Sergio Perez - Racing Point - GP Emilia-Romagna 2020 - Imola xpb
Alpine A521 - Formel 1 - Lackierung
Alpine A521 - Formel 1 - Lackierung
Alpine A521 - Formel 1 - Lackierung
Alpine A521 - Formel 1 - Lackierung 7 Bilder

Alpine, Aston Martin: Namenswechsel in Formel 1

Flut der Namenswechsel Alte Teams, neue Namen

Auch in dieser Saison müssen wir uns wieder an neue Namen gewöhnen. Aus Racing Point wird Aston Martin. Renault nennt sich fortan Alpine. Früher änderten sich die Teamnamen meistens nur bei Besitzerwechseln. Heute oft aus Marketinggründen.

Zu Beginn der Hybrid-Ära 2014 standen elf Teams am Start. Heute sind es zehn. Zwei (Caterham, Marussia) schieden ersatzlos aus, eines (Haas) kam neu dazu. Von den verbleibenden Rennställen haben vier (Sauber, Toro Rosso, Force India, Lotus) ihre Namen geändert. Zwei sogar jeweils zwei Mal.

Nur zwei der neuen Namen hatten etwas mit einem Besitzerwechsel zu tun. Renault kaufte 2016 seinen Rennstall von der Genii-Gruppe zurück. Die nannte ihr Auto mit dem Segen der Gründerfamilie zuletzt Lotus. Lawrence Stroll holte Force India 2018 aus der Insolvenz. Aus juristischen Gründen musste ein neuer Name her. Force India trat in der zweiten Saisonhälfte als Racing Point an.

Renault - GP Abu Dhabi 2020 - Rennen
xpb
Renault wird 2021 als Alpine in der Formel 1 antreten. Die Farben ändern sich, die Ingenieure bleiben dieselben.

Wenn das Marketing den Namen bestimmt

Racing Point und Renault sind 2021 Geschichte. Dabei wechseln die Rennställe nicht einmal ihre Besitzer. Stroll gehören 25 Prozent von Aston Martin. Der kanadische Milliardär möchte die britische Sportwagenfirma wiederbeleben. Dazu braucht er neben einer neuen Modellpolitik eine geeignete Werbeplattform. So wird aus Racing Point das neue Werksteam von Aston Martin.

Bei Renault ist es eher umgekehrt. Der französische Großserienhersteller möchte sich eher verstecken. Damit Renault in schlechten Zeiten nicht so in der Schusslinie steht. Extern wie intern. Die französischen Nationalrenner fahren ab 2021 unter der Flagge von Alpine. Die Sportwagentochter von Renault ist schon mit dem A110 auf dem Markt und will in Zukunft mit der Formel 1 als Zugpferd zwei weitere Modelle aufs Gleis stellen.

Die Namensänderungen sind ausschließlich von Marketingzielen getrieben. Während sich Racing Point im British Racing grünen Kleid von Aston Martin in Bezug auf die Außenwirkung deutlich verbessert, muss sich Renault fragen, wie viel Glanz bei Erfolg an der Konzernmutter hängen bleibt. Der Name Alpine strahlt nur für Freaks. Dem jüngeren Publikum wird man erst einmal erklären müssen, was es mit der Geschichte der Marke auf sich hat.

Sergio Perez - Racing Point - GP Abu Dhabi 2020
Wilhelm
Sauber fährt seit 2019 als Alfa Romeo in der Königsklasse.

31 neue Namen in 48 Jahren

Namenswechsel sind in der Formel 1 keine Ausnahme. Seit 1973 haben wir 31 Umetikettierungen gezählt. Die meisten, weil die Besitzer wechselten. Das Team blieb gleich. Die vielen Neueinträge im Handelsregister sind ein Schwachpunkt der Serie, auch wenn es das gute Recht eines Eigentümers ist, sein Team so zu nennen wie er will. Doch damit verschwinden die Identifikation und die Geschichte bekannter Marken. Kontinuität schafft Vertrautheit. Real Madrid war immer Real Madrid. Das stärkt die Fanbasis.

Sauber ist so ein Fall. Der Schweizer Rennstall tritt seit 1993 in der Formel 1 an und ist damit das viertälteste Team der Königsklasse. Doch von 2006 bis 2009 traten die Eidgenossen unter dem Banner von BMW an und seit 2019 als Alfa Romeo. Der Wechsel zu BMW machte Sinn. Dem bayerischen Automobilhersteller gehörten 80 Prozent des Rennstalls. Er lieferte Motor und Getriebe.

Alfa Romeo gehört nichts und steuert auch keine Schraube zu den Autos aus Hinwil bei. Wer Sauber als Alfa Romeo in die Ergebnislisten einträgt, schafft nur Konfusion. Die italienische Automarke hat eine eigene Geschichte in der Formel 1, stellte 1950 und 1951 den Weltmeister und setzte zwischen 1979 und 1985 Autos und Motoren aus eigener Produktion ein. Was nichts mit der Geschichte von Sauber zu tun hat. Und umgekehrt.

