Nico Hülkenberg - Renault - F1 - 2017 xpb
Renault R.S.17 - F1-Auto 2017 - Präsentation London
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Nico Hülkenberg im Interview

„Kann Projektleiter spielen“

Nico Hülkenberg hat sein Ziel erreicht. Ab 2017 fährt er für ein Werksteam. Im Interview erzählt der Rheinländer, warum er zu Renault gewechselt ist und was er sich von seinem neuen Team erwartet.

Warum sind Sie zu Renault gegangen?

Hülkenberg: Es ist eine neue und fantastische Gelegenheit für mich. Ich wollte immer einmal für einen Hersteller fahren. Renault ist ein Team, das früher einmal an der Spitze war und sich dorthin zurückkämpfen wird. Sie sind letztes Jahr in die Formel 1 zurückgekehrt und verfolgen deshalb die gleichen Ziele wie ich.

Was können Sie zu Renault mitbringen?

Hülkenberg: Alles, wa ich habe. Meine Passion, meine Erfahrung, meinen Hunger nach Erfolg. Ich kenne die Ziele des Teams und werde Schritt für Schritt darauf hinarbeiten.

Wie gefällt Ihnen das neue Auto?

Hülkenberg: Ich finde, es sieht sexy aus. Irgendwie mehr nach Rennauto.

Wer darf den neuen Renault nächste Woche in Barcelona als Erster fahren?

Hülkenberg: Ich sitze am Montag im Auto.

Wie war Ihr Winter?

Hülkenberg: Eigentlich gleich, aber gefühlt anders. Hauptsächlich, weil ich das Team wechsle. Wenn du im gemachten Nest bei Force India sitzt, dann weißt du, was auf dich zukommt. Das ist mein Ingenieur, das sind meine Mechaniker, die gewohnten Strukturen. Beim Teamwechsel ist mehr Spannung und mehr Kitzel dabei. Ich war schon im alten Jahr bei Renault, und natürlich gleich wieder im neuen. In Viry ein Mal, in Enstone drei bis vier Mal. Da ist einfach das Gefühl des Neuen, das Aufregende und Spannende.

Es ist nicht Ihr erster Teamwechsel. Wie lange dauert es, bis man sich auskennt?

Hülkenberg: Das dauert schon ein bisschen. Das vor der Saison sind ja alles nur Trockenübungen. Dann kommt das Testen, dann die Rennwochenenden. Im Eifer des Gefechts lernst du dein Team erst richtig kennen. Da musst du zusammenwachsen. Im Winter machst du nur vorbereitende Maßnahmen. Das ist alles Theorie. Die Praxis kannst du nicht ersetzen. Es wird ein Lernprozess für beide Parteien.

Merken Sie, dass Sie jetzt für ein Werksteam fahren?

Hülkenberg: Absolut. Die Fabrik hat eine ganz andere Dimension. Es gibt eine riesen Halle, in der die ganzen CNC-Maschinen stehen. Überall in der Fabrik wird gebaut und modernisiert. Bei Force India waren sie allein vom Platz limitiert. Da merkst du, dass eine ganz andere Power dahintersteckt. Nicht nur in Enstone. In Viry sitzen nochmal 400 Leute, die sich nur auf den Motor konzentrieren. Das hatte Force India insgesamt. Da merkt man, dass es ein Hersteller ist. Ich kann nur sagen, dass wir alles haben, was wir brauchen. Das richtige Budget, die nötigen Ressourcen, volle Motivation.

Ist es der ideale Moment, das Team zu wechseln. Weil durch die neuen Regeln für alle alles neu ist.

Hülkenberg: In meiner Situation ist es ideal. Die Regeländerungen werden Renault helfen. Sie waren 2016 ja ziemlich im Hintertreffen durch die ganze Vorgeschichte mit Lotus. Das ist jetzt ein Reset-Knopf für alle. Der hilft Renault, den Sprung ans Feld zu schaffen.

Nico Hülkenberg - Renault - F1 - 2017
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Nico Hülkenberg will mit Renault in Richtung Spitze.

Ihr Chef fordert Platz 5 in der WM. Ist das möglich?

Hülkenberg: Da wollen wir mal hin. Aber andere auch. Wir müssen schauen, dass wir das Team gut aufbauen und im Entwicklungsspeed mit den Großen mithalten. Dann ist schon mal viel geschafft.

Irgendeine Ahnung, wo Renault zu Saisonbeginn stehen könnte?

Hülkenberg: Alle tappen in Dunkeln. Wir kennen unsere Zahlen und können damit spielen, aber am Ende ist zum jetzigen Zeitpunkt alles Spekulation. Wir wissen, was wir zugelegt haben, haben aber keine Ahnung, wo die Konkurrenz steht.

Mal ehrlich: Da rutscht ein Bottas plötzlich in den Mercedes-Sitz. Denkt man da nicht unwillkürlich: Warum habe ich das Glück nicht?

Hülkenberg: Natürlich ist es reizvoll, wenn sich so ein Cockpit plötzlich auftut und überall spekuliert wird, wer da wohl drinsitzen wird. Da denkt man sich schon einmal: Wäre schon schön, mal in so einem Auto zu sitzen. Hier bei Renault kann ich eine Art Projektleiter spielen, mir etwas mit dem Team aufbauen. Das hat auch seinen Reiz. Das sehe ich jetzt als meine Aufgabe, und ich hoffe, dass wir es auch an die Spitze schaffen.

