Nächste Niederlage für Ferrari

Vettels WM-Aus ganz nah

Sebastian Vettel - Ferrari - GP Russland 2018 - Sotschi - Rennen Foto: xpb 67 Bilder

Sebastian Vettel startete in Russland als Dritter und sah die Zielflagge als Dritter. An einen Sieg war nicht zu denken. Ein Taktik-Fehler von Mercedes gab ihm die Möglichkeit, wenigstens vor Lewis Hamilton ins Ziel zu kommen. Doch Vettel konnte seinen Rivalen nicht halten.

Sebastian Vettel ist seit Belgien sieglos. Auf einen vierten Platz beim Ferrari-Heimspiel in Monza folgten zwei dritte Plätze in Singapur und Sotschi. Zwei Rennen, zu denen Ferrari als Favorit angereist war und als Verlierer den Nachhauseweg antrat. Ausgerechnet WM-Rivale Lewis Hamilton gewann die letzten drei Rennen. Und Vettels Rückstand wuchs von 17 auf 50 Punkte.

Fünf Rennen vor Saisonende liegt Vettel zwei Siege zurück. Vorausgesetzt Hamilton würde zwei Mal ausfallen. Es steht düster um Ferraris WM-Chancen. Alles deutet daraufhin, dass Hamilton als Erster mit Juan Manuel Fangio gleichziehen wird. „Man muss kein Genie sein, um zu erkennen, dass es nicht einfacher wird, wenn wir weiter Punkte verlieren“, sagt Vettel, der sich zugleich kämpferisch gibt. „Ich glaube immer noch an unsere Chance. Ein Nuller von Lewis und alles ist wieder offen.“

Mercedes wehrt Vettel am Start ab

Das Papier sah Ferrari als Favorit im Sochi Autodrom. Weil der 5,848 Kilometer lange Kurs zu den Motorenstrecken im Kalender gehört. Aber schon am Freitagstraining hatte sich angedeutet, dass Mercedes das schnellere Auto hat. Der Ferrari SF71H war zu langsam auf eine Runde und überstrapazierte die Gummis über die Distanz. Vettel war unzufrieden. Mit einem umgebauten Auto verbesserte sich das Gefühl am Samstag. Und trotzdem blieb der Rückstand bei einer halben Sekunde eingefroren.

Im Rennen hoffte Vettel auf den Start. „Meiner war sehr gut“, berichtete der viermalige Weltmeister. Vettel zog bereits auf dem Weg zu Kurve eins links neben den Mercedes von Hamilton. Doch so wie es aussieht, kann Ferrari seinen Nachbrenner nicht mehr zünden. Vettel verhungerte ein bisschen, der erhoffte Windschatten blieb aus. Bottas lenkte nach links und zog seinen Teamkollegen. So konnte Hamilton die Attacke abwehren. „Jeder hat gesehen, dass sie das gut gemacht haben.“ Mercedes spielte dieses Szenario in der Taktikbesprechung am Sonntagmorgen durch. Die Silberpfeile wollten tunlichst vermeiden, dass Vettel das gleiche Kunststück gelingt wie Bottas im Vorjahr. Der Finne hatte sich damals am Start vom dritten auf den ersten Platz katapultiert.

„Wir haben besprochen, dass der vordere den hinteren zieht, ihm Windschatten gibt und wir danach ausschwärmen“, erklärt Mercedes-Teamchef Toto Wolff. Diese Taktik funktionierte. Jedoch patzte Mercedes beim Boxenstopp. Die Teamführung hatte vor dem Rennen beschlossen, dass Bottas das Rennen gewinnen darf, sofern er am Start und nach der ersten Runde vorne bleibt. Deshalb holte Mercedes den Finnen in der 12. Runde zuerst zum Reifenwechsel. Hamiltons Boxenstopp verschlief Mercedes. Man rief ihn erst zwei Runden nach Bottas rein. Ein Angebot, das Ferrari annahm.

Leere Batterie bei Hamilton-Attacke

Vettels Undercut in Runde 13 führte zum Erfolg. Plötzlich hatte der Heppenheimer seinen WM-Rivalen im Rückspiegel und nicht umgekehrt. Nicht nur die Ferrari-Strategen leisteten ihren Beitrag dazu, sondern auch der Lenker. Vettels schloss seine Runde aus der Box mit den Softreifen in 1:57.762 Minuten ab – eine Sekunde schneller als Bottas und fast zwei Sekunden flotter als Hamilton später.

Mit einem zweiten Platz hätte Vettel immerhin drei Punkte gutgemacht auf seinen Widersacher. Die Hoffnung hielt nur zwei Runden. Vettel schildert Hamiltons Überholmanöver in Kurve vier: „Valtteri hat verlangsamt. Ich bin aufgelaufen und habe glaube ich 1,5 Sekunden verloren. In der verwirbelten Luft hatte ich zu kämpfen. Deshalb kam Lewis heran. Leider zog mir Valtteri im letzten Sektor davon, sodass ich kein DRS hatte. Auf der Zielgerade konnte ich Lewis noch abwehren. In Kurve drei habe ich ihn aus den Augen verloren. Ich wusste, er war irgendwo außen, aber nicht wo. Auf der Bremse hat er mich geschnappt. Ich musste ihn durchlassen, auch wenn ich es nicht wollte.“ Ein Problem für Vettel war nicht nur das fehlende DRS. Auch seine Batterie war leer, wie Mercedes bemerkte. Vettel hatte sie in seiner Outlap ausgesaugt, um vor Hamilton zu gelangen.

Sein Verteidigungsmanöver am Ende der Zielgerade und Hamiltons Klagen am Funk über einen angeblich doppelten Spurwechsel, riefen die Rennkommissare auf den Plan. Um 14:42 Uhr Ortszeit leiteten sie eine Untersuchung gegen Vettel ein. Acht Minuten später sprachen sie ihn frei. „Ich denke, ich war hart, aber fair.“ Nach dem Platzverlust sah Vettel für neun Runden das Heck seines Rivalen. Dann pfiff Mercedes Bottas zurück und zweckentfremdete ihn als Vettels Leibwächter. Aus Sorge, Vettel könnte kontern, da der linke Hinterreifen an Hamiltons Mercedes eine Blase warf.

Vettel kommentierte die Stallregie: „Mercedes war schnell und clever.“ Im Renntrimm war Ferrari deutlich näher dran als noch in der Qualifikation. „Unsere Reifen haben besser gehalten als die von Mercedes. Das war eine Überraschung für uns. Bei der Pace waren sie einen Tick besser.“ Das sah man in den letzten Runden, als Verstappen die Mercedes nicht mehr aufhielt und sie Vettel enteilten. Der Ferrari-Star ärgert sich, dass im Fahrerlager seit ein paar Wochen davon gesprochen wird, Ferrari habe das bessere Auto als Mercedes und würde trotzdem verlieren. „Das ist jetzt sarkastisch“, warnt Vettel die Journalisten vor. „Mercedes hat wieder mit einem unterlegenen Auto gewonnen.“

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