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Motoren-Tausch für 2018

Sainz zu Renault, Honda zu Toro Rosso

McLaren-Renault - Formel 1 Foto: Sutton/ams 51 Bilder

McLaren fährt 2018 mit Renault-Motoren, Toro Rosso mit Honda-Power. Was wie ein einfacher Motorentausch aussah, war eine komplizierte Angelegenheit. Die Hintergründe einer langwierigen Verhandlungen unter Zeitdruck.

11.09.2017 Michael Schmidt 17 Kommentare

Die unendliche Geschichte hat ein Ende. McLaren fährt 2018 mit Renault-Motoren, Toro Rosso mit Honda-Power. Das soll beim GP Singapur verkündet werden. Der Motorentausch, der eigentlich am Renntag in Monza klargezogen werden sollte, ging mit zwei Tagen Verspätung über die Bühne. Die Vorstände in Tokio und Paris mussten noch zustimmen. Am Dienstag nach Monza trennte sich McLaren von Honda unter der Voraussetzung, dass der Deal zwischen Toro Rosso und Honda klappt.

Die FIA und die FOM hatten McLaren klar gemacht, dass sie sich nicht erpressen lassen. Wenn McLaren mit einer selbst erzwungenen Scheidung Honda aus der Formel 1 gedrängt hätte, wäre der Rennstall möglicherweise ohne Motoren dagestanden. Die Tücke liegt im Reglement. Eigentlich ist es schon viel zu spät für so einen Motorentausch.

Gemäß Anhang 9 im Sportlichen Reglement muss der Wunsch, ein neues Team in seinen Kundenkreis aufzunehmen oder den Motorenpartner zu wechseln, bis zum 6. Mai angemeldet und bis spätestens zum 15. Mai des Vorjahres bei der FIA bestätigt werden. Mit der Angabe, ob der neue Partner einen Werks-Status bekommt oder nur Kunde ist. Das haben weder McLaren, Toro Rosso, Honda oder Renault getan. Ein FIA-Mann erklärt uns, warum die Frist so früh gewählt ist: „Es könnte ja sein, dass dadurch ein Hersteller ein Team mehr an Bord nehmen muss als es seine Kapazität zulässt. Dafür muss er erst die entsprechende Infrastruktur schaffen. Das braucht Zeit.“

McLaren hatte sich die Lösung seines Motorenproblems einfach gemacht. Man wollte mit der Kündigung bei Honda Fakten schaffen und darauf hoffen, dass Renault, Ferrari oder Mercedes per Losentscheid dazu gezwungen würden, die Lücke zu füllen. Doch diese letzte aller Möglichkeiten wäre so spät im Jahr gar nicht mehr möglich gewesen. „Wir können die Hersteller nicht im September zwingen, dass sie für ein viertes Team extra Geld in die Hand nehmen müssen“, erzählt uns unser FIA-Mann.

Renault will Sainz als Gegenleistung für Trennung von Toro Rosso

Mercedes machte einer McLaren-Delegation am Samstag in Monza klar: „Wir lassen uns nicht erpressen. Es wird kein viertes Team geben.“ Renault-Botschafter Alain Prost sagte das gleiche: „Wir helfen gerne, aber ein viertes Team geht nicht.“ Red Bull-Motorsportchef Helmut Marko betonte in Monza: „Ohne ein Abkommen zwischen Toro Rosso und Honda kann sich McLaren nicht von Honda trennen.“ Formel 1-Chef Ross Brawn stöhnte noch am Sonntag: „Je mehr Parteien da mitreden, umso komplizierter wird es eine Lösung zu finden.“

Carlos Sainz - Porträt - Formel 1 - 2017 Foto: xpb
Sainz wechselt von Toro Rosso zu Renault.

Sie wurde gefunden. Am Dienstag nach Monza. Das letzte Hindernis waren noch die Bedingungen, unter denen sich Toro Rosso und Renault trennen. Renault wollte eine Entschädigung in Form eines Fahrers für das zweite Cockpit neben Nico Hülkenberg. Und zwar bereits ab dem GP Malaysia. Wunschkandidat war Carlos Sainz. Der Spanier kann jetzt ablösefrei zu Renault wechseln. Teuer wird es trotzdem. Renault wird für die Vertragsauflösung mit Jolyon Palmer eine Millionensumme in die Hand nehmen müssen.

