Neue Getrieberegel bereitet Sorgen

Foto: Daniel Reinhard 41 Bilder

Die neue Getrieberegel ist eine harte Nuss. Vier Rennwochenenden lang muss eine Kraftübertragung durchhalten - das sind rund 2.500 Kilometer. Wer vorher tauscht, wandert fünf Startplätze nach hinten.

Die Aufgabe ist härter als den Motor über zwei GP-Wochenenden zu bringen. Und bei dem gibt es ja seit diesem Jahr das Geschenk, dass der jeweils erste Schaden eines Fahrers ohne Versetzung um zehn Startplätze über die Bühne geht. Die Anregung für die Amnestie kam übrigens nicht von der FIA, sondern von Renault-Teamchef Flavio Briatore. Ex-Renault-Pilot Heikki Kovalainen musste 2007 ein Mal die Strafe ausbaden.

Ausnahmsweise straffrei tauschen

Jede Regel hat Ausnahmen. Auch der verschärfte Getriebe-Paragraph. Wenn das betroffene Team nachweisen kann, dass nur Gangräder oder Schaltklauen beschädigt sind, darf unter Aufsicht eines FIA-Kommissar straffrei getauscht werden. So wie bei Kimi Räikkönens Ferrari in Melbourne. Sind auch noch andere Innereien betroffen, muss der Fahrer fünf Plätze zurück. So wie Timo Glock beim GP Australien.

Trotzdem beginnt nach jeden Grand Prix das große Zittern. Die Teams fragen sich, ob es nicht doch eine Vorschädigung gab, die dann beim Training zum nächsten Rennen für Kleinholz und eine Strafe sorgt. So baten McLaren und Toyota vor dem GP Bahrain die Siegel von Hamiltons und Trullis Getrieben aufbrechen zu dürfen, um nach dem Rechten zu schauen. In beiden Fällen wurde eine Komponente des Differenzials getauscht. Ein erlaubter Vorgang.

Aktion kostet WM-Punkt

Auch vor dem nächsten Rennen in drei Wochen in Barcelona wird es wieder derartige Anfragen geben. Timo Glock musste wahrscheinlich wegen eines Kupplungsproblems das Getriebe vom Schnellschalt- in den Normalmodus umstellen. Zuvor hatte es einige unsaubere Schaltmanöver gegeben. Die Aktion kostete den Toyota-Piloten einen WM-Punkt, doch sie könnte auch noch eine Nachgeschichte haben. "Normalerweise sollte alles in Ordnung sein", meinte Toyota-Technikchef Pascal Vasselon. Normalerweise. Doch die modernen Schnellschaltgetriebe sind höchst heikel.

Renault bat aus diesem Grund Nelsinho Piquet den GP Bahrain abzubrechen. Das Getriebe ließ sich nicht mehr einwandfrei schalten. Piquet wollte weiterfahren, hätte damit aber einen größeren Getriebeschaden riskiert. "So dürfen wir jetzt im Rahmen des Reglements straffrei wechseln", erklärte Chefingenieur Pat Symonds.

Bei den Wintertestfahrten wurden praktisch keine Getriebeprobleme rapportiert, obwohl der Lebenszyklus auf vier GP-Wochenenden verlängert wurde. Doch seit dem Saisonstart gibt es regelmäßig Alarm. In Melbourne wurden drei Getriebe getauscht, in Malaysia vier, vor dem GP Bahrain zwei.

Noch viele Getriebewechsel und Strafen erwartet

Ferrari-Technikdirektor Aldo Costa prophezeit noch viel Ärger mit der Getriebe-Regel. "Die Innereien überstehen die vier Rennen klaglos, wenn wie beim Testen Normalbetrieb angesagt ist. Aber an im Ernstfall treten in der Hektik und durch besondere Umstände so viele Belastungsspitzen auf, dass mehr als nur Gangräder und Schaltklauen in Mitleidenschaft gezogen werden. Wir werden noch viele Getriebewechsel und Strafen erleben."

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