Valtteri Bottas - Mercedes - Formel 1 - Test - Barcelona - 2. März 2017 Stefan Baldauf
Daniel Ricciardo - Red Bull RB13 - Barcelona - Testahrten
Valtteri Bottas - Mercedes - Formel 1 - Test - Barcelona - 1. März 2017
Daniel Ricciardo - Red Bull - Formel 1 - Test - Barcelona - 1. März 2017
Daniel Ricciardo - Red Bull - F1-Test - Barcelona - 27. Februar 2017 36 Bilder

Mercedes gegen Red Bull in der Formel 1 2017

WM-Aspiranten mit zwei total verschiedenen Autos

Es soll das große Duell des Jahres werden: Red Bull gegen Mercedes. Die beiden Erzfeinde schicken zwei Rennautos in die Schlacht, die völlig unterschiedlich sind.

Red Bull schleuderte bei der Präsentation des neuen RB13 eine Kampfansage gegen die Konkurrenz. „13 ist eine Unglücksnummer. Für unsere Gegner.“ Damit war auch Mercedes gemeint. Der Erzfeind aus Brackley legte dann allerdings einen deutlich besseren Teststart auf die Bahn als der Herausforderer. Bilanz nach drei Tagen: 490 gegen 212 Runden, die Bestzeit 1.19,705 Minuten gegen 1.21,153 Minuten.

„Die Mercedes laufen schon wieder wie die Uhrwerke. Wir müssen noch zuverlässiger werden“, grantelte Red Bull-Berater Helmut Marko. Teamchef Christian Horner ließ sich durch die Defekte nicht aus der Ruhe bringen: „Besser jetzt als in Melbourne. Wir waren noch nie die Testkönige. Mercedes hat im letzten Jahr die mit Abstand meisten Runden gedreht und dann später in der Saison doch einige Defekte gehabt.“

Mercedes W08 komplizierter als Red Bull RB13

Die Rundenzeiten in der ersten Testwoche sind erfahrungsgemäß nur Schall und Rauch. „Erst in der zweiten Woche werden wir eine Aussage treffen können“, glaubt Mercedes-Außenminister Niki Lauda. Teamchef Toto Wolff erwartet sogar erst für Melbourne ein klares Bild: „Wir sehen, welche Fortschritte wir jede Woche im Windkanal machen. Bei der Steigerungsrate kann zwischen dem zweiten Barcelona-Test und Melbourne noch viel passieren.“

Trotz des Fehlstarts von Red Bull und der erstaunlich guten Zeiten von Ferrari bleibt die Truppe aus Milton Keynes für den Titelverteidiger im Moment noch der Gegner, den man am meisten fürchten muss. Vielleicht auch deshalb, weil Red Bull ein ganz anderes Auto gebaut hat.

Der Mercedes W08 und Red Bull RB13 sind der totale Gegenentwurf. Das sehen auch die Chefingenieure Aldo Costa und Adrian Newey so. Newey: „Der Mercedes ist wie im letzten Jahr ein komplett anderes Auto als unseres. Es sieht so aus, als ob man mit beiden Konzepten zu einem ähnlichen Ergebnis kommen kann.“

Wilde Auswüchse bei Mercedes

Newey macht seine Beobachtung auch an Details fest. Ihm fällt auf: „Der Mercedes ist im Bereich der Leitbleche viel komplizierter als wir. Das spricht für eine andere Philosophie. Unser Auto ist relativ simpel und kommt mit weniger Strömungsausrichtern aus als der Mercedes. Leitbleche sind im Prinzip nichts anderes als Luftwirbel-Erzeuger, mit deren Hilfe man die Strömung dorthin dirigiert, wo man sie haben will. Wir halten sie im Moment überschaubar, um uns nicht selbst zu verwirren. Mercedes scheint eine starke aerodynamische Plattform zu haben, wenn sie jetzt schon mit so komplexen Lösungen operieren.“

Valtteri Bottas - Mercedes - F1-Test - Barcelona - 27. Februar 2017
Stefan Baldauf
Das große Bargeboard am Mercedes W08.

