Napoleon Todt wird 60

Foto: Daniel Reinhard

Michael Schumacher bezeichnete ihn als "Freund fürs Leben" und für das ehemalige Bond-Girl Michelle Yeoh ist er die große Liebe: An diesem Samstag feiert Ferrari-Teamchef Jean Todt seinen 60. Geburtstag.

Der deutsche Formel-1-Rekordweltmeister wird seinen väterlichen Freund bei der Feier mit einem speziellen Geschenk überraschen. Schumacher gehört neben Todts malaysischer Freundin Yeoh, die derzeit im Film "Geisha" brilliert, und Fiat-Direktor Luca di Montezemolo zu den prominenten Gratulanten.

Wenigstens an seinem runden Geburtstag lässt der Workaholic die Arbeit für einen Tag ruhen. Sonst sind für den Franzosen bis zu 16 Stunden am Schreibtisch und an der Rennstrecke normal. "Ich bewundere Jean. Was er leistet, ist unglaublich", lobt Schumacher seinen Chef. Für Todt ist das italienische Traditionsteam der große Lebensinhalt. Selbst Michelle Yeoh könnte da manchmal eifersüchtig werden. "Ferrari ist meine Religion geworden", beschrieb der Motorsport-Enthusiast mal sein ganz spezielles Verhältnis zur Mythos-Marke aus Maranello.

Der 1,60 Meter kurze General

Nach seinem Dienstantritt am 1. Juli 1993 formte der große Stratege in mühevoller Kleinarbeit und mit viel diplomatischem Geschick ein Erfolgsteam aus der am Boden liegenden Scuderia. Innerhalb weniger Jahre beendete Todt das Chaos und schaffte Ordnung im "Grande Casino". Nicht nur wegen seiner geringen Körpergröße von 1,60 Metern, sondern auch wegen seiner taktischen Fähigkeiten und strategischen Weitsicht treffen ihn seine beiden Spitznamen "Napoleon" und "General" ziemlich genau.

Mit der Verpflichtung des neuen Grand-Prix-Stars Schumacher für die Saison 1996 sowie glänzender Fachleute wie Technik-Direktor Rossi Brawn oder Aerodynamik-Guru Rory Byrne bildete Todt die Basis für den kometenhaften Aufschwung. Nach einer schwierigen Übergangszeit, in der ihn nur Schumacher 1998 vor dem Rausschmiss rettete, konnte der Teamchef die Früchte seiner Arbeit ernten: Sechs Konstrukteurs-Titel in Serie (1999-2004) und fünf Fahrer-Weltmeisterschaften durch Schumacher hintereinander (2000-2004) sind in 56 Jahren Königsklasse des Motorsports die absolute Krönung. Todts Erfolgsrezept klingt dabei einfach: "Man muss immer am Ball bleiben - Tag für Tag, rund um die Uhr. Es gibt keinen Moment, in dem man sich zurücklehnen darf."

Jean Todt: "Mir wird nicht langweilig"

Nach dieser Saison endet Todts Vertrag bei Ferrari. Ob er dort weitermacht oder sich einer anderen Aufgabe widmet, lässt der begeisterte Teetrinker, Schalträger und Sammler wertvoller Kugelschreiber offen. "Mir wird auf keinen Fall langweilig", ließ er im Winter wissen. Der Sohn eines aus Polen nach Frankreich ausgewanderten Arztes interessiert sich selbst stark für Medizin und unterstützt schon jetzt gezielt Projekte.

Eine Laufbahn als Rennfahrer scheiterte aus finanziellen Gründen. Todt sprach sich aber auch die dafür notwendigen Fähigkeiten ab: "Für Erfolge als Fahrer fehlten mir der Mut zum Risiko, das Talent und der letzte Einsatzwille." Mit 20 stieg er als Rallye-Copilot ein und brachte es in 15 Jahren bis 1981 an der Seite berühmter Piloten wie Rauna Aaltonen, Ove Andersson, Hannu Mikkola oder Achim Warmbold zum besten Beifahrer überhaupt. Der WM-Triumph 1981 mit Guy Fréquelin auf Talbot war der Karriere-Höhepunkt als Co-Pilot. Danach begann Todts beeindruckende Tätigkeit als Teamchef bei Talbot, Peugeot und Ferrari mit vielen Siegen und Titeln in Rallye, Sportwagen-WM und Formel 1.

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