Pierre Gasly - Toro Rosso - 2018 Red Bull
02/2018, Toro Rosso STR13.
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Pierre Gasly im Interview

"Red Bull immer im Hinterkopf"

Pierre Gasly ist einer der Shooting-Stars der Saison. Im Interview verrät der Toro-Rosso-Pilot, wie ihm Helmut Marko auf dem Weg in die Formel 1 das Leben schwer gemacht hat und warum er den Aufstieg zu Red Bull immer im Hinterkopf hat.

In Bahrain, Monaco und Ungarn gab es viele Punkte. Zwischendurch ging es aber auch steil bergab. Woran liegt diese Achterbahnfahrt?

Gasly: Das Auto ist einfach nicht gut genug, um in jedem Rennen auf Rang 4 zu fahren. Ich glaube, wir konnten unser Potenzial einfach etwas früher in der Saison abrufen als die anderen. Das war ein Grund für das gute Ergebnis in Bahrain. Aber ehrlich gesagt verstehen wir immer noch nicht ganz, wie uns das damals gelungen ist. Momentan sind wir nicht in der Lage, überall zu punkten. Haas, Renault und Sauber sind uns etwas voraus. Aber auf manchen Strecken bekommen wir unsere Chance. Dann müssen wir sie nutzen. In Bahrain, Monaco und Ungarn ist das gelungen.

2019 hat Red Bull den gleichen Motorpartner wie Toro Rosso. Erwarten Sie dadurch einen Sprung nach vorne?

Gasly: Das wird sicher sehr weiterhelfen. Dieses Jahr sind wir als kleiner Einzelkämpfer mit Honda-Motoren unterwegs. Wie groß der Fortschritt durch die engere Zusammenarbeit mit Red Bull ausfallen wird, lässt sich jetzt aber noch nicht sagen. Dazu kommen ja auch noch die neuen Aerodynamik-Regeln. Aber insgesamt kann es für uns nur positiv sein.

Haben Sie nach einer halben Saison schon das Gefühl, richtig in der Formel 1 angekommen zu sein?

Pierre Gasly - Toro Rosso - 2018
Red Bull
Pierre Gasly hat bewiesen, dass er seinen Platz in der Formel 1 verdient hat.

Gasly: Es fühlt sich auf jeden Fall besser an als bei meinen ersten Rennen Ende letzten Jahres. Da bin ich ohne zu Testen ins Auto geschmissen worden. Ich musste in kurzer Zeit viel lernen, und es wurden direkt gute Ergebnisse verlangt. Dieses Jahr ist es einfacher, weil ich mich im Winter auf den Job vorbereiten und das ganze Team kennenlernen konnte. Aber es ist immer noch meine Rookie-Saison. Viele Strecken sind neu. Es gibt noch so viel zu lernen. Aber ich fühle mich mit jedem Rennwochenende wohler hier im Formel-1-Fahrerlager. Das ist schließlich der Ort, an den ich immer hinwollte.

Nach Ihrem GP2-Titel 2016 hat Helmut Marko gesagt, dass Sie noch nicht bereit seien für die Formel 1. Hatte er damals recht?

Gasly: Nein, da stimme ich ihm nicht zu. Ich war damals schon bereit. Aber der Zeitpunkt zum Aufstieg hat aus verschiedenen Gründen einfach nicht gepasst. Für mich war das natürlich enttäuschend. Die GP2 ist wie die zweite Liga im Fußball. Obendrüber gibt es nur die Formel 1. Wenn es dann nicht mit dem Aufstieg klappt, ärgert man sich natürlich. Aber es hat mich auch zusätzlich motiviert. Der Wechsel in die japanische Super Formula war eine riesige Herausforderung. Ich hatte richtig Feuer in mir und wollte mich unbedingt beweisen.

Wie hat Ihnen das mit Blick auf die Formel 1 geholfen?

Gasly: Ich war plötzlich in einem Land, das 10.000 Kilometer von meiner Heimat entfernt liegt. Ich habe die Sprache nicht verstanden und wusste nach der Landung am Flughafen noch nicht einmal, wo man mich hinbringt. Die Kultur in Japan ist komplett anders. Das war nicht einfach. Aber sowohl als Sportler als auch als Mensch war es eine super Erfahrung. Mir hat es richtig Spaß gemacht. Und die Autos in der Super Formula produzieren jede Menge Abtrieb. Das hat mir zur Vorbereitung auf die Formel 1 auf jeden Fall geholfen.

In welchen Bereichen müssen Sie noch an sich arbeiten?