Williams änderte mehrfach Namen

Vorläufer des Etikettenschwindels war ausgerechnet Williams. Der eiserne General war Anfang der 70er Jahre bitterarm, kaufte Autos bei anderen Herstellern ein. So hieß sein Team 1970 wie sein Auto. De Tomaso baute es ihm. 1971 fuhr Williams mit March-Chassis. 1972 ließ der Engländer erstmals ein eigenes Fahrzeug konstruieren und nannte es wie sein Geldgeber. Der Politoys nahm nur an einem Rennen teil. In den Jahren 1973 und 1974 hießen die Autos wie der Sponsor. Williams trat unter dem Label Iso Marlboro an. Durchaus eine Analogie zu Alfa Romeo und Sauber. Auch Alfa Romeo ist Titelsponsor des Teams. 1975 fuhr Williams wieder als Williams.

Auch beim bislang einzigen brasilianischen Formel 1-Projekt gab der Sponsor zunächst den Namen. Die knallgelben Paradiesvögel des Fittipaldi-Teams waren in den ersten fünf Jahren als Copersucar unterwegs, und erst danach unter dem Namen ihrer Besitzer. Umgekehrtes Spiel bei Toleman. Das britische Team wurde 1986 von Benetton gekauft. Benetton vergoldete seine rasende Werbeplattform 2002 mit dem Verkauf an Renault.

Jenson Button - BAR Honda - GP China 2005 - Shanghai
xpb
Aus BAR wurde später das Mercedes-Werksteam.

Wie aus BAR Mercedes wurde

Die Geschichte von BAR und Honda liest sich ähnlich, wurde danach aber noch zwei Mal weitergedreht. Der Tabakkonzern British American Tobacco leistete sich ab 1999 den Luxus eines eigenen Rennstalls. 2006 hatten die Tabakfritzen die Nase voll und traten ihr Team an Motorenpartner Honda ab. Die hielten drei Jahren durch. Dann wollten sie ihren Rennstall zusperren. Teamchef Ross Brawn erinnerte die Japaner daran, dass eine Stilllegung teurer käme als eine Schenkung an die Angestellten. So wurde BrawnGP daraus. Und ein Jahr später Mercedes. Die Mannschaft blieb weitgehend die gleiche. Der Firmensitz auch.

Es gab auch kuriose Tauschgeschäfte mit Besitz und Namen. March trat ab 1990 unter der Bewerbung des Sponsors Leyton House an. Zwei Jahre später stand wieder March in der Einschreibeliste. Leyton House-Chef Akira Akagi saß im Knast. Ähnlich lief es bei Arrows. Der Rennstall, der in 25 Jahren kein einziges Rennen gewann, firmierte zwischen 1991 und 1993 als Footwork. Das japanische Logistikunternehmen bezahlte die Rechnungen. Auch Footwork-Besitzer Wataru Ohashi bekam Probleme mit dem Gesetz. Also Kehrtwende zu Arrows. Osella gab seinen Rennstall 1991 an Felgen-König Gabriele Rumi ab. Nach zwei Jahren unter dem Siegel von Fondmetal war Schluss.

Pierre Gasly - Alpha Tauri - Max Verstappen - Red Bull - GP Emilia-Romagna 2020 - Imola
xpb
Red Bull betreibt zwei Teams in der Formel ein: das eine hat seinen Teamsitz in Milton Keynes, Alpha Tauri sitzt in Faenza.

Ein Fall für Ahnenforscher

Die Übernahme von Ligier durch Alain Prost war eine französischer Kuhhandel. Die Engländer konnten das auch. Jackie und Paul Stewart bauten mit Hilfe von Ford 1997 ein Formel 1-Team auf. Drei Jahre später verkauften sie den geschenkten Rennstall zurück an den amerikanischen Autoriesen, der daraus das Werksteam von Jaguar machte. Es war ein Schuss in den Ofen. Aus Jaguar wurde 2005 Red Bull. Ein Jahr später kaufte Dietrich Mateschitz noch ein zweites Team. Minardi lebte als Toro Rosso weiter. 14 Jahre lang. Seit letzter Saison nennt sich das Team Alpha Tauri. Wie eine Modelinie im Red Bull-Imperium.

Ahnenforscher können Aston Martin übrigens bis auf den Rennstall von Eddie Jordan zurückführen. Dazwischen lagen fünf Namenswechsel. Von Jordan zu Midland (2006), von Midland zu Spyker (2007), von Spyker zu Force India (2008), von Force India zu Racing Point (2018), von Racing Point zu Aston Martin (2021).

In der Saison 2010 stiegen gleich drei neue Teams in die Königsklasse ein. Keines davon ist mehr dabei. Ihre wacklige finanzielle Substanz dokumentiert sich schon dadurch, dass sie trotz ihrer kurzen Halbwertzeit mehrmals die Namen änderten. Tony Fernandes durfte 2010 und 2011 noch stolz den Namen Lotus spazieren fahren. Auf den waren auch der privatisierte Renault-Rennstall und die Chefs der Sportwagensparte von Lotus scharf. Der Konflikt wurde dadurch gelöst, dass Fernandes ab 2012 sein Team Caterham nannte.

Virgin-Chef Richard Branson trat die Rechte schnell an russische Investoren ab, die den Rennstall 2012 in Marussia umtauften. Zwei Jahre später war das Team zahlungsunfähig und ging in die Insolvenz. Manor übernahm die Konkursmasse und war 2015 und 2016 Namensgeber des Tabellenschlusslichts.