Lando Norris - McLaren - GP Russland 2021 - Sotschi - Qualifikation xpb
Lando Norris - McLaren - GP Russland 2021 - Sotschi - Samstag
Impressionen - GP Russland 2021 - Sotschi - Samstag
Impressionen - GP Russland 2021 - Sotschi - Samstag
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Russland 2021 - Sotschi - Samstag 33 Bilder

Die drei Sensationsmänner der Sotschi-Quali

Die drei Sensationsmänner der Sotschi-Quali Russell in bester Position für Start?

Lando Norris vor Carlos Sainz und George Russell. Wer auf dieses Trio auf den ersten drei Startplätzen in Sotschi gewettet hat, hat viel Geld gewonnen. Die beiden Engländer und der Spanier stahlen unter Mischverhältnissen den Großen der Branche die Show.

Bis fünf Minuten vor Feierabend schien alles auf eine Pole Position für Mercedes herauszulaufen. Der Favorit hatte das schnellste Auto im Sochi Autodrom. Doch bis dahin waren die noch verbliebenen zehn Piloten der Qualifikation allesamt auf Pirellis Intermediate-Mischung unterwegs. Bis George Russell ins Risiko ging. Und das Feld zwang, nachzuziehen.

Der berühmte Crossover-Punkt war erreicht, an dem die Strecke trocken genug war, um von Regen- auf Slickreifen zu wechseln. Für Russell stellte sich ein Missverständnis mit dem Kommandostand als Glücksfall heraus. "Ich habe den Jungs gesagt, dass sie die Trockenreifen bereit halten sollen. Ich dachte noch nicht daran, direkt abzubiegen. Doch dann kam der Funkspruch, ich solle in die Box kommen." Russell beendete nicht mal eine Runde auf den Intermediates. In der Position von Williams kann man mehr wagen als die Topmannschaften.

Dadurch hatte der kommende Mercedes-Pilot in seinem Williams später die meiste Zeit, die weichste Slick-Garnitur auf Temperatur zu fahren. Das war notwendig, weil es immer noch genug feuchte Teile auf dem 5,848 Kilometer langen Asphaltband gab. Es war das entscheidende Puzzle-Stück auf dem Weg zum dritten Startplatz. Und nach Belgien, wo er auf Rang zwei raste, der nächste Beweis für sein großes Talent.

Sainz - Norris - Russell - GP Russland 2021 - Sotschi - Qualifikation
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Kein Mercedes, kein Red Bull: McLaren, Ferrari und Williams lieferten in der Qualifikation die beste Arbeit ab.

Das Risikomanagement stimmte

An diesem ereignisreichen Samstag von Sotschi waren aber zwei Fahrer schneller. Lando Norris holte nach, was er in Belgien vor Wochen versemmelt hatte. Wieder ging der McLaren-Fahrer hohes Risiko. Diesmal zahlte es sich aus. "Jetzt weiß ich, wie eine Pole Position schmeckt", frohlockte der WM-Vierte. "Das ist in gewisser Weise die Wiedergutmachung für Spa." Damals war Norris in Eau Rouge ein paar km/h zu schnell unterwegs und bezahlte es mit Aquaplaning und einem Highspeed-Abflug. Jetzt stimmte das Risikomanagement.

Der dritte im Bunde der Sensationsmänner war Carlos Sainz. Der Spanier quetschte seinen Ferrari zwischen das Duo von der Insel. Eine halbe Sekunde fehlte, sonst wäre er erstmals in seiner Laufbahn vom besten Startplatz ins Rennen gestartet und nicht Norris. Ferrari wird froh sein, nur im Auto von Charles Leclerc eine neue Power Unit eingebaut zu haben. Bei einem Tausch auf die Ausbaustufe wäre auch Sainz in der Startaufstellung nach hinten gerutscht.

Die Pole gehörte seinem Ex-Team. Auf den 183. Sieg, erzielt vor zwei Wochen in Monza, folgte für McLaren die 156. Pole der Teamgeschichte. Neun Jahre Wartezeit haben ein Ende. Das Team schwimmt auf einer Erfolgswelle. Am Kommandostand werden die richtigen Entscheidungen getroffen. So wie das auch bei Williams der Fall ist. Die Punkte von Ungarn dienten als Brustlöser für den zweiten englischen Traditionsrennstall. "Seither befinden wir uns auf einem Hoch. Es läuft einfach", konstatiert Russell. Man nennt es im Sport das berühmte Momentum.

Russell als letzter über die Linie

Der rechtzeitige Wechsel auf die Slicks war der Schlüssel. Bei McLaren lag der Fall so. "Wir haben es von uns aus entschieden und nicht von Russell abhängig gemacht. Anhand von Georges Runde aus der Box konnten wir es nicht beurteilen. Die Zeit war einfach reif", führt McLaren-Teamchef Andreas Seidl aus.

