Nico Hülkenberg - Carlos Sainz - Renault - GP Brasilien 2018 Wilhelm
Verstappen - Ocon - GP Brasilien 2018 - Rennen
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Start - GP Brasilien 2018 - Rennen 63 Bilder

Nico Hülkenberg zieht Bilanz

Renault muss sich signifikant verbessern

Es war nicht die Saison, die sich Fahrer und Teamführung versprachen. Mercedes, Ferrari und Red Bull fahren je nach Streckentyp um eine bis zwei Sekunden schneller als Renault. Nico Hülkenberg fordert für 2019 eine signifikante Verbesserung. Renault fehlt es an der Basis.

Die letzten drei Rennen geben die Saison von Renault anschaulich wieder. In den USA und in Mexiko war der Werksrennstall die vierte Kraft im Feld. In Brasilien hingegen langsamer als Sauber, Haas F1 und Force India. Es sind die Schwankungen, die das Team für 2019 abstellen will. „Unser Paket darf nicht so anfällig auf verschiedene Streckenprofile reagieren. Wir müssen überall gut sein“, fordert Einsatzleiter Alan Permane. „Wir hatten seit der Sommerpause zu viele Höhen und Tiefen“, meint Teamchef Cyril Abiteboul.

Renault braucht Ecken und Haken

Das Saisonziel wird Renault einerseits erfüllen – andererseits nicht. Der vierte Platz in der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft war Pflicht. Renault wird hinter Mercedes, Ferrari und Red Bull einlaufen. Es sei denn, Abu Dhabi spielt verrückt und HaasF1 gewinnt. Oder sammelt mit zwei Autos 24 Punkte und Renault keinen Zähler. Den Rückstand auf die Spitzenteams konnte Renault nicht verkleinern. Je nach Streckentyp fehlen bis zu zwei Sekunden.

Der Abstand ist kleiner, je mehr langsame Kurven eine Strecke hat. Hülkenberg beschreibt die Stärken seines R.S.18: „Wir brauchen Kurven zwischen 80 und 120 km/h. Wir brauchen richtige Haken und Ecken. So wie das Infield in Austin.“ Je schneller die Kurve und je länger die Radien, desto unruhiger wird der Renault.

Das Auto erzeugt nur bei gewissen Lenkwinkeln konstanten Anpressdruck. Ab einem bestimmten Einschlag der Vorderreifen fließt die Strömung nicht mehr so sauber um, über und unter das Auto. In langgezogenen Kurven schadet das der Aerodynamik. Weil man dort mehr Zeit mit eingeschlagenen Rädern im schadhaften Fenster verbringt. In Kurven mit kurzen Radien hingegen lenken die Piloten eher scharf und ruckartig ein. Das bedeutet, dass der Übergang von gerade gestellten zu stark eingeschlagenen Rädern kürzer ausfällt. Zeitlich gesehen. Deshalb braucht der R.S.18 die Haken, von denen Hülkenberg spricht.

60 Prozent Auto, 40 Prozent Motor

Renault hat es bisher nicht geschafft, seinem Auto die Launen auszutreiben. „Dieses Jahr haben wir bei der Weiterentwicklung in die Röhre geschaut. 2017 waren wir stärker. Dieses Jahr kam zu wenig“, sagt Hülkenberg unverblümt. Der Le-Mans-Sieger von 2015 schiebt 60 Prozent dem Auto und 40 Prozent dem Motor zu, dass Renault noch weit der Spitze hinterher hechelt. Vielleicht trägt die Power Unit einen etwas geringeren Anteil. Red Bull gewann immerhin vier Rennen mit dem gleichen Motor, während Renault nur zwei Mal unter die besten fünf kam und von einem Podest stets weit entfernt blieb.

Jos Verstappen - GP Brasilien 2001
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Hülkenberg fordert, den Rückstand zu den Top-Teams über den Winter signifikant zu verkleinern. Einfach wird das nicht. Prognosen will der 155-fache GP-Fahrer nicht abgeben. „Im Winter schießt du immer ins Schwarze.“ Nur wie will Renault den Teams näher kommen, die mehr Budget freimachen, über gewachsenere Strukturen verfügen und auf den Erfolgen der vergangenen Jahre aufbauen? „Mit kontinuierlicher Entwicklung allein werden wir das nicht schaffen“, sagt Hülkenberg.

