Personalkarussell bei Williams

Sam Michael unter Druck

Rubens Barrichello und Sam Michael Foto: Williams F1 25 Bilder

Drei Rennen, null Punkte. Williams ist noch nie so schlecht in eine Formel 1-Saison gestartet. Dazu Ankündigungen von Mitbesitzer Toto Wolff über eine Umstrukturierung im Technikbüro. Die Gerüchtebörse sagt, dass Technikchef Sam Michael und weitere leitende Ingenieure zum Ende der Saison das Team verlassen.

Seit dem 2. März ist die Williams Grand Orix Holdings PLC ein börsennotiertes Unternehmen. Die Aktie startete mit einem Kurs von 25,25 Euro, rutschte aber an ihrem ersten Handelstag an der Frankfurter Börse gleich um einen Euro ab. Am 27. April wurde eine Williams-Aktie mit 17,35 notiert. Sie beginnt sich nach ihrem Tiefststand gleich nach dem GP China (16,74 Euro) wieder leicht zu erholen.

Schwache Ergebnisse drücken auf den Kurs

Das ist die Krux mit dem Börsengang. Wenn die Ergebnisse auf der Rennstrecke nicht stimmen, rutscht die Aktie in den Keller. Williams kehrte von den ersten drei Grand Prix mit leeren Händen zurück. Dabei war der Traditionsrennstall aus Grove mit so großen Hoffnungen in die Saison gestartet. Nach den Testfahrten wurden die blauweißen Autos sogar als Favoritenschreck gehandelt. Beim Saisonauftakt in Melbourne stimmte zumindest der Speed. Hätte Rubens Barrichello nicht zwei Blackouts gehabt, wäre Williams locker in die Punkte gefahren.

In Malaysia und China jedoch rutschte Williams ans hintere Ende des Mittelfeldes. Zwei Ausfällen in Malaysia folgten die Plätze 13 und 18 in Shanghai. "Das Auto ist besser als es die Ergebnisse zeigen", beharrt Technikdirektor Sam Michael. "Bei einem normalen Ablauf der Qualifikation hätte es Rubens in Shanghai in die Top Ten schaffen können, auf jeden Fall aber auf Startplatz 11 oder 12. Von dort fährst du in die Punkte, wenn du im Rennen keine Fehler machst." Trotzdem gibt Michael zu, dass der zunächst hoch gelobte FW33 die Leistungen des Testwinters nicht mehr auf die Straße bringt. Verantwortlich dafür waren vermutlich zu ehrgeizige Entwicklungen im Bereich Frontflügel und Auspuff. Prinzipiell der richtige Weg, aber zu schnell ans Auto gebracht.

Technikbüro in der Kritik

In China sorgte Mitbesitzer Toto Wolff nicht nur durch seinen Besuch für Aufsehen. Der Österreicher sagte, er wolle sich selbst ein Bild von der Lage machen. Er schloss strukturelle Umbesetzungen im Team nicht aus. Wo, das kann man sich an fünf Fingern abzählen. Wenn das Auto nicht die erwarteten Ergbnisse bringt, dann schaut jeder auf das Konstruktionsbüro. Im Blickpunkt steht Technikchef Sam Michael. Der 39-jährige Australier erklärte auf Fragen nach seiner Zukunft ohne Umschweife: "Wir nehmen die gesamte Struktur unter die Lupe, und das betrifft auch meine Person. Es ist wichtig, die beste Lösung für die Firma zu finden. Wenn ich davon betroffen sein sollte, werde ich meine Position zur Verfügung stellen." Sam Michaels Vertrag mit Williams läuft Ende des Jahres aus. Er arbeitet seit 2001 für den britischen Rennstall.
An der Gerüchtebörse wird spekuliert, dass Williams noch vor dem GP Türkei mit einer Entscheidung über mögliche Personalrochaden an die Öffentlichkeit geht. Dabei fällt nicht nur der Name Sam Michael. Der Technikchef könnte nach Ablauf seines Vertrages seine Arbeit bei Williams beenden. Auch der Posten von Aerodynamikchef Jon Tomlinson soll wackeln. Und Urgestein Patrick Head, dem noch sechs Prozent der Firma gehören, will sich angeblich auch aus dem operativen Geschäft verabschieden. Damit würde für Williams im Technikbüro eine komplett neue Ära beginnen.

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