Charles Leclerc - Mattia Binotto - Carlos Sainz - Ferrari Ferrari
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Neuer Ferrari heißt SF21: Mindestziel Platz drei

Neuer Ferrari heißt SF21 Mindestziel ist der dritte Platz

Ferrari versucht, die schlechteste Saison seit 1980 zu vergessen. Der neue Motor macht gute Fortschritte, der neue SF21 soll ohne die Fehler des alten Autos auf die Welt kommen. Teamchef Mattia Binotto gibt Platz drei in der Konstrukteurs-WM als Mindestziel aus.

Das Gute nach einer schlechten Saison für Ferrari ist: Es kann nur besser werden. Der sechste Platz war das schwächste Teamergebnis seit der Saison 1980. Die 131 WM-Zähler in 17 Rennen waren die magerste Ausbeute seit Einführung des neuen Punkteschemas 2010. Pro Grand Prix sammelte Ferrari 7,706 Punkte. Im besten Jahr der Hybrid-Ära 2018 waren es 27,190 Zähler pro Start.

Die Fallhöhe vom Vize-Titel 2019 war groß, die Landung entsprechend hart. Nachdem die FIA über den Winter alle Schlupflöcher bei den Antriebseinheiten zugemauert hatte, verlor der Ferrari-Motor dramatisch an Leistung. Manche sagen: Von 50 PS plus auf 50 PS minus. Der SF1000 war noch unter der Annahme konstruiert worden, den stärksten Motor im Feld zu haben. Als die Power ausblieb, traf der hohe Luftwiderstand das Paket doppelt hart.

Teamchef Mattia Binotto zieht ehrlich Bilanz: "Schon bei den Wintertests konnten wir erkennen, dass unser Auto nicht schnell genug war. Aber wir dachten nicht, dass es so schlimm kommt, wie es später gekommen ist. Das schlechteste Ergebnis seit 40 Jahren entspricht nicht dem Anspruch, den Ferrari an sich stellt und den unsere Fans von uns gewohnt sind."

Charles Leclerc - Carlos Sainz - GP Japan 2019 - Suzuka
xpb
Charles Leclerc und Carlos Sainz bilden das neue Fahrer-Duo von Ferrari.

Jüngste Ferrari-Fahrerpaarung seit 1968

Der Pleite soll nun ein Neubeginn folgen. Ferrari macht das auch mit seiner Fahrerpaarung deutlich. Charles Leclerc und Carlos Sainz sind im Schnitt mit 24,5 Jahren das jüngste Aufgebot von Ferrari seit 1968, als Jacky Ickx und Chris Amon für die Scuderia antraten. Auch damals erholte sich der Traditionsrennstall gerade von einer Krise. Es dauerte seinerzeit allerdings noch zwei Jahre, bis Ferrari wieder auf die Siegerstraße zurückfand. Erst 1970 war der Bann endgültig gebrochen.

Diesmal will Binotto nicht so lange warten. "Das Mindestziel ist der dritte Platz. Eine Mannschaft, die in der Hybrid-Ära vier Mal Zweiter und einmal Dritter geworden ist und zwei Jahre lang Mercedes herausgefordert hat, sollte dazu in der Lage sein." Auf mehr will sich der Brillenträger nicht festlegen. Weil das Reglement die Entwicklungsmöglichkeiten und die Nutzung der Werkzeuge wie Windkanal oder CFD-Simulation einschränkt. Jeder hat im Winter einen Schuss mit dem Motor, und der muss sitzen. Das Chassis und viele andere Teile müssen übernommen werden. "Die Teams, die 2020 gut waren, werden es auch 2021 sein", ist Binotto überzeugt.

Mehr noch. Einige direkte Konkurrenten haben Vorteile, die Ferrari nicht hat. "Racing Point und Alpha Tauri haben wegen ihrer Partnerschaft einige Token gratis. McLaren wechselt zu einem Mercedes-Motor. Ich erwartete von diesen Teams eine noch stärkere Gegenwehr." Aber auch Ferrari rüstet auf. Die neue Struktur mit Verantwortlichkeiten auf vielen verschiedenen Schultern greift langsam. Die Werkzeuge im Haus wurden modernisiert. Der neue Simulator geht im Sommer 2021 ans Netz.

