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Nico Rosberg - Formel 1 - GP Abu Dhabi 2016
Nico Rosberg - Formel 1 - GP Abu Dhabi 2016
Nico Rosberg - Formel 1 - GP Abu Dhabi 2016
Nico & Vivian Rosberg - Formel 1 - GP Abu Dhabi 2016 70 Bilder

Nico Rosberg im Weltmeister-Interview

„Das härteste Rennen meiner Karriere“

Nico Rosberg musste nach dem Rennen in Abu Dhabi jede Menge Fragen beantworten. Nach der Mauer-Taktik in den letzten Wochen gab der neue Champion tiefe Einblicke in sein Gefühlsleben.

Drei Stunden nach dem Rennen. Hast Du es schon begriffen, dass Du Weltmeister bist?

Rosberg: So schnell kann das nicht ankommen. Das dauert ein bisschen. Das erste Gefühl hinter der Ziellinie war Erleichterung. Da war noch keine Freude. Das Rennen war so hart. Die Zielflagge zu sehen, war so schön. In der Auslaufrunde kamen erstmal die Tränen – ohne Ende. Das ist einfach so intensiv. Auf einmal geht der Druck weg. Das ist unbeschreiblich.

Was war das Entscheidende in dieser Saison? Von außen hatte man zum Beispiel das Gefühl, dass Du im Zweikampf härter geworden bist.

Rosberg: Klar, da habe ich mich gesteigert. Das war auch ein Bereich, in dem Lewis einfach stärker war und sich Vorteile verschafft hat. Und das ist mir auch gelungen. Das hat man heute auch gesehen.

Du hast in der Endphase die Herangehensweise geändert. Warum?

Rosberg: Es hat sich einfach richtig angefühlt, nur von Rennen zu Rennen zu denken. Ich wollte es einfach halten. Das Verlangen danach, Weltmeister zu werden, war riesig. Das wollte ich von mir fernhalten. Es hat funktioniert. Es hatte großen Anteil an dem Erfolg.

Wann hat es angefangen?

Rosberg: Schon früh in der Saison. Nachdem ich gleich so viele Rennen gewonnen habe, wäre es komplett falsch gewesen, schon an den Titel zu denken. Der Grund ist Lewis Hamilton. Er wird immer zurückschlagen. Es ist immer schwer ihn zu schlagen.

Die Möglichkeit, dass Lewis Dich einbremst wurde das ganze Wochenende diskutiert. Kam es erwartet?

Rosberg: Nein, das habe ich nicht erwartet. Das war vielleicht ein wenig naiv. Aber darüber brauchen wir gar nicht diskutieren. Man kann die Sicht des Teams verstehen. Wir handhaben die Dinge das ganze Jahr gleich und ändern es nicht, nur weil es das letzte Rennen ist. Aber auf der anderen Seite kann man auch Lewis verstehen. Es geht um die WM. Er kämpft und muss versuchen etwas anders zu machen. Dabei will ich es belassen. Ich habe gewonnen, deshalb kann ich darüber stehen.

Als Dein Renningenieur gesagt hat, dass Du Verstappen überholen musst. Was ging Dir durch den Kopf?

Rosberg: Das wollte ich nicht hören. Das war echt schlimm. Das war ein schreckliches Gefühl.

War das der stressigste Teil des Rennens?

Rosberg: Das und die letzten 10 Runden. Die anderen kamen da näher. Ich wusste nicht, was Lewis macht und wie weit er gehen wird. Er hätte sich auch was richtiges Extremes überlegen können. Das war hart, genau wie der Kampf mit Max. Als ich an ihm vorbei war – das war ein unglaubliches Gefühl. So etwas hatte ich noch nie in meinem ganzen Leben gefühlt. Aber ich muss es nicht unbedingt noch einmal haben.

War es das härteste Rennen Deiner Karriere?

Rosberg: Ja, auf jeden Fall. Ich konnte nicht aufhören, daran zu denken, um was es geht. Das hat einfach nicht funktioniert.

Dein Ingenieur hat in den letzten Runden gesagt, dass der dritte Platz auch reicht. Hast Du darüber nachgedacht, Vettel vorbeizulassen?