Es fehlt Renault an der Basis. „Die Top-Teams haben irgendetwas verstanden, was wir noch nicht kapiert haben. Wir müssen dieses Geheimnis entdecken.“ Irgendwo im komplizierten Gebilde aus tausenden von Puzzleteilen haben sich Mercedes, Ferrari und Red Bull einen Wissensvorsprung erarbeitet. Irgendwo bei der Überströmung der Oberflächen, Durchströmung von Verkleidung und Kühler, den Vortex-Generatoren – also gezielten Luftwirbeln -, beim Einbau der 145 Kilogramm schweren Power-Unit. Die Ingenieure glauben, es fehle hier ein Bisschen, da ein Bisschen. Das summiere sich zu einem großen Brocken. „Es gibt nicht das eine Teil, das uns sofort eine halbe Sekunde bringen wird. Wir brauchen in jedem Bereich eine Steigerung. Hier ein Update, da ein Update, ein bisschen Feintuning.“ Also die Summe vieler Kleinigkeiten.

780 Angestellte Ende 2019

Immerhin macht Renault Fortschritte im mechanischen Bereich. Der R.S.18 nimmt die Reifen nicht mehr so hart ran wie noch zu Saisonbeginn. „Zwei Upgrades an der Hinterradaufhängung haben unser Auto zu einem Reifenflüsterer gemacht“, sagt Permane. Chassis-Leiter Nick Chester ist mit dem Output aus der Fabrik zufrieden. Nicht aber mit dem Ergebnis. „Unser Entwicklungstempo war gut. Nur müssen wir sicherstellen, dass wir größere Sprünge machen mit den Updates, die wir von Rennen zu Rennen bringen.“

Marcin Budkowski - Cyril Abiteboul - Renault - GP Singapur 2018
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Ein Beitrag muss auch aus Viry-Châtillon kommen. Renaults Motorenabteilung muss den V6-Turbo bedeutend stärker machen. Das betrifft vor allem die Qualifikation. Die Fahrer vermissen auf die eine schnelle Runde eine Extra-Portion Leistung. „Die anderen haben in der Quali extrem viel mehr Power“, klagt Hülkenberg. „Deshalb sehen wir im Rennen oft besser aus. Da müssen sie runterdrehen.“ Auch an der Zuverlässigkeit hat Renault zu arbeiten. Das französische Team steht in der Kilometerwertung auf dem siebten von zehn Plätzen nach 20 von 21 Rennen. In Brasilien scheiterte Hülkenberg an einem überhitzenden Motor.

Das 2019er Projekt leitete Renault laut Chester bereits im November 2017 mit ersten Studien ein. Die Teamführung holt weiter neues Personal. Mehr Manpower bedeuten mehr Ideen. „Wir werden Ende 2019 etwa 780 Angestellte in Enstone haben.“ Die Arbeitsprozesse müssen wie die Werkzeuge verbessert werden. „Wir arbeiten an den Prozessen, damit die Ingenieure ihre Zeit effektiver nutzen“, erklärt Chester.

Hoffnungsträger Ricciardo

Hoffnung macht der neue teuerste Angestellte: Daniel Ricciardo. „Neuer Fahrer, neue Motivation, neue Denkweisen, neue Erfahrungen“, umschreibt es Permane. „Das soll nicht heißen, dass es uns mit Carlos nicht gut ging. Aber frischer Wind tut immer gut.“ Die Verpflichtung des Australiers motiviert auch Hülkenberg. Renault hofft, dass sich die beiden gegenseitig anstacheln und dadurch eine positive Dynamik entsteht, die das Team antreibt. „Daniel hat mehrere Grand Prix gewonnen. Er ist schnell und motiviert. Ich muss meine Hausaufgaben machen, schnell und konstant sein. Dann habe ich bisher immer meine Teamkollegen geschlagen“, sagt Hülkenberg.

Ein gelber Fleck im Spitzenfeld würde der Formel 1 jedenfalls gut tun. 99 Rennen ist die Turbo-Hybrid-Ära alt. 73 Mal gewann Mercedes, 14 Mal Ferrari, 12 Mal Red Bull. Abwechslung schadet keinem Sport.

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