Sainz - Gasly - Stroll -  GP Italien 2020 - Monza xpb
Stroll - Sainz - Gasly - GP Italien 2020 - Monza - Rennen
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Italien 2020 - Monza - Rennen
Sebastian Vettel - Ferrari - GP Italien 2020 - Monza - Rennen
Pierre Gasly - Alpha Tauri - GP Italien 2020 - Monza - Rennen 51 Bilder

Sensationssieg für Gasly: Ein Anruf von Präsident Macron

Sensationssieg für Gasly Ein Anruf von Präsident Macron

Zum zweiten Mal nach 2008 jubelte das ehemalige Toro Rosso-Team in Monza. Pierre Gasly holte einen Sieg, mit dem wahrscheinlich kein Mensch gerechnet hatte. Der Franzose wickelte seinen Boxenstopp zur richtigen Zeit ab und beging unter höchstem Druck keinen Fehler.

Es sind die Geschichten, die nur der Sport schreiben kann. Pierre Gasly fährt erst seine vierte Saison in der Formel 1. Er debütierte beim GP Malaysia 2017 fünf Rennen vor Saisonende, blieb 2018 bei Toro Rosso, stieg 2019 zu Red Bull auf und wurde nach einem halben Jahr degradiert. Gasly musste seinen Platz an Alexander Albon abtreten und wieder im Junior-Team platznehmen.

Doch der Franzose ließ sich nicht hängen. Gasly steckte auch einen Schicksalsschlag weg. Sein Kumpel und Rennfahrerkollege Anthoine Hubert, mit dem sich Gasly das Zimmer im Internat geteilt hatte, verunglückte im Vorjahr tödlich im Formel 2-Rennen in Spa-Francorchamps. "Da habe ich ihm gesagt: Pierre, wir sind Teil eines wunderschönen Sports, der aber auch seine Schattenseiten hat. Es war grausam für ihn. Doch er musste das wegstecken, und hat seine Sache sehr gut gemacht", erinnert sich Teamchef Franz Tost.

Gasly belohnte sich in Brasilien mit seinem ersten Podestplatz. Zehn Monate später ist der 24-Jährige aus Rouen ein Grand Prix-Sieger. Gasly gewann wie aus dem Nichts den GP Italien 2020. Er ist der 13. französische GP-Sieger der Formel 1-Geschichte. Der erste nach Olivier Panis, der 1996 nicht minder unerwartet das Rennen in Monte Carlo gewonnen hatte.

Das Glück mit dem Boxenstopp

Alpha Tauri, bis 2019 Toro Rosso, feierte zum zweiten Mal nach 2008 einen Sensationssieg im Königlichen Park. Damals mit Sebastian Vettel. "Das war aber im Regen. Ich habe das Kunststück auf einer trockenen Strecke vollbracht", juxte der Sieger, dessen AT01 in den letzten Rennen immer besser wurde. Es ist das Ergebnis kontinuierlicher Entwicklungsarbeit kombiniert mit einem immer besseren Verständnis für das Auto. Ingenieure und Fahrer wissen seit Belgien, wie sie den AT01 mit dem Setup in die Wohlfühlzone bringen.

Doch um in der modernen Formel 1 zu gewinnen, müssen die Topteams schon schwächeln. Allen voran Mercedes. Am Rennsonntag von Italien stellte sich der Weltmeister selbst ein Bein. Lewis Hamilton wurde an die Box gerufen, als diese geschlossen war. Die Rennleitung hatte sich zu diesem Schritt entschieden, nachdem Kevin Magnussen seinen Haas im Grünstreifen vor der Boxeneinfahrt geparkt hatte.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Gasly seinen Reifenwechsel schon absolviert. Gasly, der an zehnter Position liegend in der 19. Runde abgebogen war, traute seinen Augen nicht, als er wieder auf die Strecke zurückkehrte. Er glaubte, den Boxenstopp zur genau falschen Zeit hinter sich gebracht zu haben. "Ich sah das Zeichen für das Safety Car. Normalerweise ist es der schlechteste Zeitpunkt, in dieser Situation an der Box gewesen zu sein." Doch das scheinbare Pech war im Nachhinein das große Los und der Eintrittsschein auf dem Weg zum Sieg. "Gott sei Dank haben sie nach dem Safety Car sofort die Boxengasse geschlossen", jubelte Teamchef Tost.

