Bottas & Perez - GP Bahrain 2021 Motorsport Images
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Bottas vs. Perez: Duell der Schattenmänner

Duell der Schattenmänner Hamiltons Vorteil heißt Bottas

Valtteri Bottas musste in den ersten vier Rennen viel Kritik ertragen. Doch für Lewis Hamilton ist der Finne Gold wert. Weil er Red Bull in der Strategie für Max Verstappen einschränkt. Sergio Perez muss an seiner Rolle als Schattenmann noch arbeiten.

Red-Bull-Sportchef Helmut Marko ist überzeugt: "Diese WM wird auch über die zweiten Fahrer im Team entschieden." Das Duell Lewis Hamilton gegen Max Verstappen ist nur scheinbar eine exklusive Angelegenheit der beiden Superstars. Die Ergebnisse der ersten vier Rennen mögen diesen Eindruck erwecken. In allen vier Fällen gingen die ersten beiden Plätze an die beiden WM-Kandidaten. Bis jetzt konnte sich kein anderer auch nur annähernd einmischen.

Die Statistik zeigt auch, dass der dritte Platz drei Mal von Valtteri Bottas besetzt war und kein einziges Mal von Sergio Perez. Der dritte Platz muss aber das Mindestziel der zweiten Fahrer im Team sein. Schon allein wegen der Konstrukteurs-Wertung.

Doch Bottas und Perez haben noch eine andere Aufgabe als maximale Punkte einzufahren und vielleicht da und dort dem Teamkapitän der anderen Mannschaft Punkte wegzunehmen. Sie sind ein wichtiger Mitspieler in der Rennstrategie. Und da konnte Bottas bis jetzt seinem Teamkollegen bessere Dienste erweisen als Perez.

Bottas & Perez - GP Bahrain 2021
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Die Nummer-2-Piloten könnten im WM-Kampf das Zünglein an der Waage spielen.

Bottas im Dunstkreis von Verstappen

Man denke nur an den GP Spanien. Der lief zwar zunächst auch nicht optimal aus Sicht von Bottas, weil er sich 28 Runden lang hinter Charles Leclerc anstellen musste und so keine Hilfe für Hamilton war. Als der Finne aber endlich an der roten Mauer vorbei war, lag er mit acht Sekunden Rückstand auf das Spitzenduo immer noch in einem Bereich, in dem er Verstappens Kreise stören konnte.

Perez dagegen fiel ab der 27. Runde aus Hamiltons Boxenstopp-Fenster und musste von den Mercedes-Strategen nicht mehr mit ins Kalkül gezogen werden. Als Verstappen und Hamilton ab der 42. Runde genug Luft auf die Gruppe hinter Leclerc hatten um den zweiten Boxenstopp abzuwickeln, da hielt Hamilton zwei Trümpfe in der Hand. Den Medium-Reifen und Bottas.

Der Weltmeister musste sich bei einem Boxenstopp nicht darum kümmern, dass ihm später der Stallrivale im Weg stehen würde. Auch wenn es dann ein bisschen anders kam als geplant. Red Bull dagegen musste Bottas in seine Überlegungen mit einbeziehen. Hätte Verstappen im umgekehrten Fall auf seinen Soft-Reifen auf Hamilton aufholen müssen, dann hätte ihm Bottas das Leben schwer machen können.

Verstappen vs. Bottas - GP Portugal 2021
Wilhelm
In Portugal wurde Verstappen wenigstens kurzzeitig von Bottas eingebremst, wodurch Hamilton an der Spitze etwas Luft bekam.

Bottas als unfreiwilliger Helfer

Beim GP Portugal war Bottas für Verstappen ein noch viel größeres Problem. Hamiltons Mitspieler lag 35 Runden lang vor den Red Bull-Piloten. Als der Holländer endlich die Straßensperre geknackt hatte, war ihm Hamilton schon um 3,3 Sekunden davongefahren.

Sergio Perez lag zwar zu dem Zeitpunkt in Führung, war aber nicht wirklich eine Bedrohung. Der Mexikaner musste noch einmal an die Box. Als ihn Hamilton erreichte, waren Checos Reifen so ausgelutscht, dass er keine Gegenwehr leistete.

In Imola wurde Bottas unfreiwillig zum Mitspieler des Weltmeisters. Sein Crash mit George Russell provozierte einen Rennabbruch und brachte Hamilton zurück ins Rennen. Beim Re-Start bekam der Rekordsieger eine Runde geschenkt und konnte sich noch auf Platz zwei vorkämpfen. Perez hätte sich theoretisch vom zweiten Startplatz aus in das Spitzenduell einmischen können, doch er tauchte nach einer Reihe von Fehlern und einer Strafe im Mittelfeld ab.