Rosberg: Vettel hatte ja Verstappen auch direkt hinter sich. Ich wollte unbedingt den zweiten Platz behalten. Ich wusste ja nicht, was vorne für ein Chaos passiert, wenn Vettel vorbeigegangen wäre.

Und hast Du mit dem Gedanken gespielt, Lewis zu attackieren?

Rosberg: Das habe ich ja versucht. Aber Lewis hat es richtig gut gemacht. Er hat von der Zielkurve bis zur Hälfte des zweiten Sektors Gas gegeben. Nur dort kann man überholen. Und ich war nie nah genug dran. Und im hinteren Teil hat er dann langsam gemacht, wo man nicht überholen kann. Das hat er perfekt hinbekommen.

Wünschst Du Dir manchmal einen anderen Teamkollegen, der es Dir etwas leichter macht?

Rosberg: Er ist einer der besten aller Zeiten. Und das ist genau das, was mir noch einmal die Extra-Portion Freude gibt heute. Lewis über 21 Rennen zu schlagen – das ist mega.

Auf was bis Du diese Saison besonders stolz?

Rosberg: Das war sicher meine beste Saison, in der ich meine besten Rennen gezeigt habe. In den letzten Rennen hat man aber nicht den richtigen Nico gesehen. Der Druck macht einen langsamer. Das war schwierig. Deshalb bin ich froh, dass ich es gemeistert habe. Und in den letzten Rennen hat man den besten Lewis gesehen. Er hatte keinen Druck mehr. Er war super motiviert und voll konzentriert. Er hat so viel gearbeitet, wie nie zuvor. Und er hatte nichts mehr zu verlieren. Und ich hatte den Druck des WM-Spitzenreiters. Ab Suzuka ist der Druck richtig groß geworden. Da hatte ich es selbst in der Hand.

Was ist das Beste daran, Weltmeister zu sein?

Rosberg: Das Beste ist, dass meine Freunde hier sind und wir eine große Party feiern können.

Hast Du jemals daran gedacht, dass es mit dem Titel nicht klappen kann?

Rosberg: Ich bin immer optimistisch und habe fest daran geglaubt. Aber es gibt immer Momente, wo es schwer wird. Wie heute hinter Verstappen und am Ende des Rennens. Da ist es schwierig optimistisch zu bleiben.

Niki Lauda sagt, der erste WM-Titel sei der Schwierigste. Glaubst Du, dass jetzt alles leichter wird?

Rosberg: Dass es schwierig ist, kann ich garantieren. Wie der nächste ist? Keine Ahnung.

Macht es einen Unterschied in der Beziehung im Team, dass Ihr jetzt beide Weltmeister seid?

Rosberg: Für mich ist es einfach eine Erfahrung mehr, die mich stärker macht. Ansonsten macht es wohl keinen Unterschied.

Du bist an der Seite von Weltmeistern selbst zum Weltmeister gereift. Was hast Du bei Michael Schumacher gelernt?

Rosberg: Erst einmal hoffe ich, dass er das mitbekommen kann, dass ich jetzt gewonnen habe. Das wäre schön. Er hat auch einen Anteil an dem Erfolg. Er hat 3 Jahre gepusht, dass das Team vorankommt. Das war ein sehr interessantes Erlebnis. Mit Sicherheit habe ich dabei auch einige Sachen mitgenommen. Er ist der Beste aller Zeiten. Wir haben uns gegenseitig gepusht und sicher gegenseitig auch etwas abgeschaut.

Wird Dein Auto die Startnummer 1 tragen oder weiterhin die Nummer 6?

Rosberg: Das habe ich mir noch nicht überlegt. Die „6“ ist meine Glückszahl. Mein Vater hat auch mit der „6“ gewonnen. Deshalb habe ich sie mir ja ausgesucht.

Wie wird jetzt Party gemacht?

Rosberg: Wir sind die Feier-Weltmeister. Es ist schwierig zu toppen, was wir sonst machen. Aber ich glaube wir schaffen das heute.

Motorsport Aktuell Nico Rosberg - Mercedes - GP Japan 2016 Nico Rosberg im Weltmeister-Porträt Der lange Weg zum Formel 1-Titel 2016

Nico Rosberg hat es tatsächlich geschafft.

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