Neue Formel 1 verliert 4,5 Sekunden

Warum waren die Rundenzeiten so langsam?

Caterham & Marussia - GP Spanien 2014 Foto: xpb 29 Bilder

Noch nie war der Unterschied zwischen der alten und der neuen Formel 1 so groß. Die Pole Position von 2013 lag 4,5 Sekunden unter dem aktuellen Bestwert von Lewis Hamilton. Wir suchen nach den Gründen für die Schleichfahrt.

Barcelona gab den Kritikern der neuen Formel 1 frische Nahrung. Die Pole Position von Lewis Hamilton lag um 4,5 Sekunden über dem Vorjahreswert. Zum Vergleich: 2014 stellte Nico Rosberg seinen Mercedes mit 1.20,718 Minuten auf den besten Startplatz. Lewis Hamilton kam im aktuellen Silberpfeil nur auf 1.25,232 Minuten. Mit einem Schnitt von 196,616 km/h war es die langsamste Barcelona F1-Pole aller Zeiten.

Peinlich, aber wahr: Das schnellste GP2-Auto wäre im Formel 1-Feld auf dem 19. Startplatz gelandet. Die Caterham und Marussia hätten beim GP2-Rennen mitfahren können. Bislang lag der Unterschied in der Rundenzeit zwischen einer halben und zwei Sekunden. Warum also fiel der Zeitenvergleich in Barcelona so krass aus?

Top-Speed um 24 km/h schneller

Der Top-Speed war nicht schuld. Er stieg im Vergleich zu 2013 um 24 km/h. Felipe Massa wurde am Ende der Zielgeraden mit unglaublichen 342,3 km/h gemessen. Dafür sank die Geschwindigkeit in der schnellsten Kurve von 218 auf 194 km/h. Gemeint ist der Rechtsbogen in die Gegengerade (Kurve 9). Auch in der extrem lang gezogenen Kurve 3 mussten die 2014er Autos Federn lassen. Der Speed fiel von 211 auf 185 km/h.

In den langsamen Ecken fällt der Vergleich nicht ganz so schlimm aus. Kurve 4 wurde im letzten Jahr im dritten Gang mit 129 km/h gefahren. In diesem Jahr legten die Fahrer in der 180 Grad-Kehre den vierten Gang ein und waren 121 km/h schnell. Die langsamste Stelle des Kurses ist Kurve 10. Hier steht es 70 km/h zu 61 km/h zugunsten von 2013.

Drei Gründe für lahme Barcelona-Zeiten

Nico Hülkenberg machte drei Gründe für die Schleichfahrt verantwortlich: "Die 50 Kilogramm Zusatzgewicht für die neuen Autos schlagen in Barcelona besonders an. Die Reifenmischungen sind härter als im letzten Jahr, und mit der kastrierten Aerodynamik fahren wir jetzt auf letztjährigem Monza-Niveau. Wir waren noch nie mit so wenig Abtrieb in Barcelona unterwegs."

In der Qualifikation kam noch ein vierter Faktor hinzu. Der Asphalt heizte sich auf 45 Grad auf. Im Vorjahr waren es in der Qualifikation nur 37 Grad. Mit zunehmender Hitze steigen in Barcelona generell die Rundenzeiten.

Die Autos standen in jeder zweiten Kurve quer. Es war gar nicht daran zu denken, in den drei schnellen Rechtskurven das Gas stehen zu lassen. Wer es wie Pastor Maldonado versuchte, landete in der Mauer. Die in Bezug auf Abtrieb verwöhnten Fahrer maulten. "Die Kurven fühlen sich im Cockpit nicht sehr dynamisch an", meinte Nico Hülkenberg. "Gänsehaut kriegst du da nicht mehr", kartete Sebastian Vettel nach.

Am Renntag schrumpfte der Abstand

Am Renntag sah es für die moderne Formel 1 wieder etwas freundlicher aus. Lewis Hamilton brauchte für die 66 Runden 1:41.05,155 Stunden. Vorjahressieger Fernando Alonso schaffte die Renndistanz in 1:39.16,596 Stunden. Allerdings mit zwei Reifenstopps mehr.

Aber auch mit einem Spritverbrauch von 3,0 Liter pro Runde. Die V6-Turbos begnügen sich mit 2,05 Liter für die 4,566 Kilometer lange Streckenumrundung. Sebastian Vettel verlor auf seiner schnellsten Runde von 1.28,918 Minuten nur noch 2,7 Sekunden auf die Vorjahresbestzeit von Esteban Gutierrez. Am Renntag war es auch kühler als im Abschlusstraining.

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