Beim GP Bahrain musste Red Bulls neue Nummer zwei wegen eines elektrischen Blackouts aus der Boxengasse starten und war damit von vornherein kein Faktor für strategische Entscheidungen. Bottas dagegen hätte Verstappen in die Suppe spucken können. Mercedes wollte den neunfachen GP-Sieger dazu nutzen, Hamiltons Gegner früher zum zweiten Reifenwechsel an die Boxen zu locken, damit das Reifen-Delta zwischen Hamilton und Verstappen nicht zu groß wird. Das hätte auch geklappt, hätte Mercedes nicht den Boxenstopp verbockt.

Hamilton vs. Bottas - Formel 1 - GP Portugal 2021
Wilhelm
Bottas will sich nicht zum Nummer-zwei-Fahrer abstempeln lassen. Geschenke hat er Teamkollege Hamilton bisher nicht gemacht.

Befehl vom Kommandostand

Noch beteuern Mercedes und Red Bull, dass die zweite Garde frei fahren darf. So wie Bottas um seine Führung in Portimao gekämpft hat, muss man das auch glauben. Red Bull musste bis jetzt noch nicht eingreifen. Mercedes zuletzt in Barcelona. Da machte der Befehl des Kommandostands Sinn. Bottas war auf einer anderen Strategie unterwegs als Hamilton. Der Finne machte trotzdem nicht gleich Platz. Da spielte auch die Psyche eine Rolle. Bottas will sich nicht zu früh als Nummer zwei abstempeln lassen.

Und das Timing lief etwas unglücklich, wie die Ingenieure erzählten. "Lewis hatte auf der Zielgerade noch nicht DRS. Valtteri hätte vor der DRS-Erkennungslinie sicher kurz vom Gas gehen können, aber die Fahrer haben keine Ahnung, ob das Auto hinter ihnen 0,9 oder 1,2 Sekunden zurückliegt. Valtteri kämpfte mit seinen Reifen und gegen Leclerc. Wir wollten Valtteri aus Leclercs Fenster rauskriegen. Dazu musste er so schnell wie möglich fahren. Lewis vorbeilassen bedeutete Zeitverlust. Weil es auf der Zielgerade nicht reichte, dauerte es bis zur Gegengerade."

Sergio Perez - Red Bull - GP Portugal - Portimao - 1. Mai 2021
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Perez konnte Verstappen bis jetzt noch nicht so unterstützen, wie es der Teamleitung lieb wäre. Vor allem die Leistungen in der Qualifikation sind noch nicht konstant genug.

Perez im Qualifying zu inkonstant

Um im Titelrennen eine mitentscheidende Rolle zu spielen, müssen Bottas und Perez in die ersten zwei Startreihen fahren und in der Startrunde möglichst keine Plätze verlieren. Jeder Zeitverlust hilft dem Gegner. Bottas hat die Aufgabe mit den Startplätzen 3, 8, 1 und 3 einigermaßen erfüllt. Perez steht mit 11, 2, 4 und 8 etwas schlechter da. Beide haben es jeweils einmal sogar geschafft, den Chefpiloten im Quali zu schlagen, zogen aber keinen großen Nutzen davon.

Im Schnitt ist Bottas in seiner schnellsten Qualifikationsrunde um 0,203 Sekunden langsamer als Hamilton. Bei Perez fällt die Differenz mit 0,339 Sekunden ein starkes Zehntel größer aus. Im Renntrim ist der Sakhir-Sieger von 2020 auf Ballhöhe, wenn er mal freie Fahrt hat. Bottas dagegen verliert immer mehr Zeit, je länger das Rennen dauert. Er muss sich aber auch gegen den Fahrer vergleichen lassen, der beim Reifenmanagement der absolute Maßstab ist.

Perez muss man zugutehalten, dass er neu im Team ist und sich an das fremde Auto erst einmal gewöhnen muss. Bottas kennt den Mercedes und seine Eigenheiten in- und auswendig. Markos Urteil über den Neuzugang fällt deshalb immer noch positiv aus: "Perez steigert sich konstant. Er will das Auto nicht neu erfinden wie Gasly. Stattdessen schaut er auf Max, analysiert dessen Runden und erkennt, wo er nachbessern muss."

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