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Alle unterschreiben Concorde Abkommen

Große verlieren, Kleine gewinnen

Das neue Concorde Abkommen für die nächsten fünf Jahre ist unter Dach und Fach. Pünktlich zur Frist haben alle zehn Teams unterschrieben. Der neue Ausschüttungsmodus nimmt den großen Teams Geld weg und gibt es dafür den kleinen.

Es ist das achte Concorde Abkommen nach 1981, 1987, 1992, 1997, 2004, 2009 und 2015. Und es war wegen der kompletten Neugestaltung des Vertrages und wegen den kurzfristigen Regeländerungen als Reaktion auf die Corona-Krise eine schwierige Geburt. Doch mit Fristablauf am 18. August haben alle zehn Teams den neuen Grundsatzvertrag der Formel 1 unterschrieben, der ab 2021 für die nächsten fünf Jahre gilt.

Es handelt sich dabei um eine Art Verfassung zwischen dem Weltverband FIA, den Inhabern der kommerziellen Rechte von Liberty Media und den zehn Teams. In ihr wird in zwei unterschiedlichen Schriftstücken der Ausschüttungsmodus an die Teams und das Mitspracherecht der Teilnehmer bei Regeländerungen geregelt. Dem zugrunde liegen drei Reglements, die die Rahmenbedingungen für den Sport, die Technik und die Finanzen stellen.

In einem historischen Jahr der Formel 1 hält Liberty an historischen Werten fest. Ursprünglich war geplant, das Dokument fortan Formel 1-Vertrag zu nennen, um damit auch jede Erinnerung an die Ära Ecclestone zu tilgen, doch jetzt behält man den Namen Concorde Abkommen bei. Concorde hat in diesem Fall nichts mit Eintracht zu tun, sondern bezieht sich auf den Place de la Concorde, das Hauptquartier der FIA. Dort wurde 1981 nach langem Krieg der Friedensvertrag zwischen den drei Parteien geschlossen.

Zak Brown - McLaren - Mattia Binotto - Ferrari - Formel 1
Motorsport Images
McLaren unterschrieb zuerst. Ferrari hat für sich wieder einmal Sonderkonditionen herausgeschlagen.

Ferrari genießt Sonderstatus

McLaren war das erste Team, das seine Unterschrift unter den neuen Vertrag vermeldet hat. Dann folgten Ferrari und Williams. Damit hatte Liberty die drei ältesten Formel 1-Teams unter Dach und Fach. Die wichtigste Unterschrift ist wie eh und je die von Ferrari. Schon in der Vergangenheit war es so, dass Bernie Ecclestone die Marke mit der größten Strahlkraft immer zuerst auf seine Seite zog. Damit war sichergestellt, dass auch die anderen folgen würden. Das ging nicht immer geräuschlos über die Bühne. Beim letzten Abkommen 2015 reichten Force India und Sauber wegen der ungleichen Geldverteilung Beschwerde bei der EU-Wettbewerbskommission ein.

Ferrari wurden wie üblich Sonderrechte eingeräumt. Die Scuderia ist der einzige Rennstall, der seit dem Geburtsjahr 1950 an der Formel 1 teilgenommen hat. Sie hat immer noch die meisten Titel und Siege angehäuft. In Mugello feiert Ferrari seinen 1000. Grand Prix. Die Unterschrift der italienischen Diva war Formel 1-Chef Chase Carey und FIA-Präsident Jean Todt ein separates Statement wert. Tenor "Die Formel 1 und Ferrari gehen Hand in Hand. Wir sind froh dass diese Partnerschaft weitergeführt wird, weil es Teil der DNA dieses Sports ist."

Auch Bernie Ecclestone war Ferrari immer ein paar extra Dollars wert. Der frühere Formel 1-Zampano erklärt die Rolle, die Ferrari für den Sport spielt: "Wir haben Ferrari mehr bezahlt als allen anderen, weil wir dafür die Erlaubnis bekommen haben, ihre Marke zu nutzen. So haben wir uns abgesichert, dass Ferrari nie seinen Namen ändert. Sie hätten sich während der Laufzeit des Vertrages nie Alfa Romeo oder Maserati nennen dürfen. Damit wäre das Produkt Formel 1 gleich viel weniger wert gewesen."

Toto Wolff & Christian Horner - GP Australien 2020
xpb
Mercedes und Red Bull feierten in den letzten Jahren zwar mehr Erfolge, erhalten aber trotzdem weniger Geld als Ferrari.

