Haas - Launch - Enthüllung - Barcelona 2020 Motorsport Images
Haas F1 - Fabrik Banbury - 2016
Haas F1 - Fabrik Banbury - 2016
Haas F1 - Fabrik Banbury - 2016
Haas F1 - Fabrik Banbury - 2016 25 Bilder

Neue Teams für die Formel 1

Nie war die Gelegenheit besser

Die Formel 1 hat Angst in der Corona-Krise Teams zu verlieren. Stattdessen sollte sie versuchen, gerade jetzt neue anzulocken und das Feld aufzustocken. Nie war die Gelegenheit zum Einstieg günstiger. Wir erklären warum.

Die Formel 1 stöhnt unter der größten Krise ihrer Geschichte. Noch weiß keiner wie sie ausgeht. Wir können 15 Grands Prix in diesem Jahr erleben oder gar keinen. Erst im Spätsommer wird man abschätzen können, welche Spuren Corona in der Königsklasse hinterlässt.

Erst dann steht fest, wie viele Rennen tatsächlich stattfinden und wie viel Geld bei den zehn Teams wirklich hängenbleibt. Und erst dann lässt sich abschätzen, ob alle Teams diese Krise auch überstehen. McLaren-Chef Zak Brown hatte in seiner düstersten Prognose von der Gefahr gesprochen, vier Teams zu verlieren.

Ist es da nicht vermessen gleichzeitig davon zu träumen, neue Teams in die Formel 1 zu locken, den Club von zehn auf zwölf Teams zu erweitern? Nicht unbedingt. Schlechte Zeiten können auch gute Zeiten sein. Vor allem für Neueinsteiger. Weil es nie einen besseren Moment gibt neu anzufangen, wenn alles am Boden liegt.

Die aktuellen Teams werden geschwächt aus dieser Krise hervorgehen. Jeder auf seine Weise. Weil sie mit 63 Tagen Zwangspause aus ihrem üblichen Trott geworfen wurden. Weil ihre Pläne, an zwei Autos parallel zu entwickeln, neu überdenken müssen. Weil einige von ihnen mit weniger Geld auskommen müssen. Kurzum: Weil es im Moment so viele Unsicherheitsfaktoren gibt, die auch die arrivierten Teams vor neue Aufgaben stellen.

Marussia - Launch - 2013
Motorsport Images
Mit Virgin, Lotus und HRT kamen 2010 gleich drei neue Teams in die Formel 1. Keines davon konnte überleben.

Modell Haas kann funktionieren

Eines ist klar: Jedes Team, das bis spätestens 2022 einsteigen will, braucht einen milliardenschweren Investor mit dem Rennvirus im Blut. Automobilhersteller werden sich im Moment auf kein neues Motorsport-Projekt von der Größenordnung einlassen. Wir müssen schon froh sein, wenn uns Mercedes, Renault und Honda erhalten bleiben.

Seit die Blutauffrischung mit Caterham, Marussia und Hispania gescheitert ist, hat es nur Haas gewagt, in die Formel 1 einzusteigen. Der US-Rennstall fasste im Gegensatz zu seinen Vorgängern schnell Fuß. Weil man einen guten Plan hatte. Weil mit seinem Modell an die Grenzen des Reglements gegangen ist. Haas kaufte bei Ferrari ein, was die Regeln erlauben. Im Prinzip kommen nur das Chassis, die Aerodynamik und die Kühler aus dem eigenen Haus.

Racing Point und Alpha Tauri haben den Weg von Haas jetzt kopiert. Beide sind sogar noch einen Schritt weiter gegangen. Sie haben die Vorgängerautos ihrer Partnerteams weitgehend kopiert. Die Botschaft nach draußen ist: Dieses Modell kann funktionieren, wenn man es schafft eine gute Mannschaft zusammenzutrommeln.

Und das wäre eine Einladung für jeden, der mit dem Gedanken spielt, in die Formel 1 einzusteigen. Er muss es nur schnell machen. Wenn das neue Concorde Abkommen einmal in Kraft tritt, wird man bei Liberty 200 Millionen Dollar Eintrittsgeld bezahlen müssen. Im Gegensatz zu früher sieht man das Geld nie wieder.

Kevin Magnussen - Haas - F1-Test - Barcelona - 28. Februar 2020
Stefan Baldauf
Haas ist das jüngste Team, das in die Formel 1 eingestiegen ist.