Doch Renault braucht aber im Kampf um Platz 5 im Konstrukteurspokal einen zweiten Fahrer, der Punkte holt. Da liegt Williams mit 55 Zählern vor Toro Rosso (40), HaasF1 (36) und Renault (34). Toro Rosso wird in diese Schlacht mit der Fahrerpaarung Daniil Kvyat und Pierre Gasly gehen. Für Red Bulls B-Team eine gute Gelegenheit, die Qualitäten von Gasly in Hinblick auf einen Vertrag für 2018 abzuchecken. Für Honda-Schützling Nobuharu Matsushita ist 2018 übrigens kein Platz bei Toro Rosso. Die Japaner haben kein Mitspracherecht bei den Fahrern.

Wer hat was von diesem Deal?

Was haben die Beteiligten durch den Motorentausch gewonnen? McLaren findet 2018 vielleicht heraus, dass Honda seine Probleme löst und plötzlich bessere Motoren baut als Renault. Auf der anderen Seite hält der Wechsel zu Renault Fernando Alonso im Team. Die wenigen Sponsoren, die das Team noch hat, bauen auf seine Präsenz. Nur mit Alonso ist ein Neubeginn möglich.

Dafür wird es teuer. McLaren muss bei Renault die Motoren bezahlen, das Gehalt der Fahrer nun selbst tragen, und es gibt auch keinen Entwicklungszuschuss aus Japan mehr. Da muss die Verzweiflung schon sehr groß gewesen sein. Die Anteilseigner Mansour Ojjeh und die Bahrain Mumtalakat tragen für ein Jahr die zusätzlichen Kosten. So viel Zeit haben Zak Brown und Eric Boullier, um mit guten Ergebnissen auf der Rennstrecke wieder Sponsoren anzulocken.

Renault läuft mit der neuen Konstellation Gefahr, dass der Werksrennstall im nächsten Jahr das schlechteste Team mit Renault-Motoren sein könnte. Red Bull und McLaren sind eine fast übermächtige Konkurrenz, allerdings auch eine gute Messlatte. Immerhin bekommt man 2018 mit Sainz einen guten Mann für das zweite Werksuto.

Toro Rosso erhält Gratismotoren und einen Entwicklungszuschuss aus Tokio. Das entlastet die Firmenkasse und ist vielleicht ein erster Schritt hin zu einem Abnabelungsprozess. Red Bull selbst befindet sich in einer komfortablen Position. Sollte Honda 2018 mit Hilfe von Ilmor und weiterer Unterstützung von außen die Kurve kriegen, wäre das 2019 eine Alternative zum Renault-Motor.

Honda selbst bleibt vorerst einmal in der Formel 1. Damit ist schon viel gewonnen. Der Vorstand wollte spätestens Ende nächsten Jahres die Lichter ausknipsen, sollten die Ingenieure die Hybrid-Technologie nicht in den Griff bekommen. Das ist wohl aufgeschoben. Mit Toro Rosso bekommen die Japaner einen pflegeleichteren Partner als McLaren. Und es wird für sie billiger als die Nummer mit dem Rennstall aus Woking.

Neuester Kommentar

Schade, dass sich Honda und McLaren trennen. Ich hätte gerne erlebt wie die Geschichte weitergeht. Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass McLaren als Kundenteam den anderen Werksteams wie Ferrari und Mercedes sowie dem Rennstall mit dem Gold-Esel im Keller (Red Bull) ernsthaft Konkurrenz machen kann. Die Strategie von Red-Bull ist hier goldrichtig: Sie wissen, wenn Renault 2018 oder 2019 um die WM kämpft, dass es eine gewisse Wahrscheinlichkeit gibt, dass sie als Kundenteam nicht mehr zu erst die neusten und besten Triebwerke erhalten werden. Mit Honda wären sie das vierte Quasi-Werksteam in der Formel 1. Vielleicht sieht McLaren 2018 mit Renault Triebwerken etwas besser aus, aber langfristig halte ich das eher für einen Fehler. Ich hätte mich eher von Alonso getrennt. Als Rennstall sollte man sich nie von einem Fahrer erpressen lassen.

PeterSchlosser 11. September 2017, 22:45 Uhr
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