Nebel beim GP Kanada 1973

Wer war der Sieger im Mosport Park?

Ronnie Peterson - Lotus 72D - GP Kanada 1973 - Mosport Park Foto: sutton-images.com
1000. GP

Der Grand Prix von Kanada 1973 ging als das Rennen in die Geschichte ein, bei dem der Sieger nie eindeutig ermittelt werden konnte. Mindestens drei Fahrer behaupteten, das Nebel-Rennen von Mosport gewonnen zu haben.

Mosport war kein einladender Platz. Eine gefährliche und runtergewirtschaftete Rumpelpiste in einer Hügellandschaft nordöstlich von Toronto. Erst recht nicht an einem kalten und grauen Herbsttag wie diesem 23. September 1973

Doch der vorletzte Lauf der Weltmeisterschaft, die längst zugunsten von Jackie Stewart entschieden war, hat einen festen Platz in der Geschichte der Formel 1. Es war das Rennen, von dem keiner weiß, wer es gewonnen hat. Der erste Grand Prix, bei dem ein Pace Car auf die Strecke ging, obwohl es das damals noch gar nicht gab. Und der letzte GP-Start von Jackie Stewart, was so auch nicht geplant war.

Drei Fahrer reklamieren Sieg für sich

Die Szenen bei der Zieldurchfahrt entbehrten nicht einer gewissen Komik. Lotus-Chef Colin Chapman warf Emerson Fittipaldi die schwarze Cordmütze vor das Auto. So empfing er jeden Lotus-Sieger. Jackie Oliver streckte die Faust aus seinem Shadow. Doch der Rennleiter wartete mit der schwarz-weiß karierten Flagge auf einen anderen.

McLaren-Pilot Peter Revson wurde zum Sieger gekürt, in einem Rennen, das sämtliche Zeitnehmer überforderte. Nach drei Stunden Rechnen und Abgleichen der Rundentabellen fand man heraus: Der wahrscheinlichste Sieger war Peter Revson. Bis heute ist nicht geklärt, ob er es wirklich war.

Peter Revson - McLaren M23 - GP Kanada 1973 - Mosport Park Foto: sutton-images.com
Peter Revson im McLaren M23: Ist er wirklich der wahre Sieger?

Regen, Nebel, eine Inflation von Boxenstopps bei abtrocknender Strecke und der erste Einsatz eines Pace Cars waren die Wegbereiter der Konfusion. Der Trainingsschnellste Ronnie Peterson konnte seine Führung nur zwei Runden lang genießen. Dann stürmte von hinten Niki Lauda heran. Damals eine absolute Sensation. Der B.R.M. war 1973 kein Siegerauto, und Lauda war noch kein Siegfahrer.

Doch für die nasse Fahrbahn hatte Firestone die besseren Reifen. Auch Carlos Pace im Surtees und Laudas B.R.M.-Kollege Jean-Pierre Beltoise profitierten vom Firestone-Vorteil und rückten nach vorne. Die Goodyear-Fraktion kämpfte mit starkem Übersteuern.

Ab der 33. Runde brach Chaos aus

Als die Bahn abzutrocknen begann, rüstete B.R.M. seinen Mann an der Spitze auf Intermediates um. Die Führung war weg. Lauda musste später noch einmal zum Reifenwechsel an die Box. Diesmal von Intermediates auf Slicks. Ein Schaden an der Kraftübertragung bereitete Laudas großartiger Fahrt ein unverdientes Ende.

Auf Lauda folgte Emerson Fittipaldi als neuer Spitzenreiter. Doch ab der 33. Runde brach Chaos aus. Mitten in eine Serie von Reifenwechseln krachten Francois Cevert und Jody Scheckter im dritten McLaren so heftig zusammen, dass die Ambulanz, ein Abschleppwagen und mit drei Runden Verspätung das Pace Car ausrückten. Das gab es in der Formel 1 offiziell eigentlich gar nicht. In Nordamerika war es üblich. Die Rennleitung brauchte eine Notlösung, um das Feld zu ordnen und wieder den Überblick zu gewinnen. Tatsächlich schaffte sie dadurch nur noch mehr Fragezeichen.

Niki Lauda - BRM P160 - GP Kanada 1973 - Mosport Park Foto: sutton-images.com
Niki Lauda fuhr bis zu seinem Ausfall ein grandioses Rennen.

Das Führungsauto setzte sich vor den Williams von Howden Ganley. Der wunderte sich zunächst über die geschenkte Führung, wuchs aber an der neuen Aufgabe und hielt nach Freigabe des Rennens sogar eine Zeitlang Jackie Stewart in Schach. Auf dem Beifahrersitz des Porsche 914 saß Peter MacIntosh, der Sekretär der Teamvereinigung FOCA. Der funkte der Rennleitung, dass man den Falschen ausgewählt habe. Antwort aus dem Regiezentrum: „Bleiben Sie vor der Startnummer 25.“ Das war Ganley.

Eine Runde Rückstand oder Vorsprung?

Die Teams interpretierten das Geschehen auf der Piste anders. Für sie lagen Jean-Pierre Beltoise, Jackie Oliver und Peter Revson an der Spitze. Da die drei aber vor dem Pace Car fuhren als es auf die Strecke ging, hatten sie entweder eine ganze Runde Rückstand oder sie lagen vor dem Feld. Wenn es eine Runde Rückstand war, dann war diese bei dem langsam dahinrollenden Konvoi schnell wieder aufgeholt. Innerhalb von zwei Runden lagen die drei wieder am Schwanz des Feldes.

Emerson Fittipaldi, der hinter Ganley und Stewart eingeklemmt war, musste diese Aufgabe nach Freigabe des Rennens im Renntempo erledigen. Als der Brasilianer das geschafft und in der vorletzten Runde auch noch Oliver und Beltoise überholt hatte, ging Lotus vom Sieg seines Fahrers aus.

Ein Boxenstopp, den keiner bemerkte

Die Rennleitung sah es anders. Für sie hatte ab der 49. Runde Peter Revson geführt. Der McLaren-Pilot hatte demnach im Ziel 32 Sekunden Vorsprung auf die Kampfgruppe Fittipaldi-Oliver. Jean-Pierre Beltoise wurde auf Platz 4 zurückgestuft. Er soll in dem Durcheinander einen Boxenstopp gemacht haben, den keiner bemerkte.

Um das Ergebnis plausibel zu erklären wurden Jackie Stewart und Howden Ganley je eine Runde abgezogen. Stewart zeigte sich überrascht, dass er überhaupt den fünften Platz zugesprochen bekam: „Wie ist das möglich? Ich war doch drei Mal an den Boxen.“

Der neue Weltmeister spielte auf der Buckelpiste von Mosport bereits im Training nur eine Nebenrolle. Der Schotte klagte über Probleme mit der Straßenlage. Vielleicht spielte da auch schon der bevorstehende Rücktritt, von dem keiner etwas ahnte, im Hinterkopf eine Rolle. Eigentlich wollte Stewart zwei Wochen später in Watkins-Glen seinen letzten Grand Prix fahren. Doch dazu kam es nicht mehr. Nach dem tödlichen Unfall seines Teamollegen Francois Cevert im Training zog Tyrrell die Nennung zurück. Stewart erlebte den GP USA als Zuschauer.

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