Neue Regeln ab 2022 sind ein Gleichmacher

Es gibt noch mehr gute Gründe, warum man sich gerade jetzt den Einstieg in die Königsklasse überlegen sollte. Da wäre zunächst die Reduzierung der Budgetdeckelung: 145 Millionen Dollar sind schon nicht mehr ganz so utopisch wie 175 Millionen. Und diese Zahl soll später noch auf 130 Millionen Dollar sinken.

Wer alle Einstiegshürden überspringt und schließlich an der Ausschüttung der Einnahmen partizipiert, wird je nach Erfolg zwischen 50 und 70 Prozent dieser Summe abdecken können. Die Lücke zu den Top-Teams ist dann deutlich geringer als bisher. Bei effizientem Management können Neueinsteiger in der Aerodynamik mit einem ähnlich Budget arbeiten wie alle anderen auch. Und das bestimmt am Ende die Rundenzeit.

Die neuen Autos, die nun erst 2022 debütieren, werden ein weiterer Gleichmacher sein. Es gibt viel weniger Spielraum, sich aerodynamisch abzusetzen. Experten befürchten zwar, dass der ein oder andere den goldenen Schuss landet, doch das hätte höchstens ein Jahr Bestand. Dann haben ihn alle anderen nachgebaut, oder er wird verboten. Wer 2022 beginnt, kann sich ab Januar 2021 voll auf die neuen Regeln konzentrieren.

Das bislang größte Problem für Neulinge war es, ein funktionierendes Team auf die Beine zu stellen. Die Formel 1 verlangt Spezialisten, die man nicht so einfach in anderen Motorsportserien findet. Die Auswirkungen der Corona-Krise und die Reduzierung der Budgetdeckelung werden innerhalb der nächsten zwei Jahre rund 1.000 Facharbeiter aus allen Disziplinen auf den Markt spülen.

Nicht nur Mercedes, Red Bull und Ferrari müssen Federn lassen. Auch McLaren und Renault sind mit über 700 Mitarbeitern für die Ära nach Corona überproportioniert. Das wäre genug, um zwei neue Teams damit zu bestücken.

Alpha Tauri – Shakedown – Misano – 15. Februar 2020
Red Bull
Sollten Kundenteams ganze Autos kaufen können oder nur Teile?

Kundenteams sind nicht die Lösung

Die großen Teams wehren sich allerdings reflexartig gegen eine Ausweitung des Feldes. Red Bull-Teamchef Christian Horner schlägt reine Kundenteams vor, die ein Vorjahresmodell komplett übernehmen. Auch Ferrari zieht diesen Weg vor.

Interessanterweise sind es gerade die beiden Teams, die bei jeder geplanten Abrüstung die DNA der Formel 1 in Gefahr sehen. Doch die viel beschworene DNA wird maximal beschädigt, wenn einer ein Auto einfach einkaufen kann.

Der Hintergrund der Lobby-Politik liegt auf der Hand: Mit Kundenautos hätte man diese Teams besser unter Kontrolle. Wer wie Haas, Racing Point oder Alpha Tauri nur bestimmte Teile einkauft, hat in der Theorie die Chance, mit einer besseren Aerodynamik die großen Teams zu schlagen. Diese Konkurrenz hält man sich lieber vom Hals.

Es wäre kurzsichtig, jetzt neuen Teams den Weg in die Formel 1 zu verwehren. Aus Sicht der Serienbetreiber sowieso. Jedes zusätzliche Team verringert den Druck in der Krise. Bei zwölf Teams lässt sich der Verlust von einem oder zwei Teilnehmern leichter verschmerzen als bei zehn.

Wenn am Ende die Hälfte der Teams bei den anderen das Vorjahresmodell einkauft, macht sich die Formel 1 noch abhängiger von einigen wenigen Teilnehmern. Zwölf Teams bedeuten nur kurzfristig weniger Geld für den einzelnen. Je größer das Feld, desto besser die Show. Und die lässt sich am Ende teurer verkaufen.

Gegen Parasiten, die einfach nur zwei Autos an den Start bringen, um Geld abzugreifen, kann man sich ganz leicht absichern: Wer über eine Saison nicht bei mindestens 90 Prozent aller Einsätze 105 Prozent der Bestzeit im Q1 schafft, nimmt an der Ausschüttung nicht teil. Dieses Geld wird an den Rest verteilt.

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