Piloten in der Auslaufzone

Kurve 8 wehrt sich hartnäckig

Pastor Maldonado - Lotus - Formel 1 - GP Österreich - Spielberg - 20. Juni 2014 Foto: xpb 61 Bilder

Im Freien Training haben die Formel 1-Autos ihre ersten Runden auf dem Red Bull-Ring in Spielberg gedreht. Eine Kurve stellte sich dabei als besonders tückisch heraus. Reihenweise rutschten die Piloten in der vorletzten Ecke in die Auslaufzone.

Früher gab es auf der Grand Prix-Strecke in Spielberg eine Lauda-Kurve und eine Berger-Kurve. Doch die wurden kürzlich umbenannt. Nur Österreichs Rennlegende Jochen Rindt durfte seine Kurve behalten. Dabei handelt es sich um Kurve 8 - der erste Knick des Doppel-Rechts-Bogens in Richtung Start-Ziel. Ausgerechnet diese Kurve bereitete den Piloten am Freitag (20.6.2014) ungewöhnlich viele Probleme.

Piloten ohne Grip in Kurve 8

Reihenweise mussten die Fahrer am Nachmittag in die Auslaufzone. Die Rennleitung notiert normalerweise jedes Verlassen der Strecke auf dem Nachrichtenmonitor. Doch Mitte des zweiten Trainings kapitulierten auch die Schiedsrichter. Es gab gar keine Meldungen mehr über die Ausrutscher. FIA-Rennleiter Charlie Whiting wollte das Thema aber noch einmal in der Fahrerbesprechung diskutieren.
 
Ein Vorteil verschafften sich die Piloten mit dem weiten Bogen durch die asphaltierte Auslaufzone nicht. Die Ausflüge neben die Strecke kamen unfreiwillig. "Die Kurve war irgendwie unfahrbar", staunte Adrian Sutil. Der Sauber-Pilot ist es in diesem Jahr gewohnt, dass sein Sauber nervös reagiert. Doch dieses Mal lag es nicht nur am Auto. "Auch für andere, die mehr Abtrieb haben als ich, war es schwer."
 
Einige Experten vermuteten, dass der Wind den Fahrern einen Streich spielte. Doch Sutil glaubt nicht so recht an diese Theorie: "Es war wirklich komisch, dass diese Kurve so schwierig war. Man lenkt ein, hat Grip und plötzlich geht der Grip weg. Ab dem Scheitelpunkt konnte man es nicht mehr kontrollieren. Ich glaube nicht, dass es einfach nur der Wind war. Es liegt auch an der Charakteristik der Kurve."

Unnatürliche Linie in die Boxen

Auch der Boxeneingang ist heikel, der direkt vor der Rindt-Kurve beginnt. Eine weiße Linie zeigt die Fahrspur an, in der die Piloten in die Boxengasse einbiegen müssen. Doch schon in der Früh rutschte Daniel Ricciardo nach außen über die Begrenzung. Am Nachmittag passierte Nico Hülkenberg, Kevin Magnussen und Kamui Kobayashi das gleiche Missgeschick. Für alle gab es einen Termin und eine Belehrung bei den Stewards.
 
Hülkenberg erklärt, warum es gleich so viele Piloten auf einmal erwischt hat: "Man sieht die weiße Linie erst ganz spät. Es ist ein unnatürlicher Eingang in die Box. Man muss die Kurve ganz falsch anfahren. Ganz anders, als wenn man die Kurve normal nehmen würde." Sollten die Fahrer im Rennen bei der Boxeneinfahrt erneut die Linie kreuzen, drohen Strafen von der Rennleitung.
 
Auch der zweite Teil der Doppel-Rechts am Ende der Runde hat es offenbar in sich. Kurz hintereinander rödelten hier Daniel Ricciardo und Sebastian Vettel auf dem Weg zur Zielgeraden durchs Gras - der Weltmeister sogar mit einem spektakulären Doppel-360er. "Der Dreher war so nicht geplant. Ich konnte nur noch mein Bestes tun, um den Einschlag zu verhindern", so Vettel. "Ich habe die letzte Kurve nicht ganz erwischt. Dann wurde ich von dem Loch abseits der Strecke ausgehebelt."

Hülkenberg bekommt Drehwurm

Generell zeigte sich der Red Bull-Ring am Trainingstag von seiner tückischen Seite. Trotzdem kam die anspruchsvolle Strecke bei den Fahrern gut an. Hülkenberg zeigte sich begeistert: "Es ist schneller als ich vorher gedacht habe. Man kann das Auto schön fliegen lassen. Die Strecke sieht einfach aus, ist aber ganz tückisch. Es gibt doch einige Stellen, die sehr technisch sind."
 
Nur eines war für den langen Rheinländer etwas gewöhnungsbedürftig: "Die Runde ist sehr kurz. Man bekommt ein bisschen einen Drehwurm." Dass es am Sonntag viel Überholaction gibt, glaubt der Force India-Pilot nicht, obwohl das Layout in der Theorie eigentlich danach aussieht. "Das wird doch nicht so einfach, wie gedacht", so die Prognose.
 
Auch bei Sauber-Kollege Adrian Sutil kam der Kurs generell gut an. "Kleine Strecke. Wenig Kurven. Aber sie hat es in sich. Besonders die schnellen Ecken sind schwierig zu fahren", so der Bayer. Mit seinem Sauber rutschte er am Freitag allerdings noch viel herum. "Die Strecke hatte noch nicht so viel Grip. Das war nicht einfach. Ich denke, dass es morgen besser wird."

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