Lando Norris - McLaren - GP Österreich 2021 - Spielberg xpb
Max Verstappen - Red Bull - GP Österreich 2021 - Spielberg - Qualifikation
Fans - GP Österreich 2021 - Spielberg - Qualifikation
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Max Verstappen - Red Bull - GP Österreich 2021 - Spielberg - Qualifikation 43 Bilder

Norris Zweiter: Eine Kurve fehlt zur Pole

Norris sensationell Zweiter Eine Kurve fehlt zu Pole

Lando Norris stellte den Teamkollegen mal wieder in den Schatten. Beinahe wäre der WM-Vierte in Spielberg sogar erstmals in seiner Laufbahn auf Pole Position gerast. Es fehlte die perfekte letzte Kurve. Sein McLaren untersteuerte, weshalb Max Verstappen eine halbe Zehntelsekunde vorne lag.

Red Bull hat einen neuen Gegner. Zumindest am Qualifikations-Samstag zum Grand Prix von Österreich. Dieses Mal hatte Max Verstappen keinen Mercedes im Rückspiegel, sondern einen McLaren. Wortwörtlich. Im Finale des Qualifyings verfolgte Lando Norris den WM-Führenden auf der Rennstrecke und entriss ihm beinahe noch den ersten Startplatz. Der Engländer verfehlte ihn um die Winzigkeit von 48 Tausendstel.

"Wir müssen ehrlich zu uns sein. Red Bull hat einfach ein schnelleres Auto als wir. Das ist Fakt. Unser Auto ist einfach noch nicht gut genug für die Pole Position", meinte Norris. Der Jubel im Team war trotzdem groß. Auch wenn die Durststrecke weiter anhält. Seit dem GP Brasilien 2012 drehte kein McLaren mehr die schnellste Zeit in der Qualifikation. "Das Auto hat durch die Bank gut funktioniert. Ich habe mir die beste Runde des Tages für den Schluss aufgehoben. Die meisten Kurven habe ich wirklich gut getroffen. Es fühlt sich sehr gut an, hier neben Max und Sergio zu sitzen", berichtete der strahlende 21-Jährige.

Lando Norris - McLaren - GP Österreich 2021 - Spielberg
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Lando Norris zeigt in dieser Saison keine Schwächen. Er ist für McLaren eine sichere Bank.

Norris schlägt beide Mercedes

Ein Red Bull vor sich, einen hinter sich, aber vor beiden Mercedes. Norris liegt die 4,318 Kilometer lange Rennstrecke in Spielberg einfach. Hier feierte er im Vorjahr das erste von drei Podests in der Königsklasse. Und jetzt die beste Startposition seiner Karriere. Schon in der Vorwoche war der McLaren auf eine Runde ein wehrhafter Gegner in der Qualifikation für die beiden Topteams. Diesmal noch mehr. "Ich wusste, dass mehr im Auto steckt. Dass wir die Mercedes sogar schlagen können. Letzte Woche hat es knapp nicht gereicht, diesmal schon."

Es war eine Qualifikation ganz nach dem Geschmack des Engländers. Norris drehte die zweitschnellste Rundenzeit im ersten Durchgang und die fünftbeste im zweiten. Wie die Red Bull, die Mercedes und George Russell rückte er auf den Mediumreifen ins Q3 auf. Das verschafft ihm für das Rennen schon einmal einen Vorteil gegenüber den anderen Mittelfeldteams wie Alpha Tauri und Aston Martin. Ferrari war am Samstag kein Gegner und dürfte es mit beiden Autos außerhalb der Top 10 auch am Rennsonntag nicht werden.

Im Q3 schwang sich Norris zum großen Herausforderer von Verstappen auf. Schon die erste fliegende Runde auf Pirellis weichstem Kleber brachte ihm den zweiten Platz. Im Finale verkürzte er sogar von 0,238 Sekunden auf 48 Tausendstel. Im Windschatten des Red Bull. "Ich war ganz schön nervös, weil ich auf den Geraden für mein Gefühl zurückfiel. In den Kurven bin ich hohes Risiko gegangen, speziell in den schnellen." Das sind in Spielberg die Kurven sechs bis zehn.

Das Gefühl täuschte. Es ist in der Beschleunigung immer der Fall, dass das andere Auto wegzuziehen scheint, weil der Fahrer früher aufs Gas steigen kann. Doch im Windschatten des Red Bull gewann der McLaren. "In diesen Genuss ist Max nicht gekommen. Deshalb bin ich auch so nah rangekommen."