Gasly: Die Erfahrung ist natürlich ein großer Faktor. Es ist ein riesiger Vorteil, wenn man an die Rennstrecke kommt und immer weiß, was einen erwartet. Bei neuen Kursen brauche ich manchmal noch etwas länger, bis ich alles aus dem Auto rausholen kann. Aber es klappt immer besser, weil auch mein Renningenieur nun ganz genau weiß, was ich brauche, um schnell zu sein. Mit der reinen Pace des Pakets können wir zufrieden sein. Jetzt will ich mich vor allem darauf konzentrieren, dass wir den guten Speed noch konstanter zeigen können.

Wie ist Ihre Beziehung zu Helmut Marko jetzt? Man hörte zuletzt viel Lob über Sie.

Pierre Gasly & Daniel Ricciardo - Toro Rosso - 2018
Red Bull
Bekommt Gasly das freigwordene Red Bull-Cockpit von Daniel Ricciardo? Die Chancen stehen gut.

Gasly: Unser Verhältnis hat sich sehr verbessert. Als ich noch jünger war, verlangte er immer viel von mir. Ich habe jede Herausforderung so gut es ging gemeistert. Ich wollte ihm zeigen, dass ich ein echter Kämpfer bin, dass ich meinen Traum niemals aufgebe und diesen Platz auch verdiene. Er ist sehr hart zu seinen Fahrern, aber das muss man akzeptieren. Mittlerweile kommen wir gut aus. Was viele wohl nicht wissen ist, dass er einen guten Sinn für Humor hat. Wir haben immer viel Spaß.

Momentan kommen im Red-Bull-Programm nicht viele Junior-Talente nach. Nimmt das etwas den Druck?

Gasly: Nein, den Druck mache ich mir nur selbst. Da brauche ich niemanden dafür. Ich will alles perfekt machen. Wenn mir das nicht gelingt, bin ich nicht mit mir zufrieden. Die Umstände sind egal, ich gebe immer 100 Prozent. Aber es stimmt, dass momentan etwas weniger Fahrer nachkommen als noch vor ein paar Jahren.

Noch ist nicht klar, wer in den nächsten Jahren das zweite Red-Bull-Cockpit bekommt. Wäre es schlimm, wenn Sie noch länger auf die Beförderung warten müssten?

Gasly: Natürlich habe ich Red Bull immer im Hinterkopf. Ich bin in der Formel 1, da will ich auch um Siege und Titel kämpfen. Meine Gelegenheit dazu wird aber sicher kommen. Ich bin ja noch jung. Es ist klar, dass man seine Ziele immer so schnell wie möglich erreichen will, aber momentan versuche ich, nicht zu viel über die Zukunft nachzudenken und einfach das Beste aus den vorhandenen Mitteln zu machen.

Haben Sie eine solche Dominanz im Teamduell gegen Brendon Hartley erwartet?

Gasly: Die Frage ist nicht leicht zu beantworten. Das erste Ziel ist es natürlich immer, den Teamkollegen zu schlagen. Deshalb kann ich zufrieden damit sein, wie es läuft. Aber die Saison ist ja noch nicht vorbei. Wir haben noch neun Rennen. Ich muss ihn also noch neunmal schlagen. Brendon ist ein schneller Fahrer. Er hat nicht umsonst die Langstrecken-WM und das 24h-Rennen in Le Mans gewonnen. Es ist jedes Wochenende eine große Herausforderung. Momentan läuft es ganz gut. Das möchte ich natürlich auch so beibehalten.

Was macht Pierre Gasly, wenn er nicht im Rennauto sitzt?

Gasly: Noch wohne ich in meiner Heimat in Nordfrankreich, in der Normandie. Aber bald schon ziehe ich nach Mailand, damit ich näher an der Toro-Rosso-Fabrik bin. Ansonsten liebe ich alle Arten von Sport. Natürlich habe ich während der WM in Russland viel Fußball mit meinen Freunden geschaut.

Spielen Sie auch selbst?

Gasly: Ja, ich habe meine Sportlerkarriere sogar mit Fußball begonnen. Heute spiele ich auch noch Badminton, Squash, Tennis, Golf… Ich versuche immer, aktiv zu sein. Das Training ist nicht nur eine Notwendigkeit für den Job, sondern macht mir einfach Spaß. Es ist für mich aber auch wichtig, zwischen den Rennen abzuschalten und Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Ich habe vier Brüder in ganz Frankreich verteilt. Ich bin der Jüngste und versuche, sie so oft wie möglich zu besuchen.

Hinweis der Redaktion: Das Interview mit Pierre Gasly haben wir vor der Bekanntgabe der Wechsel von Daniel Ricciardo und Carlos Sainz geführt.

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