Der Red Bull staffelt vor den Seitenkästen lediglich zwei Leitbleche. Der Bügelflügel ist Standard. Nur der runde Ausschnitt zu Beginn des Unterbodens unterscheidet sich von der Konkurrenz. Beim Mercedes braucht man ein Foto, um zu erklären, was zwischen Vorderrädern und Seitenkästen montiert ist. „Das wird noch wilder“, verrät Costa. Kollege Newey dagegen will das Prinzip der klaren Linien solange beibehalten wie möglich. „Das ist unser Stil. Was aber nicht heißt, dass nicht auch unsere Leitbleche komplizierter werden, wenn wir uns auf sicherem Boden bewegen.“

Beide Autos lang und hinten hoch

Schauen wir uns die beiden Autos mal genauer an. Die Seitenansicht beider Rennwagen zeigt: Der Red Bull ist wie immer extrem angestellt. Der Mercedes mehr als früher, aber bei weitem nicht so wie das Konkurrenzprodukt. Beide Technikabteilungen haben den Radstand gestreckt. Trotzdem ist der Mercedes ein gutes Stück länger.

Bei den Seitenkästen baut Red Bull von den Kühleinlässen an hoch, dafür schmal. Die Seitenteile am Mercedes gehen zunächst stark in die Breite, um sich nach einem kurzen Bauch relativ früh stark zu verjüngen. Hinten fällt beim Red Bull die Motorabdeckung fast senkrecht auf die Bodenplatte ab. Der Mercedes ist flacher, macht aber noch einen kleinen Bauch. Beide erreichen unter dem Strich das gleiche Ziel. Links und rechts der Verkleidung bleibt auf dem Unterboden viel freie Fläche.

Bei der Nase verzichtet Mercedes wie schon in den Jahren zuvor auf eine Knolle an der Spitze. Red Bull versteckt dort das bislang spektakulärste Detail seines Autos. Die Nase hat ein viereckiges Loch an der Spitze. Chefdesigner Rob Marshall wollte darauf nicht näher eingehen. Fotos zeigen, dass die Luft nach den ersten fünf Zentimetern in zwei Kanälen wieder austritt. Damit verfolgt Red Bull ein ähnliches Ziel, das Force India mit seinen zwei Nasenlöchern erreicht. Am Übergang zwischen Nase und Chassis findet sich übrigens eine Gemeinsamkeit zwischen Mercedes und Red Bull. Einen S-Schacht haben beide.

Daniel Ricciardo - Red Bull - Formel 1 - Test - Barcelona - 1. März 2017
Stefan Baldauf
Red Bull-Nase mit großem Loch.

Segel oder T-Flügel?

Red Bull schließt die Airbox mit einem riesigen Segel ab, obwohl das Team bei der FIA den Antrag eingereicht hatte, die monströsen Segel zu verbieten. „Leider haben einige Teams quer geschossen“, bedauert Horner. Eine diplomatische Antwort. Tatsächlich soll es nur Renault gewesen sein.

Mercedes hat zwei Lösungen im Angebot. Am Morgen des ersten Testtages war das Auto wie bei der Präsentation mit einem dünnen Kamm auf der Motorabdeckung und einem T-Flügel über der Hinterachse bestückt. Am Nachmittag mit der großen Finne. Mit dem T-Flügel nutzen die Ingenieure ein hauchdünnes Schlupfloch. Das FIA-Reglement hat hier einen kleinen Ausschnitt von 5 Zentimeter Länge für Aufbauten gelassen. In Windkanal-Tests ergaben sich kaum Unterschiede zwischen den beiden Varianten. Die Ästheten im Team hoffen darauf, dass sich die Kleiderbügel-Variante mit der flacheren Airbox durchsetzt.

Zum Schluss noch zwei Übereinstimmungen. Beide Teams haben mit der Entwicklung der 2017er Autos im März 2016 begonnen. Und beide haben Motoren im Heck, die noch nicht ganz sattelfest sind. Bei beiden gibt es offenbar Kinderkrankheiten im ERS-Bereich. Mercedes schaffte erst vergangene Woche die erste 6.000-Kilometer Distanz auf den Prüfstand. Renault soll noch nicht so weit sein.

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Der Doktor ist begeistert. Red Bull-Berater Dr.

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