Pierre Gasly - Alpha Tauri -  GP Italien 2020 - Monza
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Pierre Gasly sah die Zielflagge um 0,4 Sekunden vor Carlos Sainz.

Sainz als großer Gegner

Nachdem Charles Leclerc seinen Ferrari in den Reifenstapel der Parabolica steckte, begann das Rennen noch einmal von vorn. Mit dem Unterschied, dass die Distanz halbiert war und Gasly nicht als Zehnter, sondern als Dritter in den Mini-Grand Prix startete. Er überholte Lance Stroll und übernahm die Führung, als Hamilton seine Stop-and-Go-Strafe in der 28. Runde antrat. "Wir haben beim Restart auf den Mediumreifen statt den harten Reifen gesetzt, weil er einen besseren Start versprach. So ist es gekommen", freute sich Gasly.

Noch immer glaubte er nicht an den Sieg. "Meine Ingenieure sagten mir, zieh einfach dein Rennen durch. Hamilton wird durchs Feld pflügen und trotzdem mit 20 Sekunden Vorsprung gewinnen." Es war wahrscheinlich der Versuch des Teams, den Piloten zu konzentrieren und nicht träumen zu lassen. Eine Aufholjagd mit einem Rückstand von 30 Sekunden und 16 Autos vor der Nase war selbst für einen Hamilton illusorisch.

Der größte Gegner war nicht der Weltmeister, sondern Carlos Sainz, der sich in der 34. Runde auf den zweiten Platz schob. Von da an machte der Spanier Jagd auf seinen Vordermann. Sainz knabberte nach und nach den Rückstand von 4,3 Sekunden ab. Der McLaren war an diesem Tag nach dem Mercedes das zweitschnellste Auto im Feld. Das erhöhte den Druck auf Gasly.

Gasly quetscht Reifen aus

Der Franzose quetschte seinen Mediumreifen aus. Er musste besonders in den Kurven alles aus den Pirellis herausholen, weil sein Verfolger vom Windschatten profitierte. "Ab einem Rückstand von drei Sekunden ist der am effektivsten in Monza", erklärt der 24-Jährige. Diesen Abstand hate Sainz in der 40. Runde hergestellt. Von da an ging es nur noch ums Überleben. Gasly versuchte den Windschatten zu brechen, indem er auf den Geraden Schlangenlinien fuhr.

Ab der 46. Runde stockte die Aufholjagd. Da war Sainz auf 1,5 Sekunden herangefahren und spürte vermehrt die Turbulenzen, die mehr Abtrieb in den Kurven kosten, als dass der Windschatten beim Geradeausfahren bringt. "Heranfahren ist eine Sache, Überholen eine andere", urteilte Franz Tost.

Beinahe aber hätte Gasly dem McLaren-Fahrer noch die Tür geöffnet. "Ich hatte zwei brenzlige Momente in den Lesmos und der Parabolica, weil ich alles aus dem Auto herausholen musste." Die Nervosität am Kommandostand stieg. "Ich war vorher ruhig, aber ab diesem Moment beunruhigt", gestand der Teamchef.

Keine große Party

Sainz verkürzte den Rückstand in der letzten Runde auf unter eine Sekunde. Doch Gasly blieb ruhig, obwohl seine Reifen heruntergefahren waren. "Ich hatte keinen Gummi mehr drauf und eine fürchterliche Traktion aus der ersten Schikane raus." Trotzdem sicherte er den Sieg um 0,4 Sekunden vor Sainz ab. "Ich bin noch nicht lange dabei in der Formel 1, habe aber bereits so viel durchgemacht. Nach meiner Rückstufung zu Toro Rosso hätte ich nie erwartet, erst ein Podest zu erobern und ein Jahr später sogar meinen ersten Sieg."

Die Siegesparty fiel eher verhalten aus. Und das lag nicht nur daran, dass keine Fans den Podeststürmern zujubelten. "Die Jungs werden in den Garagen ein bisschen herumschreien und toben. Danach wird zusammengepackt. Es steht ja in einer Woche das nächste Rennen in Mugello an." Ein typischer Franz Tost.

Der Teamchef erhielt einen Anruf von Red Bull-Boss Dietrich Mateschitz. Der Siegfahrer einen von höchster Stelle. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron gratulierte Gasly zu dessen Husarenritt.

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