Renault V8 F1-Motor 2013 Renault
Mercedes - V6 Hybrid - Formel 1-Motor 2015
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Neue Motoren-Regeln

Prüfstands-Diät spart Millionen

Das Sparprogramm der FIA schließt Teams und Motorenhersteller mit ein. Für die Antriebseinheiten gelten ab sofort strenge Entwicklungsumfänge und Prüfstandslimits. Die eingeschränkte Testzeit auf den Prüfständen spart immerhin viel Geld.

Es gibt keine einfachen Regeln in der Formel 1. Im Gründerjahr passte das komplette Reglement auf eine Seite. Die technischen Regeln waren so simpel wie sie nur sein konnten. Sie bezogen sich ausschließlich auf den Motor. Erlaubt waren 4,5 Liter Saugmotoren oder 1,5 Liter Hubraum mit Kompressor. Das war‘s.

70 Jahre später sind die Technikregeln auf 111 Seiten niedergeschrieben, das Sportgesetz auf 83 und der Finanzplan auf 46. Die einzelnen Bestimmungen sind nicht immer leicht zu finden. Manches, was man im Technischen Reglement erwartet, steht im Sportgesetz. Und umgekehrt. Zum Beispiel die neuen Prüfstandsbestimmungen.

Für dieses Thema ist im 2020er Reglement Anhang 10 reserviert. Er erstreckt sich über stolze sechseinhalb Seiten. Eigentlich sollte man meinen, dass dazu eine einfache Tabelle mit der Anzahl der genehmigten Prüfstände und den Arbeitsstunden darauf ausreicht. Wenn es nur so einfach wäre!

Mercedes Fabrik - Brixworth - 2019
Mercedes
Bei Mercedes High Performance Powertrains in Brixworth sind 650 Angestellte mit der Entwicklung und dem Bau der F1-Antriebe beschäftigt.

Zuerst einmal werden acht Begriffe bis ins Detail definiert. Damit bloß keiner auf die Idee kommt, zum Beispiel die Punkte Prüfstandsbelegung und Prüfstandsbetrieb zu verwechseln. Von Belegzeit spricht man ab dem Moment, an dem zum ersten Mal 1.000/min überschritten werden. Der Betrieb beginnt ab 7.500/min.

Dann sind da noch mögliche Schlupflöcher, die zugemauert werden müssen. Wer sich durch die Hintertür Prüfstandsstunden erschwindeln will, indem er angibt, den Prüfstand selbst auf seine Funktionstüchtigkeit zu prüfen, wird ausgebremst. Das Reglement schreibt für diesen Fall den Einsatz eines mindestens zwei Jahre alten Motors vor.

Kosten niedriger, Preis höher

Dann lernen wir noch: Prüfstand ist nicht Prüfstand. Es gibt einen "Dyno" ausschließlich für den Motor, einen für Motor und Getriebe und einen für die ERS-Systeme. Prüfstände, auf denen der Verbrennungsmotor läuft, sind in Zukunft auf maximal neun pro Hersteller beschränkt, ERS-Testanlagen auf vier.

Interessant im Zusammenhang mit den Kosten sind die heißen Prüfstandsstunden. Also dann, wenn der Motor über 7.500/min im Rennbetrieb läuft. Da summieren sich die Kosten für Strom, Wasser, Kraftstoff, Öl und auch den Verschleiß. Die imaginären Kilometer im Labor setzen der Antriebseinheit genauso zu wie die Wirklichkeit.

Mercedes F1 Motor Prüfstand
Mercedes
Die Prüfstandsläufe werden noch in dieser Saison dramatisch limitiert.

Nach 5.000 Kilometern haben die Motoren Dienstschluss. Tatsächlich durchlaufen viel mehr Einheiten ihren Lebenszyklus als die, von denen man offiziell erfährt. Das sind pro Team im günstigsten Fall je sechs Triebwerke und zwei für die Testfahrten. Bei drei Teams also 24 pro Hersteller. Zusammen mit den Prüfstandsaggregaten kommen Ferrari, Honda, Mercedes und Renault jedoch in einen dreistelligen Bereich. Und das ist einer der größten Kostentreiber.

In Zukunft sind die Prüfstandsstunden beschränkt. Für den Rest dieses Jahres stehen jedem Hersteller noch 600 Stunden zur Verfügung. 2021 sind es pro Saison jeweils 800 Stunden, die beiden Jahre darauf jeweils 750 und danach zwei Mal je 700 Stunden.

Ähnlich rigoros wird mit den Spezial-Prüfständen für die ERS-Bausteine MGU-H und MGU-K verfahren. Sie werden in der Regel von Gasturbinen betrieben. Hier gilt 270 Stunden für die zweite Jahreshälfte 2020, danach jeweils 400 Stunden bis 2025, dem Ablauf des aktuellen Motorenreglements.

Das ist ein drastischer Einschnitt im Vergleich zu bisher. Honda soll seine Motoren über 4.000 Stunden im Jahr auf den Prüfständen in Sakura getestet haben. Wenn man pro Prüfstandsstunde einen Kostenfaktor von 1.500 Euro einrechnet, sparen die Hersteller viele Millionen. Die Kunden haben übrigens nichts davon. Sie bezahlen ab 2021 mehr Geld an ihre Motorpartner. Für die Teams steigt der Preis von 12 auf 15 Millionen Euro.

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