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Norris Unfall Spa: Kritik an Eau Rouge

War Norris-Crash vermeidbar? Kritik an Rennleitung

Lando Norris durfte sich ernsthafte Chancen auf die Pole Position ausrechnen. Doch dann endete seine Qualifikation mit einem Highspeed-Crash in Eau Rouge. Kurz zuvor hatte Sebastian Vettel den Abbruch des Trainings gefordert.

Das hätte die erste Pole Position für Lando Norris sein können. Und die erste für McLaren seit 2012. Lando Norris führte sowohl im Q1 als auch im Q3 die Rangliste an. Doch dann spielte ihm das Selbstvertrauen einen Streich. Das Q3 begann mit starkem Regen. Die meisten Fahrer gingen deshalb mit Extremwetter-Reifen auf die Strecke. Norris hatte gerade seine schnelle Runde begonnen, da schlug der McLaren wie ein Blitz linker Hand in die Absperrungen von Eau Rouge ein.

Im Rechtsknick vor der Kuppe verlor Norris die Kontrolle über sein Auto. Selbst im Regen wurden die Fahrer noch mit Geschwindigkeiten bis zu 307 km/h in der Kurve aller Kurven gemessen. Doch diesmal war Norris eine Spur zu hart am Gas. Nach dem Einschlag mit der linken Seite, tobte sich der McLaren mit fünf Pirouetten aus und blieb mitten auf der Straße liegen. Nur das linke Vorderrad war noch am richtigen Platz. Das hintere Viertel des Fahrzeugs war komplett abgerissen.

Vettel forderte eine rote Flagge

Nach bangen Sekunden hob der Unfallpilot den Daumen hoch und meldete sich bei seiner Box. Sebastian Vettel hatte extra neben dem Wrack angehalten, um sich zu vergewissern, dass der Kollege heil geblieben ist. "Als ich das Auto sah, habe ich mir echt Sorgen gemacht. Ich wollte schauen, ob er bei Bewusstsein ist. Dieser Unfall hätte viel schlimmer ausgehen können."

Auf dem Weg zurück an die Boxen lederte Vettel los: "Was habe ich gesagt, was habe ich gesagt? Wir hätten das Training vorher abbrechen sollen. Das war so ein unnötiger Unfall." Die Kritik richtete sich klar an FIA-Rennleiter Michael Masi. 20 Sekunden vor dem Unfall hatte Vettel die rote Flagge gefordert. "Ich habe in der Aufwärmrunde schon in Eau Rouge und auf der Kemmel-Geraden gesehen, dass viel zu viel Wasser auf der Straße war." Valtteri Bottas fühlte das gleiche: "Ich habe mir gedacht. Wenn wir nicht abbrechen, haut sich einer raus."

Lando Norris - GP Belgien - 28. August 2021
In Eau Rouge verlor Lando Norris die Kontrolle über den McLaren.

Nach einem kurzen Gespräch mit Masi schlug Vettel versöhnlichere Töne an: "Hinterher ist man immer schlauer. Die Rennleitung hat während des Trainings viele Funksprüche von Fahrern und Teams auf dem Ohr. Sie kann nicht immer allen zuhören. Aber wir sollten für die Zukunft aus solchen Situationen lernen." McLaren-Teamchef Andreas Seidl nahm es sportlich: "Es ist falsch, mit dem Finger auf jemand zu zeigen. Es waren schwierige Bedingungen, aber wir haben den Unfall gebaut."

Norris hatte noch von Aquaplaning berichtet, ging aber trotzdem volles Risiko. "Lando war in Topform, er hat es probiert. Da kann so etwas passieren." Die gute Nachricht ist, dass der 21-jährige Engländer glimpflich davon gekommen ist. Nur der linke Ellbogen schmerzte. Er wurde vorsichtshalber geröntgt. Die Ärzte konnten keine Brüche oder Haarrisse feststellen." Seidl bestätigte: "Lando wird morgen im Rennen fahren können." Ob es auch das Auto kann, wurde in der McLaren-Garage untersucht. Bei einem Chassis-Wechsel droht ein Start aus der Boxengasse.

Mehr Platz für Eau Rouge

Nicht nur wegen des Norris-Unfalls rückte Eau Rouge wieder in den Blickpunkt. Schon am Freitag hatte es in der Rennserie für Frauen (W Series) eine spektakuläre Massenkollision gegeben. In der Formel 3 am Tag danach noch einmal. Beides erinnerte an den tödlichen Formel 2-Unfall von Anthoine Hubert von 2019 und den Massencrash beim 24 Stunden-Rennen vor wenigen Wochen.

Anthoine Hubert - 2019
Aktuell

Das Problem ist immer das gleiche: Die Unfall-Autos prallen zu weit zurück und landen fast automatisch in der Schusslinie anderer Autos. Norris hatte das Glück im Unglück, dass der nächstfolgende Kollege genügend Abstand hatte und durch die rote Flagge rechtzeitig gewarnt wurde. Sein Unfall selbst war nicht spezifisch für die Kurve. Norris war einfach zu schnell. Das kann in jeder Kurve passieren.

Die Fahrer hatten das Eau Rouge-Problem beim Briefing mit FIA-Vertretern angesprochen. Der Streckenbetreiber verspricht bis zum nächsten Jahr Verbesserungen. Man will rechts und links mehr Sturzraum schaffen, damit die Autos nach einem Aufprall in der Auslaufzone liegenbleiben. Doch das löst das Problem nicht ganz. Der Asphalt rund um die Strecke lädt die Piloten dazu ein, bei ihren Ausweichmanövern auf dem Gas zu bleiben. Huberts Auto stand neben der Fahrbahn am Streckenrand, als es mittschiffs getroffen wurde. Vielleicht sollte man auch überlegen, die Reifenstapel durch eine safer barrier zu ersetzen. Dabei prallen die Autos nach dem Aufprall nicht so stark zurück.

Ricciardo gegen Kiesbett

Daniel Ricciardo findet, dass Eau Rouge mit mehr Platz rundherum nichts von seiner Faszination genommen wird: "Es ist dann immer noch die gleich geile Kurve wie vorher mit der gleichen Linienführung, Senke und Kuppe. Es wäre wirklich schade, wenn wir diese Kurve verlieren würden. Aber bei der Menge der Unfälle, die wir in letzter Zeit dort hatten, müssen wir etwas tun." Kies als Sturzraum wäre nach Ansicht des Australiers kontraproduktiv: "Wenn du bei so hoher Geschwindigkeit seitlich einhakst, kann du dich überschlagen. Das will erst recht keiner."

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