Mosley hat die Nase voll

Foto: Wolfgang Wilhelm

Max Mosley gibt seinen Posten als FIA-Präsident wegen Amtsmüdigkeit auf. Zuvor will der 64-jährige Engländer jedoch noch die große Formel 1-Reform zur Tempo-und Kostensenkung durchsetzen.

Auf einer Pressekonferenz nach dem Freitagstraining (2.6.) zum Großen Preis von Frankreich in Magny Cours gab der FIA-Präsident seine Gründe für die überraschende Rücktrittsankündigung vom Montag (28.6.) bekannt. "Ich bin die ständigen Diskussionen leid", sagte Mosley, egal, ob es um die Formel 1 oder die Rallye-WM ginge. Von 9 bis 19 Uhr im Büro zu sitzen und sich mit uneinsichtigen Teamchefs herumzuärgern, habe den 64-Jährigen zermürbt.

"Es ist der beste Zeitpunkt. Alle Ziele sind erreicht", sagte Mosley, der sich schon seit zehn Tagen mit dem Rücktrittsgedanken trug. "Ich habe keine anderen Angebote. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es einfach besser ist am Strand zu liegen und ein Buch zu lesen."

Mosley hat als Präsident des internationalen Automobilverbandes und seiner Sportabteilung seit 1993 sowohl die Sicherheit im Straßenverkehr als auch auf den Rennstrecken vorangetrieben. Die Formel 1-Reform, die Hochgeschwindigkeits-Unfälle und ausufernde Kosten verhindern soll, ist sein letztes Projekt.

Und so sieht der Zeitplan aus:

- Am Dienstag (6.7.) informiert Chef-Kommissar Charlie Whiting die Teams, dass nun die Uhr tickt.
- Zwei Monate hat die Technische Arbeitsgruppe (bestehend aus den F1-Technik-Chefs) Zeit, adäquate Vorschläge zu erreichen.
- Während der ersten zwei Wochen steht Whiting den Teams für Beratungen über einzelne Lösungen zur Verfügung.
- Die FIA erarbeitet selbst drei Lösungspakete.
- Läuft die Zwei-Monats-Frist ohne probate Vorschläge der Beteiligten ab, werden den Teams die drei FIA-Pakete präsentiert.
- Diese haben anschließend weitere 45 Tage Zeit, sich für einen der drei Wege zu entscheiden.
- Am 30. Oktober segnet der FIA-Weltrat die mehrheitlich gewählte Lösung ab. Es reicht eine Mehrheit von 80 Prozent.

Mosleys Vorschläge:

- Die Zehnzylinder-Motoren müssen 2005 zwei Renn-Wochenenden durchstehen.
- Ab 2006 sind 2,4 Liter-V8-Motoren vorgeschrieben.
- Bis 2006 soll auch eine Einheits-Elektronik für alle Motoren entwickelt werden.
- Teams, die bis dahin keinen V8-Ausrüster haben, dürfen weiter einen V10 einsetzen, allerdings mit Restriktionen, die ihn gegenüber den V8 nicht bevorteilen.
- Pro Rennwochenende erhält jeder Fahrerr nur zwei Sätze Trockenreifen.
- Sollten die Reifen dennoch zu viel Grip bieten, könnte ein Herstellermonopol mit Einheitsreifen durchgesetzt werden.
- Bei den Beschränkungen der Aerodynamik sollen die Teams in den kommenden zwei Wochen mit der FIA über Lösungen beratschlagen.

Rennen um die Nachfolge

Als Nachfolger für den scheidenden Präsidenten sind drei Kandidaten im Gespräch: Der ehemalige Ferrari-Rennleiter Marco Piccinini, der Präsident des monegassischen Automobilclubs ACM, Michel Boeri und der Präsident des amerikanischen Automobil-Clubs AAA Robert L. Darbelnet.

Max Mosley selbst schließt aus, dass er sich den Rücktritt Ende Oktober noch einmal überlegt und seine Amtszeit regulär bis Herbst 2005 fortführt: "Es gibt kein Zurück mehr. Ich bin ja kein Teamchef, der ständig seine Meinung ändert."

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