Mosley erhöht den Druck

Foto: Daniel Reinhard

Am 22. März wird es ernst für die Formel 1-Teams: Wenn der Motorsport-Weltrat des Internationalen Automobilverbandes (FIA) den Vorschlag seines Präsidenten Max Mosley absegnet, beginnt an diesem Tag die Einschreibung für die Weltmeisterschaft 2008. Bereits neun Tage später ist am 31. März Schluss.

"Wenn der Club voll ist, geht nichts mehr", sagte Mosley und drohte damit bei einem Medientreffen in Brüssel den fünf sich gegen diese Vorgabe wehrenden Automobilherstellern BMW, Mercedes, Renault, Honda und Toyota indirekt eine Zuschauerrolle an.

Das knapp bemessene Einschreibefenster soll auf die Hersteller, die immer noch an einer eigenen Serie von 2008 an basteln, Druck ausüben. Sechs Teams haben Mosley ihre Zustimmung bereits angekündigt: Ferrari, Williams, Red Bull, ToroRosso, MF1Racing und Super Aguri folgen den Sparplänen des Weltverbandes. Sie haben das neue Concorde-Abkommen von Bernie Ecclestone unterschrieben, das die Auszahlung der TV-Einnahmen und Antrittsgelder bei den Grand Prix regelt.

Entwicklungsstopp für Motoren

Die fünf Rebellen zögern noch. BMW, Honda, Mercedes, Renault und Toyota sind sich zwar bei den Verhandlungen mit Formel-1-Boss Ecclestone nahe gekommen, ihnen passen aber zum Teil die rigiden Abrüstungspläne des FIA-Präsidenten nicht. So stößt eine Einheitselektronik zumindest bei BMW, Honda und Toyota auf Widerstand. Doch gerade in diesem Punkt ist Mosley unnachgiebig.

Mosley will zudem spätestens 2008 einen dreijährigen Entwicklungsstopp für Motoren. Der gelernte Jurist rechnete vor: "Heute geben die Hersteller pro Saison mindestens 100 Millionen Euro nur für den Motor aus. Einen Großteil dieser Summe verschlingt die Entwicklung. Würde man nur die Materialkosten rechnen, käme man bei 200.000 Euro pro Motor schlimmstenfalls auf zehn Millionen pro Jahr. Diese Regelung würde jedem Hersteller 90 Millionen Euro sparen."

Pikanterweise stammt die Idee von einem der fünf meuternden Konzerne. Das Gedankenspiel ist jedoch noch nicht Gesetz. Es kann bis zum 30. Juni noch abgelehnt oder in modifizierter Form verabschiedet werden. Genauso wie einige andere Punkte des 2008er Reglements, das die FIA am 31. Dezember 2005 präsentiert hat. Mosley warnt jedoch: "Wer bei der Abstimmung über die Punkte teilnehmen will, muss sich einschreiben."

Mosley: "Keine Chance für Herstellerserie"

Mosley gibt einer Herstellerserie keine Chance, selbst wenn die in der GPMA (Grand Prix Manufacturers Association) organisierten Konzerne seine WM boykottieren sollten: "Wir haben zusätzlich zu den sechs Teams noch drei weitere Anfragen von Privatrennställen und die eines Herstellers." Gerüchte besagen, dass es sich bei den Teams um Prodrive, Penske und Pollock und beim Autokonzern um Renault handelt. Renault-Präsident Carlos Ghosn soll Teamchef Flavio Briatore mitgeteilt haben, dass der Konzern nur bereit sei langfristig weiterzumachen, wenn die Kosten generell gesenkt würden.

Derzeit geben die Top-Teams der Formel 1 über 300 Millionen Euro pro Jahr aus. "Es muss möglich sein, dass man in Zukunft mit 100 Millionen gewinnen kann", sagte Mosley. Der Vorwurf, er wolle die Hersteller vergraulen, prallt an dem früheren Rennstallbesitzer ab: "Wir wissen, was wir an den Herstellern haben. Sie haben dem Sport sehr viel Aufmerksamkeit gebracht. Doch sie dürfen daraus nicht ableiten, dass sie deshalb das Regelement bestimmen dürfen."

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