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Williams-Technikchef Paddy Lowe im Interview

„Force India ist unsere Referenz“

Williams-Technikchef Paddy Lowe erzählt im Interview mit auto motor und sport, warum sich Williams in diesem Jahr so schwer tut, wo er mit dem Team im nächsten Jahr hin will und ob Robert Kubica eine Chance auf einen Sitz 2018 hat.

Wie sieht Ihre Zwischenbilanz vier Rennen vor Saisonende aus?

Lowe: Vorne fahren mit großem Abstand drei Teams. Dann kommt ein riesiges Mittelfeld, am Ende Sauber. Im Mittelfeld drängelt sich alles so eng zusammen, dass 2 oder 3 Zehntel den Unterschied zwischen Platz 4 und Rang 9 ausmachen können. Auf Rennstrecken, auf denen unser Auto konzeptbedingt nicht so gut ist, schlägt das Pendel brutal gegen uns aus. Also Strecken, die viel Abtrieb verlangen. Dazu haben wir Mitte der Saison Boden gegen Renault und McLaren verloren.

Die Formkrise fiel mit dem Aero-Upgrade in Österreich zusammen. Ist das Zufall?

Lowe: Das Upgrade hat sicher nicht so gut funktioniert, wie es die Zahlen versprochen haben. Aber wir haben es am Auto gelassen und weiterentwickelt. Trotzdem kriegen wir nicht den Zeitgewinn aus der Spezifikation raus, den wir bräuchten.

Warum ist das Auto in der Qualifikation manchmal schwach und im Rennen dann ganz gut?

Lowe: Wir sind generell im Renntrim stärker. Einiges davon hat mit der Design-Philosophie des Autos zu tun. Das müssen wir aber noch verstehen. Das andere kommt von den Fahrern. Speziell Lance Stroll hat im Rennen große Fortschritte gemacht. An seiner Qualifikations-Form muss er noch arbeiten.

War es für Sie eine Überraschung, dass sich Stroll trotz aller Vorurteile so gut geschlagen hat?

Lowe: Ich würde es nicht als Überraschung bezeichnen. Es ist extrem schwierig, im Voraus die Qualitäten eines Fahrers abzuschätzen. Man sieht das Potenzial immer erst, wenn sie mal Formel 1 fahren. Lance fährt im Rennen sehr kontrolliert, er macht kaum Fehler, ist extrem stark im Regen und bringt das Auto in aller Regel nach Hause. Das ist für einen Neuling schon mal nicht schlecht.

Wieso ist Williams im Regen plötzlich so stark?

Lowe: Ich würde es Zufall nennen. Und es braucht Fahrer, die sich im Regen wohlfühlen. Kein Team baut mit Absicht ein Auto, das im Regen gut funktioniert. Dazu treten diese Umstände zu selten ein. Und Regen ist ja nicht Regen. Es gibt so viele unterschiedliche Bedingungen, wenn es mal nass ist. Ich würde es als Zufall bezeichnen, wenn ein Auto speziell im Regen gut geht.

Wie viel konnten Sie nach Ihrer Ankunft bei Williams schon ändern?

Williams - Formel 1 - GP Japan - Suzuka - 5. Oktober 2017
ams
Die Williams-Entwicklung kam dieses Jahr nicht so voran wie geplant.

Lowe: Als ich zum Team stieß, war das Auto fertig. Am Fundament kannst du während einer Saison nichts mehr ändern. Dieses Jahr ging es für mich um eine Bestandsaufnahme. Wo steht das Team, wo können wir hin? Die Ergebnisse dessen sollen in das nächstjährige Auto einfließen. Wir haben mit Dirk de Beer, Barney Hassell und Dave Redding gute Leute eingekauft, die alle mit mir angefangen haben. Ich bin optimistisch, dass wir im Winter einen guten Schritt für 2018 machen können.

Um was zu erreichen?