Eigentlich befand sich Russell in der besten Ausgangsposition. Er hatte die Outlap plus zwei fliegende Runden, um die Reifen für den entscheidenden Moment zu konditionieren. Norris und Sainz jeweils die Runde aus der Box plus einen weiteren Umlauf. Der baldige Teamkollege von Lewis Hamilton musste nur den Weg aus der Boxenausfahrt treffen. "Es waren komplizierte Verhältnisse. Mit kalten Reifen kannst du schnell in der Mauer landen."

Bei Williams passte das Timing am besten. Russell kreuzte den Zielstrich vor dem letzten Versuch 32 Sekunden nach Sainz und 12 Sekunden vor Norris. Doch die Pole sah der 23-Jährige dennoch außer Reichweite. Sein Williams war nicht schnell genug. "Ich wusste, dass eine Killer-Runde zum Schluss kommen musste. Und ich bin zufrieden." Das Optimum war der dritte Platz. "Ich bin vor der letzten Runde auf Alonso aufgelaufen. Da habe ich entschieden, abzubrechen, um aus dem Verkehr zu gelangen und die Batterie aufzuladen. Eine volle bringt in Sotschi sechs bis sieben Zehntelsekunden im Vergleich zu einer ausgelutschten."

Norris macht Unterschied in Sektor 3

Auch Norris fand die richtige Herangehensweise. "Er hat seine erste Runde abgebrochen. Dadurch hat sich der Beginn der letzten Runde nach hinten geschoben", erklärt Seidl. Jede Sekunde später zählte, weil die Piste immer trockener und damit immer griffiger wurde. "Ich habe George auf den Monitoren um die Strecke beobachtet, und mir die Sektorzeiten durchgeben lassen, wo er schnell ist und wo man besser aufpassen sollte", berichtet Norris.

Im Vergleich zu seinem Landsmann machte der Pole-Setter den Unterschied im letzten Abschnitt. Dort war er um eine Sekunde schneller. "Mir ist kein Fehler unterlaufen, aber es war schwer zu beurteilen, wie die Grip-Verhältnisse dort sind. Speziell zwischen Kurve 15 und 16 war es noch sehr nass", berichtet Russell.

Den Mittelteil hatte Norris um zwei Zehntel für sich entschieden. Im ersten Sektor war Russell der schnellste Mann aus dem erfolgreichen Trio. Sainz verlor mal hier ein Zehntel, mal da, am meisten jedoch auf der letzten halben Minute. Hier büßte er fast 0,4 Sekunden auf seinen alten Teamkollegen ein. An der Pole schrammte er in Summe um 0,517 Sekunden vorbei.

Lando Norris - McLaren - GP Russland 2021 - Sotschi - Qualifikation
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Lando Norris überzeugte auf nasser und trockener Fahrbahn.

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Der Held des Tages war Norris. "Es gab ein paar Kurven, wo ich gedacht habe, es hätte schiefgehen können." Ging es nicht. Der Youngster genoss den Moment. "Das könnte für eine Weile meine einzige Pole in der Formel 1 bleiben." Dann richtete er den Blick nach vorn. Vor dem Start fürchtet sich Norris. "Sotschi ist die einzige Rennstrecke im Kalender, wo du nicht unbedingt auf dem ersten Startplatz stehen willst." Grund ist der 890 Meter lange Anlauf bis zur ersten Kurve. Da können sich die Hintermänner in den Windschatten hängen.

Carlos Sainz sieht zwei mögliche Szenarien. "Wenn ich etwas besser wegkomme, wird es ein Drag Race bis zur zweiten Kurve. Wenn nicht, hänge ich mich hinter Lando und versuche so, an ihm vorbeizukommen." Der lachende Dritte könnte Russell sein. Er kann sich aussuchen, hinter wen er sich klemmt. "Er steht auf dem besten Startplatz. George kann in Führung gehen", urteilt Mercedes-Teamchef Toto Wolff.

Ob einer von ihnen gewinnen kann? Der Favorit ist nach wie vor Lewis Hamilton, der vom vierten Startplatz kommt. Es ist zwar in Sotschi nicht einfach zu überholen, doch Mercedes fuhr am Trainingsfreitag in einer eigenen Liga. Und auch am Rennsonntag soll es trocken sein. Fest steht: Die drei Sensationsmänner werden jeden Strohhalm greifen, um auf das Podest zu fahren. "Wir haben ein gutes Auto im Regen und im Trockenen", sagt der WM-Vierte Norris.

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