Hülkenberg wieder Best of the Rest

"Sagt coole Socke zu mir"

Nico Hülkenberg - Renault - GP Mexiko 2018 Foto: xpb 22 Bilder

Renault ist fast am Ziel. Der Werksrennstall geht mit 30 Punkten Vorsprung auf HaasF1 in die letzten beiden Rennen. Nico Hülkenberg stockte das Konto um 8 Punkte auf. Den Titel „Best of the rest“ kann er aber nicht mehr hören.

Renault atmet auf. Der 4. Platz in der Konstrukteurs-WM ist zum Greifen nah. In den letzten beiden Rennen hat der französische Werksrennstall 22 Punkte auf HaasF1 gutgemacht. Obwohl Carlos Sainz in aussichtsreicher Position mit einem Elektrikdefekt ausgeschieden ist. Die Ingenieure haben die Batterie im Verdacht. „Wir wären Sechster und Siebter geworden“, ist Nico Hülkenberg überzeugt.

Der Deutsche hat seinen Vorsprung als WM-Siebter auf 12 Punkte auf Sergio Perez ausgebaut. Er war damit im doppelten Sinne Best of the rest, der Spitzenreiter der zweiten Liga der Formel 1 also. Doch Hülkenberg kann diesen Titel nicht mehr hören: „Das klingt irgendwie abwertend.“ Wie würde er denn dann am liebsten genannt werden? Hülkenberg grinst: „Sagt doch einfach ein geiler Typ oder eine coole Socke zu mir.“

Hülkenbergs GP Mexiko war eher ereignislos. Das meiste passierte in der ersten Runde. Den Streifschuss von Esteban Ocon hat er gar nicht gemerkt. „Ich hab‘s später im Fernsehen gesehen. Glück, dass der Hinterreifen gehalten hat.“ Beim Start verlor er zunächst einmal eine Position an Teamkollege Carlos Sainz. „Ich hatte beim Wegfahren zu viel Schlupf und damit beim Hochschalten nicht den idealen Anschluss. Der Carlos ist für mich der beste Starter im Feld. Unglaublich, wie konstant er das immer hinbringt. Du kannst 1.000 Mal üben, aber mit Adrenalin im Ernstfall ist es halt doch immer etwas anders.“

Alain Prost beschwert sich

Den Rest des Rennens ging es einfach nur ums Reifenmanagement. „Wir mussten ein Einstopp-Rennen durchbringen. Aus unserer Sicht war Rumrollem mit einem Stopp besser als Attacke mit zwei Stopps.“ Hülkenberg verflucht dieses Fahren mit Ziel-Rundenzeiten. „Wenn du nur ein Mal zu schnell dran bist, gehen die Reifen in die Knie. Du hast gerade in den ersten Runden mit einem frischen Reifen sofort Körnen. Deshalb wundert es mich, dass der Lewis sofort immer Attacke mit seinen neuen Reifen gemacht hat. Das war nicht schlau, ganz unüblich für ihn.“

Carlos Sainz - Renault - GP Mexiko 2018 Foto: Wilhelm
Carlos Sainz gewann den Start gegen den Teamkollegen, schied aber aus.

Nach dem Boxenstopp in Runde 12 mit vier Sekunden Vorsprung auf die Sauber musste Hülkenberg die Garnitur Supersoft 57 Runden lang streicheln. „Dann waren auch die Reifen durch.“ Zeitweise fuhr das Mittelfeld zwei bis drei Sekunden langsamer als die Spitze. „Wir hätten in der Anfangsphase auch 1.22er Zeiten fahren können, wollten aber keinen zweiten Boxenstopp riskieren“, erklärt Renault-Botschafter Alain Prost. Wie zum Beweis drehte Hülkenberg am Ende des Rennens, als alles gelaufen war, noch einmal auf. Nachdem die Rundenzeiten immer zwischen 1.23 und 1.24 Minuten gependelt sind, gab der Renault-Pilot in Runde 67 Gas und kam prompt auf 1.20,637 Minuten.

Prost beschwert sich: „Wir fahren ein ganz anderes Rennen wie die Spitze. Die können vorne machen, was sie wollen, weil sie schon nach wenigen Runden einen so großen Vorsprung haben, so dass sie unter sich bleiben. Da muss keiner Angst haben, in den Verkehr zu fallen. Unser Ziel waren die Plätze 7 und 8. Diese fragilen Reifen haben uns eine Einstopp-Taktik aufgezwungen. Einmal im Verkehr, und du verlierst unglaublich viel Zeit. Das kannst du nicht riskieren. Überholen ist in Mexiko so schwer, weil du wegen der Kühlung nicht dicht auffahren kannst. Alles ist am Limit.“

In 90 Grad-Kurven auf Top-Team-Niveau

Hülkenberg bestätigt: „Wenn ich einen zweiten Stopp brauche, falle ich hart ins Feld. Die Kollegen in den Top-Autos fallen immer weich. Die lachen doch über uns.“ Sieht Hülkenberg Chancen, mit Renault auch bald in der anderen Liga zu fahren? „Das muss unser Ziel bleiben. Ich will das noch erleben.“

Jetzt blickt der lange Rheinländer erst einmal auf die nächsten Rennen. „Brasilien wird schwerer. Da ist das Layout flüssiger, das mag unser Auto nicht so gern. Unsere Stärke sind die 90 Grad-Kurven. Da sind wir auf einer Ebene mit den Topteams.“ Laut Hülkenberg sind die mittelschnellen Kurven im 4. und 5. Gang das größte Problem des Renault R.S.18. „Wenn du die Vorderräder einschlägst, geht Abtrieb verloren. Irgendwie passt da die Harmonie im Auto nicht.“

Hülkenberg fürchtet, dass Sao Paulo wieder das Territorium der HaasF1 sein wird. Auch wegen der langen Bergauf-Gerade, die ordentlich Power verlangt. „In Abu Dhabi sollte es dann wieder ausgeglichener sein, obwohl auch da Motorleistung eine Rolle spielt.“ Mit 30 Punkten Vorsprung im Rücken kann Renault entspannt zu den letzten beiden Rennen des Jahres fahren. „Wir haben in Austin und Mexiko gut vorgesorgt“, stellt Hülkenberg zufrieden fest.

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