Kleines Update für den McLaren

Norris warf alles in diese letzte Runde. "Es ist immer die Frage, wie viel Risiko du eingehen kannst, um belohnt zu werden. Aber du kannst auf dieser Strecke so schnell auch mal über das Limit hinausschießen. Es ist vor allem knifflig, auf der Bremse alles herauszuholen, und immer auf der Strecke zu bleiben", führt der Zweitplatzierte aus. Oft entscheiden Zentimeter, ob man sich noch innerhalb der Track Limits bewegt oder nicht.

Der Sensations-Zweite führt es auch auf das erhöhte Risiko gegenüber der Vorwoche zurück, dass McLaren einen größeren Sprung gemacht hat als die Konkurrenz. Am Setup habe man nur Feinheiten verbessert. "Ein kleines Update am Unterboden hat sicher auch geholfen", wirft Teamchef Andreas Seidl ein. Norris steigerte sich auf weicheren Reifen im Vergleich der beiden Spielberg-Qualifikationen von 1:04.120 auf 1:03.768 Minuten, also um 0,352 Sekunden. Verstappen legte um 0,121 Sekunden zu. Die Mercedes blieben hingegen stehen – trotz der weicheren Pirellis.

Und trotzdem bleibt ein kleines Haar in der Suppe. Die Pole war zum Greifen nah. Norris befand sich bis zur ersten Safety-Car-Linie, die zwischen den Kurven neun und zehn vor der Boxeneinfahrt liegt, auf Kurs, Verstappen abzulösen. Das zeigten die Mini-Sektoren. Dann unterlief ihm ein kleiner Fehler. In der Zielkurve wollte der Engländer ein bisschen zu viel, sein McLaren untersteuerte und die entscheidenden Tausendstel gingen flöten.

Auch wenn Norris unmittelbar nach der Qualifikation meinte: "Ich wüsste nicht, wo ich mich noch hätte groß verbessern können. Sicher geht immer ein bisschen was, aber das sagt Max neben mir auch. Ich war auch in den letzten beiden Kurven schneller als in der Runde zuvor." Die Addition der schnellsten Sektoren gibt ihm Recht. Norris packte seine drei besten Abschnittszeiten der Qualifikation in die letzte Runde. Und doch wäre die Pole möglich gewesen.

Daniel Ricciardo - McLaren - GP Österreich 2021 - Spielberg
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Daniel Ricciardo gerät bei McLaren immer mehr unter Druck, weil der Teamkollege auftrumpft.

Was geht für Norris im Rennen?

Dieser McLaren ist zwar ein schnelles Auto, aber offenbar kein einfach zu fahrendes. Der MCL35M hat ein schmales Arbeitsfenster. Wenn man das trifft, fliegt der Papaya-Rennwagen über die Geraden und durch die Kurven. Daniel Ricciardo wirkt verloren. Er hinkt dem Teamkollegen weiter deutlich hinterher. In Q2 fehlten ihm drei Zehntel, was auf der kurzen Strecke eine Menge ist.

Während Norris glänzte, wurde der Australier nur 13. Obwohl das Gefühl für den MCL35M besser geworden ist. "Ich fühle mich wohler im Auto. Durch den Triple Header hatte ich genug Zeit, mich mehr vertraut zu machen. Klar ist hier und da noch der eine oder andere kleinere Fehler drin. Aber wenn ich nicht auf das Klassement schaue, würde ich von einem guten Tag sprechen. Leider bestätigt es die Stoppuhr nicht." Einen Fehler baute Ricciardo in seiner Q2-Runde in Kurve vier ein.

Schlechter kann es für einen Rennfahrer eigentlich kaum laufen, wenn man das Gefühl hat, eigentlich schnell zu sein, und doch ist da einer auf der anderen Garagenseite, der so viel schneller ist. Vielleicht ist dieser Norris momentan auch einfach nicht zu erreichen für den siebenmaligen Grand Prix-Sieger.

Der junge Engländer wird morgen jedenfalls in der Spitzengruppe fahren, während Ricciardo in den Fängen des Mittelfeldes ist. Norris gibt sich keinen Illusionen hin. "Wenn sich die Möglichkeit ergibt, Max den ersten Platz abzunehmen, werde ich es versuchen. Aber Red Bull und Mercedes hatten letzte Woche klar das schnellere Auto im Rennen. Ich werde das machen, was am besten für mich und das Team ist." Im Notfall den fünften Platz abzusichern.