Präsentation des SF21 in zwei Portionen

Viel Hoffnung liegt auf dem neuen Auto, für das es schon einen Namen gibt. Das ist ungewöhnlich früh. Normalerweise wartet Ferrari damit bis zur Präsentation, doch diesmal ist alles anders. "Es ist ja nur eine Übergangs-Saison", erklärt der Teamchef die auf der Hand liegende Modellbezeichnung SF21. Zuerst werden 2021 das Team und seine beiden Fahrer vorgestellt, in einem zweiten Schritt das Auto. Möglicherweise erst bei den Testfahrten im März in Barcelona. Was schon darauf hindeutet, dass Ferrari das Projekt auf der heißen Nadel strickt.

Der Motor macht laut Binotto gute Fortschritte. Es wird keine Rückkehr zu den Zahlen von 2019 werden, was aber auch nicht nötig sei, weil die Technischen Direktiven der FIA allen die Flügel gestutzt haben. Im Vergleich zur Konkurrenz aber stehen Ferraris neuer Sechszylinder-Turbo und seine Elektromaschinen nach Berechnungen in Maranello gut da. Wenn man der GPS-Analyse trauen darf. "Wir wissen zwar nicht, wie sich unsere Gegner im Winter steigern werden, gehen aber davon aus, dass wir nicht mehr den schwächsten Motor haben werden."

Auch die Aerodynamik-Abteilung hat reagiert. Nachdem man es in dieser Saison schon teilweise geschafft hatte, den Abtrieb über die unterschiedlichen Fahrzustände zu stabilisieren, haben die Ingenieure sich nun darauf konzentriert, mehr Anpressdruck für weniger Luftwiderstand zu bekommen. Auch da sieht sich Ferraris erster Mann auf einem guten Weg.

Charles Leclerc - Ferrari - Formel 1 - GP Abu Dhabi - Samstag - 12.12.2020
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Der SF1000 war kein gutes Auto. Der SF21 soll vieles besser können.

Sparzwang für Ferrari doppelt hart

Ferrari steht vor großen Aufgaben, die dadurch erschwert werden, dass der Supertanker im Laufe des nächsten Jahres auf die Größe eines Schnellbootes reduziert werden muss. "Es wird ein schwieriges Experiment, mit einem Budgetlimit von 145 Millionen Dollar auskommen zu müssen. Wir stecken mittendrin in der Reorganisation." Binotto betont, dass Ferrari allen Sparmaßnahmen zum Wohle des Sports zugestimmt hat, obwohl man selbst am meisten davon betroffen ist.

Die Phase des Abspeckens fällt ausgerechnet auch noch in ein Jahr, in dem sich die Teams auf eine völlig neue Fahrzeug-Generation vorbereiten müssen. Jede Windkanalstunde, die man nicht mehr für das 2021er Auto verwenden muss, ist ein Geschenk. "Die Balance, wie viel Zeit du noch in das Auto für 2021 stecken musst und schon in das für 2022 stecken kannst, wird ein entscheidender Faktor sein. Wir werden erst bei den Testfahrten in Barcelona wissen, wie wir unsere Entwicklungszeit aufteilen können." Binotto hofft auf wenig Nachbesserungsarbeiten. Auch hier hat Ferrari andere Prioritäten wie viele seiner Gegner: "Wir können eine Saison nicht einfach so abschreiben."

Auf der Fahrerseite sieht sich Ferraris Capo gut gerüstet. Er erwartet, dass Carlos Sainz aus dem Stand Ergebnisse liefert. "Er hat den Speed, die Erfahrung, gewinnt im Rennen viele Plätze und bringt sein Auto meistens ins Ziel." Ein kleiner Seitenhieb in Richtung Sebastian Vettel: "Mit Blickrichtung Konstrukteurs-WM brauchen wir zwei Fahrer, die regelmäßig punkten." Der Mann mit der Harry Potter-Frisur nimmt auch noch einmal alle Teammitglieder in die Pflicht. "Wir werden nicht automatisch zurück zu früheren Erfolgen finden, nur weil wir den Namen Ferrari tragen. Das geht nur, wenn sich jeder einzelne im Team verbessert."

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