Lowe: Priorität ist, ein gutes Auto im ersten Rennen zu haben. Wir wollen nicht wieder einem Rückstand hinterherlaufen. Dann müssen wir uns um eine kontinuierliche Weiterentwicklung kümmern. Auf einer guten Basis tut man sich da leichter.

Kann ein Privatteam wieder an die Spitze zurück?

Lowe: Das muss das Ziel sein. Als ich Williams verlassen habe, war es noch ein Top-Team. Jetzt sind wir leider ins Mittelfeld abgedriftet. Wir müssen es dort in einem ersten Schritt an die Spitze schaffen und den Abstand zu den drei Top-Teams verkürzen. In diesem Jahr mutet Platz 7 für uns wie ein Sieg an. Strolls dritter Platz in Baku und der zweite Startplatz in Monza waren unsere Highlights. Das muss mehr werden.

Geht das mit halb so viel Budget?

Lowe: Wir müssen einfach effizienter sein. Force India macht es gewissermaßen vor. Sie sind unsere Referenz, auch weil sie den gleichen Motor fahren wie wir. Die Qualitäten unserer Autos sind ungefähr ähnlich. Aber sie setzen sie viel besser um als wir.

Fällt Ihnen die Rückkehr vom Top-Team Mercedes zu einem Privatteam schwer? Gibt es da viele Einschränkungen?

Lowe: Als Ingenieur ist man es gewohnt, mit Einschränkungen zu arbeiten. Das ganze Reglement ist eine Einschränkung. Das Geld ist einer dieser Parameter. Du arbeitest immer mit dem, was du hast.

Sie suchen noch einen zweiten Fahrer. Ist Felipe Massa in Ungnade gefallen.

Williams FW18 - Museum - Lager - 2017
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Lowe: Überhaupt nicht. Es ist kein Geheimnis, dass wir eines der letzten offenen Cockpits haben und das die Auswahl unter den Fahrern, die noch keines haben, praktisch unbegrenzt ist. Felipe ist auf der Liste, ich würde sagen hoch auf der Liste, aber wir sind es uns schuldig, dass wir uns auf dem Markt umschauen, um die beste Option für unsere Zukunft zu suchen. Wir haben es jetzt nicht besonders eilig, sondern werden sicherstellen, dass wir die bestmögliche Fahrerpaarung zusammenstellen.

Muss der zweite Fahrer Erfahrung haben?

Lowe: Erfahrung ist immer gut, aber nicht der allein entscheidende Faktor. Es ist wichtiger, ein gutes Auto zu bauen. Natürlich hängen wir davon ab, dass es ein Fahrer am Limit bewegen und ein gutes Feedback geben kann. Er muss aber kein Ingenieur sein. Davon haben wir genug. Es gibt heute so viele Daten, dass man etwas unabhängiger von Erfahrung im Cockpit wird.

Robert Kubica steht auch auf der Liste. Hat er wirklich eine Chance?

Lowe: Das müssen wir herausfinden. Robert ist ein außergewöhnlicher Fahrer. Wir haben alle bewundert, was er vor seinem Unfall geleistet hat. Deshalb ist er eine der Optionen, die wir uns anschauen müssen. Um das zu klären, braucht er einen Test im Auto. Seine Testfahrten für Renault haben bereits positive Signale ausgesendet. Bei ihm besteht wegen seiner Limitierung eine spezielle Situation. Der Schlüssel wird sicher seine Fitness im Auto sein. Deshalb werden wir Robert und Paul di Resta in unserem 2014er Auto fahren lassen. Es werden private Testfahrten sein, deren Ergebnisse nicht nach außen getragen werden. Ich möchte aber betonen, dass diese Tests nicht bedeuten, dass wir uns nur auf diese zwei Fahrer konzentrieren.

Platz 5 ist schon in diesem Jahr ein Kampf. Im nächsten Jahr kommen neue Gegner hinzu. Wie schwierig wird es, da zu bestehen?

Lowe: Es wird im Kampf um die Plätze 4 und 5 ein großes Gedränge geben. McLaren und Renault werden 2018 noch härtere Gegner. Wir wollen in diesem Kampf dabei sein.

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