Was haben Sie bei Nico Rosbergs Rücktritt gedacht?

Hülkenberg: Ich habe da nicht mit gerechnet. Er hätte als Weltmeister ganz befreit, ohne Druck aufschlagen können. Er hat ja sein großes Ziel geschafft. Auf den ersten Blick etwas unverständlich.

War das ein mutiger Schritt?

Hülkenberg: Das war mutig, so eine Entscheidung zu treffen. Auf dem Höhepunkt aufzuhören. Da ist jeder anders. Das kann jeder nur für sich selbst beurteilen.

Mit 31 Jahren kommt noch ein ziemlich langes Leben danach.

Hülkenberg: Nico ist ja nicht auf den Kopf gefallen. Der weiß schon was mit sich anzufangen. Er wird sich schon Projekte suchen, die ihn ausfüllen. Ich mache mir da keine Sorgen um ihn.

Um wie viel schwieriger wird es in den neuen Autos?

Hülkenberg: Es wird physisch anstrengender. Die große Frage ist: Wie verhalten sich die Reifen. Brechen sie ein oder halten sie 20 Runden? Die Computermodelle gehen noch von einem Reifenabbau wie Ende 2016 aus. Nur das Niveau ist höher. In Barcelona, Spa, Suzuka und Baku wirst du richtig was merken.

Überholen?

Hülkenberg: In Monte Carlo noch unmöglicher. Die Autos sind 20 Zentimeter breiter. Wenn da einer clever in der Mitte fährt, kommst du nicht vorbei. Weil du in Monaco ja eh nie viel Überschuss zusammenbringst. Da ist Ende im Gelände. Auf den anderen Strecken wird das der größere DRS-Effekt ausgleichen.

Wie haben Sie sich physisch auf die neuen Belastungen vorbereitet?

Hülkenberg: Intensiver, härter, mehr. Mehr im Volumen als in der Länge. Immer Sektionen von vier bis fünf Stunden. Ich habe schon vor Weihnachten mit dem ersten Trainingsblock angefangen. Im Januar ging es sofort weiter. Dann komplett durch mit den nötigen Regenerationsphasen. Ich bin extra zwei Wochen in die Sonne in die Dominikanische Republik geflogen.

Hält der Nacken noch Testtage mit 150 Runden durch?

Hülkenberg: Könnte ambitioniert werden.

War das der richtige Weg für die Formel 1?

Hülkenberg: Das muss sich zeigen. Die Aerodynamik wird in der Formel 1 eine Rolle spielen. Es war gut, mal wieder einen neuen Akzent zu setzen. So dass die Teams wieder umdenken müssen. Das war jetzt über Jahre der gleiche Trott. Auch als Fahrer stumpfst du ab. Irgendwann gewöhnst du dich daran, dann brauchst du einen neuen Reiz.

Force India hat aus Wenig das Maximum gemacht. Kann das ein großer Hersteller auch?

Hülkenberg: Das hoffe ich. Als Hersteller bist du immer verdammt nach einer gewissen Zeit Erfolge zu liefern. Wir haben alles, was wir dazu brauchen. Es liegt jetzt an den Leuten im Team und an mir, das umzusetzen. Das wird nicht einfach. Bei Mercedes und Red Bull sitzen Leute, die wissen wie es geht. Um die mal einzuholen, musst du echt am Ball bleiben.

Was dürfen Sie sich von Ihrer ersten Saison bei Renault wünschen?

Hülkenberg: Ich sehe 2017 als Aufbaujahr. Das Team wächst ja noch. Sie haben Ende 2015 einen harten Schlag erlebt und viele Leute verloren, bis das mal von Renault übernommen wurde. Das Auto wurde erst für einen Mercedes-Motor geplant, dann in letzter Sekunde auf einen Renault umgebaut. Das war schon ein schwieriger Start. Ich hoffe, dass wir von Anfang an den Anschluss ans Mittelfeld finden.

Hilft es, dass es mit Red Bull und Toro Rosso zwei Teams gibt, mit denen man sich wegen des gleichen Motors vergleichen kann?

Hülkenberg: Das ist gut für uns. Mit Red Bull und Newey gibt es eine aerodynamische Messlatte. Da können sich unsere Jungs gut orientieren.

Und Ihr persönliches Ziel: Das erste Podium?

Hülkenberg: Davon würde ich jetzt nicht reden. Das aus eigener Kraft zu erreichen wird schwierig. Es kann bei entsprechenden Umständen, zum Beispiel Regen, immer passieren. Für mich ist eigentlich wichtig, dass wir in die richtige Richtung laufen. Ich habe mir kein Punktziel gesetzt. Nach den Testfahrten machen wir eine Standortbestimmung. Von da an müssen wir uns stetig steigern.

Motorsport Aktuell Renault R.S.17 - F1-Auto 2017 - Präsentation London Der neue Hülkenberg-Renner im Detail Renault R.S.17 für Formel 1-Saison 2017

Renault R.S.17 heißt der neue Dienstwagen von Nico Hülkenberg.

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