Eine gerechtere Geldverteilung

In zwei Punkten weicht das neuen Concorde Abkommen von seinen Vorgängern ab. Der Regelfindungsprozess wurde vereinfacht, was den Teams weniger Mitsprachrecht einräumt. Das Geld wird gerechter auf die zehn Teilnehmer verteilt. Chase Carey und Jean Todt hoffen, dass zusammen mit der ab 2021 gültigen Budgetdeckelung und dem neuen Technischen Reglement 2022 das Feld enger zusammenrückt und damit den Fans eine bessere Show geboten wird. Prinzip: Was den Kleinen geschenkt wird, nimmt man den Großen.

Auch Ferrari muss Federn lassen, allerdings weniger als Mercedes und Red Bull. Dieser Punkt trieb Mercedes-Teamchef Toto Wolff bis zuletzt um. Er sah Mercedes in seiner Rolle als wichtige Marke und in Anbetracht der Erfolge des Teams im Vergleich zu seinen Mitstreitern nicht entsprechend gewürdigt. Der Versuch, Liberty zu einer generell höheren Ausschüttung zu bewegen, scheiterte an der Uneinigkeit der Teams. Am Ende machte jeder seine eigenen Deals.

Insgesamt schüttet Liberty je nach Höhe der in einer Saison erzielten Einnahmen vor Steuern zwischen 50 und 70 Prozent dieses Betrages an die Teams aus. Der Verteilungsschlüssel ist wie alles in der Formel 1 kompliziert. Er stützt sich auf drei Säulen. Den Ferrari-Bonus, historische Erfolge in den letzten 20 Jahren und das Preisgeld, abhängig von der Position in der Konstrukteurs-Wertung der abgelaufenen Saison. Ferrari erhält vorab fünf Prozent der Gesamtausschüttung bei einer Summe bis einer Milliarde Dollar. Kommt mehr Geld zur Verteilung kassiert Ferrari entsprechen mehr, bis zu zehn Prozent bei über 1,1 Milliarden Dollar.

Daniel Ricciardo - Renault - Formel 1 - GP Spanien - Barcelona - Qualifying - Samstag - 15. August 2020
Wilhelm
Renault gehört zu den Gewinnern des neuen Abkommens. Ab 2022 will der Werksrennstall zur F1-Spitze vordringen.

Wer gewinnt, wer verliert?

Der Historienbonus schöpft aus einem Topf, der 20 Prozent von allen Einnahmen abzweigt, die über 650 Millionen Dollar liegen. Käme eine Milliarde zur Verteilung wären das 70 Millionen Dollar, die sich Mercedes, Ferrari, Red Bull, McLaren, Renault und Williams nach einem Punktesystem für frühere WM-Titel und Platzierungen in den Top 3 teilen. Was dann noch übrigbleibt, wandert in den Preisgeldtopf. Der wäre bei einer Gesamtausschüttung von einer Milliarde Dollar nach Abzug der Ferrari-Gratifikation und der historischen Zahlungen immerhin noch rund 884 Millionen Dollar stark. Hier schneiden die schlechter platzierten Teams im Vergleich zu früher deutlich besser ab. Was der Vierte bis zum Zehnten mehr bekommt, wird den ersten Drei weggenommen.

Wäre 2021wieder ein normales Jahr mit einer Gesamtausschüttung von einer Milliarde Dollar und würden alle zehn Teams die WM-Position behalten, mit der sie 2019 nach dem alten System entlohnt wurden, dann ergäben sich folgende Differenzen. Mercedes würde 32 Millionen Dollar im Vergleich zu früher verlieren, Red Bull 29, Ferrari 25 und McLaren 8. Williams käme als einziger Rennstall plusminus null heraus.

Größter Profiteur wäre Alpha Tauri mit 25 Millionen Dollar mehr in der Tasche. Damit ist klar, warum die Red Bull-Fraktion früh mit dem neuen Abkommen einverstanden war. Unter dem Strich kommt mit beiden Teams fast so viel Geld ins Haus wie vorher. Renault bekäme 21 Millionen Dollar mehr als 2019, Racing Point 18, Alfa Romeo-Sauber und HaasF1 je 9. Diese Rechnung verschiebt sich natürlich, je nach WM-Stand. Wenn McLaren 2021 Vierter statt Sechster wie vor zwei Jahren wird, dann wandern plötzlich 7 Millionen Dollar mehr auf das McLaren-Konto als 2019.

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