Valtteri Bottas - Formel 1 - GP Frankreich 2021 Wilhelm
Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Frankreich 2021
Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Frankreich 2021
Verstappen & Perez - Red Bull - Formel 1 - GP Frankreich 2021
Sebastian Vettel - Aston Martin - Formel 1 - GP Frankreich 2021 48 Bilder

Mercedes-Frontflügel nach GP Frankreich im Visier

Neuer Streit um biegsame Aero-Teile Mercedes-Frontflügel im Visier

Erst die flexiblen Heckflügel, jetzt der Frontflügel. Mercedes wird verdächtigt, die Grenzen mit seinem vorderen Luftleitwerk zu überdehnen. Aufnahmen der TV-Kameras legen zumindest eine gewisse Biegsamkeit nahe. Red Bull hat bereits eine Anfrage bei der FIA deponiert mit der Bitte um Klarstellung.

Der Präsident bringt es auf den Punkt. "Mehr Wettbewerb, mehr Kontroversen", sagt FIA-Oberhaupt Jean Todt. Es kehrt in dieser Saison keine Ruhe ein. Mercedes und Red Bull fahren auf und abseits der Rennstrecke die Ellbogen aus. Zwischen den Topstars Lewis Hamilton und Max Verstappen hat es zwar noch nicht gekracht, dafür ist die Teamführung mehrmals aneinander gerasselt. Es geht um Flügel und im Hintergrund auch um Reifen.

Red Bull fühlt sich zu Unrecht angeprangert. Zunächst durch den Fall der flexiblen Heckflügel, den Mercedes angeschoben hatte. Das Streitthema war beim GP Spanien hochgekocht und endete mit der Technischen Direktive TD018. Die FIA hat damit vor dem GP Frankreich die Belastungstests verschärft, indem sie die Last auf dem Heckflügel verdoppelte. Noch gibt es bis England eine Toleranz von 20 Prozent, die beschriebenen Grenzwerte von maximal einem Grad Verbiegung zu überschreiten.

Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Frankreich 2021
Motorsport Images
Mercedes und Red Bull bekämpfen sich 2021 auf und neben der Strecke.

Keine Furcht vor Kontrollen

Die Klarstellung zwang den WM-Führenden, seine Heckflügel-Konstruktion zu versteifen. Die Teamführung macht keinen Hehl daraus, dass damit Kosten von rund einer halben Million Dollar verbunden sind. In Zeiten der Budgetdeckelung, in denen sich die Topteams gesundschrumpfen müssen und um jeden Tausender feilschen, schmerzt eine konstruktive Änderung doppelt – zumal die nicht im Budget eingeplant war.

Am meisten aber stößt es Red Bull auf, in eine Ecke gedrängt worden zu sein, etwas Anrüchiges gemacht zu haben, und nur durch solche Mittel überhaupt Mercedes schlagen zu können. Red Bull war nie durch einen Test der FIA gerasselt. In Frankreich trat der große Herausforderer den Beweis an, nichts von seiner Pace eingebüßt zu haben. Im Gegenteil: Die Red Bull waren schneller denn je auf den Geraden und wie üblich stark in den Kurven. Verstappen raste auf Pole-Position und gewann das Rennen.

Auch die erhöhten Luftdrücke konnten Red Bull nicht bremsen. Nach den Reifenschäden von Baku waberte der Verdacht durchs Fahrerlager, dass da manche Teams – wie bei den Heckflügeln – ein bisschen mehr an die Grenzen gehen als andere und vielleicht sogar mit unlauteren Methoden arbeiten. Da war die Rede von übermäßigem Absenken des Luftdrucks. Red Bull gehörte zu den Verdächtigten.

Doch ein Fehlverhalten konnte von den Aufpassern nicht nachgewiesen werden. Wie auch nicht bei Aston Martin. Beide Teams erfüllten nicht die Erwartungen von Pirelli an den Reifenluftdruck im Rennen, was allerdings fernab eines strafbaren Vergehens ist. Bei Red Bull heißt es, man habe zu keinem Zeitpunkt die vorgegebenen Parameter für die Reifen unterschritten. Wenn man besser mit den Reifen umgeht, dann liege das an besserem Material – den Felgen und den Bremsbelüftungen zum Beispiel. Man habe sich zu keiner Zeit vor Kontrollen gefürchtet und tue das auch weiter nicht.

Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Frankreich 2021
Wilhelm
Max Verstappen führt nach sieben Rennen die WM an. Red Bull führt auch im Konstrukteurs-Pokal.

Gegenschlag von Red Bull

Jetzt holt Red Bull zum Gegenschlag aus, und widmet sich dem Frontflügel des Erzrivalen. Das ist im Prinzip nicht neu, weil Red Bull bereits im Zuge der Flexi-Heckflügel-Debatte mit dem Finger auf die Fahrzeugfront des W12 gezeigt hatte. Doch nach dem Studium von Fotos und Aufnahmen der TV-Kameras in Frankreich hat Milton Keynes die Regelhüter verstärkt darauf aufmerksam gemacht, den Mercedes-Frontflügel doch bitte genauer anzuschauen.

"Wir haben das Thema bei der FIA hinterlegt. Die schaut sich die Fall an und trifft eine Entscheidung", heißt es aus Teamkreisen. Red Bull verspricht sich Aufklärung, was hier erlaubt ist und wo die Grenze verläuft. Wenn man den Heckflügel kastriert, warum nicht dann auch die Frontflügelflaps, die sich bei Mercedes auf den Geraden nach hinten legen und beim Bremsen wieder in die Ausgangsstellung zurückbewegen?

Die Frage lautet, ob das noch im Rahmen ist oder nicht. Hinter vorgehaltener Hand wünscht sich Red Bull, dass da auch mal eine Technische Direktive kommt, die auf den Erzrivalen abzielt. Wirkliche Unruhe wird man bei Mercedes nicht heraufbeschwören. Dafür ist der Titelverteidiger zu abgebrüht. Und auch der Frontflügel von Red Bull steht nicht komplett steif im Fahrtwind, wie Videobilder belegen. Es könnte sich also nur um ein Ablenkungsmanöver handeln.

Und selbst wenn Mercedes am Frontflügel nachbessern müsste (und vielleicht andere Teams), wird die FIA wie bei den Heckflügeln sicher eine Übergangsfrist einräumen. Ein Game-Changer wäre es wahrscheinlich ohnehin nicht. Ein sehr gutes Rennauto bleibt ein sehr gutes Rennauto. In einem Punkt sind sich die Streithähne einig. Klarstellungen von Seiten der FIA sind wichtig, doch entscheidend ist ihre Kontrolle.

Die Regelbehörde hat aktuell alle Hände voll zu tun. Das große Problem: Die Technik ist in den letzten Jahren immer komplizierter geworden. Nicht nur der Motor. Auch die Lösungen für die Aerodynamik und andere Bereiche der Autos werden immer filigraner. Um alles zu überwachen, bräuchte es eigentlich eine Heerschar an Angestellten und eigenen Ingenieuren. Oder das Regelwerk muss einfacher werden. 2022 kommen zumindest auf dem Papier weniger komplizierte Autos.

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