wo wir sie verlieren. Da müssen wir ansetzen. In Montreal hat uns das Streckenlayout geholfen. Anderswo gibt es wieder mehr Kurven als hier.“

Obwohl Ferrari bei der Rennsimulation deutlich hinter Mercedes lag, sieht Vettel seine Chance: „Wir müssen einen perfekten Tag haben. Ich erwarte ein enges Rennen. Wenn wir beim Start vorne sind, müssen wir unseren Vorteil auf den Geraden ausspielen und gut auf die Reifen aufpassen.“

So sieht es auch Hamilton: „Der Weg zur ersten Kurve ist kurz. Wenn ich es da nicht schaffe, wird es bei dem Top-Speed der Ferrari schwer für mich.“ Vom besten Startplatz in die erste Kurve sind es übrigens nur 159 Meter.

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Kevin Magnussen - Haas - Formel 1 - GP Kanada - Montreal - 8. Juni 2019
Kevin Magnussen - Haas - Formel 1 - GP Kanada - Montreal - 8. Juni 2019 Kevin Magnussen - Haas - Formel 1 - GP Kanada - Montreal - 8. Juni 2019 Lance Stroll - Racing Point - Formel 1 - GP Kanada - Montreal - 8. Juni 2019 Lance Stroll - Racing Point - Formel 1 - GP Kanada - Montreal - 8. Juni 2019 57 Bilder
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