Extra-Motor für Saison-Endspurt

Planen Renault und Mercedes mit Strafen?

Stoffel Vandoorne - McLaren - Formel 1 - GP Spanien - Barcelona - 12. Mai 2018 Foto: Wilhelm 11 Bilder

Das Motorenreglement setzt die Hersteller dieses Jahr extrem unter Druck. Doch wer wird sich an die Drei-Motoren-Regel halten, wer eine Startplatzstrafe für mehr Entwicklung riskieren? Renault und Mercedes halten noch eine Hintertür offen.

Für die Motorenhersteller der Formel 1 ist es eine große Aufgabe. Drei Verbrennungsmotoren, Turbolader und MGU-H statt vier, zwei Batterien, MGU-K und Steuergeräte statt vier. Wer die Regeln einhalten will braucht Motoren, die 7.000 Kilometer halten und Batterien, die 10.000 Kilometer überstehen.

Zu Beginn des Jahres erklärten Mercedes, Ferrari, Renault und Honda einmütig, dass es der Plan sei, mit dem Kontingent über die Runden zu kommen. Mercedes-Motorchef Andy Cowell erklärte bei der Präsentation des neuen Autos im Februar. „Eine Startplatzstrafe kann dich den WM-Titel kosten.“

Nun sind 5 Rennen ins Land gegangen. Die 4 Autokonzerne kennen das Kräfteverhältnis. Ferrari hat in der Qualifikation ein leichtes Leistungsplus. Mercedes ist im Rennen eine Spur besser. Renault muss noch rund 30 PS aufholen, Honda zwischen 40 und 50 PS.

Die einen müssen Boden gutmachen, die anderen einen verlorenen Vorsprung zurückerobern. Lassen die Situation in der WM und die Erkenntnisse aus den ersten 5 Grands Prix die Motorenchefs jetzt umdenken? Lohnt es sich vielleicht, bei einem Rennen Startplätze zu opfern, um dafür eine zusätzliche Entwicklungsstufe zu bekommen?

Hartley und Räikkönen schon am Limit

Brendon Hartley - Toro Rosso - Formel 1 - GP Spanien - Barcelona - 12. Mai 2018 Foto: sutton-images.com
Der Honda-Motor im Toro Rosso von Brendon Hartley konnte nach dem Trainingscrash in Barcelona nicht mehr gerettet werden.

Die Einhaltung des Plans ist natürlich auch davon abhängig, wie zuverlässig die Antriebseinheiten sind. Bis jetzt sieht die Bestandsliste der FIA noch recht jungfräulich aus. Doch beim GP Spanien trafen die Hersteller bereits die ersten Einschläge. Honda musste nach dem Crash von Brendon Hartley bereits zum zweiten Mal neue Komponenten in den Toro Rosso mit der Startnummer 28 einbauen. Der Neuseeländer ist bereits am Limit und wird kaum mit der geforderten Menge an Einheiten über die Saison kommen.

Kimi Räikkönen bekam nach einem Defekt den zweiten Satz Motor, Turbolader und MGU-H. Nach Angabe von Ferrari kann das ausgebaute Triebwerk noch einmal dem Pool zugeführt werden. Aber auf die erste Ausbaustufe muss der Iceman auf jeden Fall verzichten. Auch bei Mercedes gab es nach einem Ölleck im Force India von Esteban Ocon Alarm. Fernando Alonsos McLaren bekam den zweiten Turbolader eingebaut.

Ferrari-Technikchef Mattia Binotto beteuerte, dass man so lange an dem ursprünglichen Entwicklungsplan festhalten wolle, solange es die Zuverlässigkeit zulasse. „Wenn du dein Entwicklungsprogramm bestimmst, schaust du nicht auf andere. Wir konzentrieren uns darauf, unseren eigenen Antrieb so gut wie möglich zu entwickeln. Das wirft erfahrungsgemäß die besten Ergebnisse ab. Wir wussten, dass wir nur 3 Einheiten einsetzen dürfen, und darauf haben wir unsere Entwicklung ausgerichtet. Die wird sich nicht ändern, weil uns ein anderer dazu zwingt.“

Vierter Motor nur wenn nötig

Remi Taffin, Mattia Binotto, Andy Cowell, Toyoharu Tanabe - GP Spanien 2018 Foto: xpb
In Barcelona sprachen die Motoren-Bosse Remi Taffin (Renault), Mattia Binotto (Ferrari), Andy Cowell (Mercedes) und Toyoharu Tanabe (Honda) über ihre Pläne.

Honda-Technikchef Toyoharu Tanabe erklärte umständlich, dass man ebenfalls gerne mit den vorgeschriebenen Einheiten auskommen wolle, was aber nicht ganz einfach sei, weil man im eigenen Lager bereits einige Verluste erlitten habe. Wir hören, dass Honda nach Absicherung der Zuverlässigkeit eher einen aggressiven Entwicklungskurs fahren will, um den Rückstand zu Spitze aufzuholen und um Red Bull zu beweisen, wie leistungsfähig man ist. Und das geht umso besser, je mehr Entwicklungsstufen man hat.

Renault und Mercedes lassen offen, ob sie ihren ursprünglich gestrickten Plan noch einmal umschmeißen werden. Am deutlichsten drückte sich Renault-Einsatzleiter Remi Taffin aus. „Wir haben bei der Entwicklung des Motors alles getan um sicherzustellen, damit wir innerhalb des Reglements bleiben. Wenn das mit unseren Entwicklungszielen vereinbar ist, tun wir das auch. Je länger du dann mit diesem Paket Rennen fährst, desto mehr musst du Bilanz ziehen und schauen, wo du noch optimieren kannst. Wenn das mit drei Einheiten möglich ist, machen wir es mit drei Einheiten. Gibt es eine Chance, mit einem Schritt mehr Power zu erzielen, nehmen wir vier dazu.“

Selbst Mercedes-Motorenpapst Cowell schließt in letzter Konsequenz nicht eine Abweichung vom Plan aus. „Wie Mattia gesagt hat, fahren auch wir unser eigenes Rennen. Doch im Laufe einer Saison wirst du immer mit Überraschungen konfrontiert. Unangenehme, wenn du einen Schaden hast. Erfreuliche, wenn du entdeckst, dass du mit einer Entwicklung 10 Kilowatt extra gewinnen kannst. Dann wirst du vielleicht am Ende des Jahres die Entscheidung treffen, einen vierten Motor einzusetzen. Prinzipiell aber wollen wir die Regeln einhalten, weil der Einsatz von weniger Hardware auch billiger für uns und unsere Kunden ist.“

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