Piquet

From Zero to Hero

Foto: dpa

Vor dem GP von Deutschland stand die Aktie Nelson Piquet auf dem Tiefstpunkt. Nicht wenige im Fahrerlager zerrissen sich das Maul darüber, wann der Brasilianer sein Cockpit räumen müsse.

Nur zwei Punkte hatte er auf dem Konto – und dann kam auch sein schwaches Abschneiden im Qualifying dazu. Piquet fuhr nur auf Platz 17, Teamkollege Fernando Alonso indes parkte als Fünfter in der Startaufstellung.

Das Renault-Team tat nach dem Desaster in der Qualifikation das einzig richtige: Man pokerte hoch - und gewann. Nicht das Rennen, aber Piquets zweite Platz bedeutet immer noch das mit Abstand beste Saisonergebnis für den krisengebeutelten Rennstall des früher so erfolgreichen Flavio Briatore. Zum ersten Mal in diesem Jahr schaffte ein Renault-Fahrer eine Podiumsplatzierung.

Führungsrunden für Piquet

"Natürlich war es ein Glücksspiel mit nur einem Stopp zu fahren", analysierte Piquet nach dem Rennen. "Nachdem das Safety Car weg war, habe ich versucht meine Reifen bestmöglich zu schonen." Nachdem Hamilton und Heidfeld zum zweiten Stopp in die Box abbogen, lag der Brasilianer sogar plötzlich an der Spitze. Doch Lewis Hamilton rückte dem Renault-Fahrer immer dichter auf den Pelz. Sieben Runden vor dem Ende ließ Piquet den McLaren fast kampflos vorbei. Er hatte eingesehen: „Lewis war aber viel schneller. Ich dachte, wenn ich ihm zuviel Widerstand leiste, dann schnappt mich am Ende noch Felipe. Ein sicherer zweiter Platz ist allemal besser als zu kämpfen, und am Ende nur Dritter oder Vierter zu werden“

Die letzte Runde auf der Fahrt zum bisher größten Erfolg seiner Karreire konnte Piquet, der in fünf Tagen seinen 23. Geburtstag feiert, nicht genießen: "Ich wußte gar nicht, dass es die letzte Runde war. Erst als Lewis vom Gas ging war mit klar: Das Rennen ist aus. Dann hab ich auch die karierte Flagge gesehen."

Zweiter Platz nur ein Ausrutscher?

Der drittplatzierte Felipe Massa freute sich herzlich für seinen brasilianischen Landsmann: "Ich weiß noch gut wie es bei mir war, als ich zum ersten Mal auf das Podium gefahren bin", sagte der Ferrari-Fahrer. "Das war vor zwei Jahren am Nürburgring. Da habe ich mich gefreut wie ein kleines Kind." Piquet blieb nach dem zehnten Formel 1-Rennen seiner Karriere cool: "Es ist immer noch schwierig für mich in der Formel 1", gab er zu bedenken. "Ich glaube nicht, dass ich den Erfolg von heute beim nächsten Rennen wiederholen kann."

Kandidat für einen vorzeitigen Rauswurf war Piquet ohnehin nicht: Erstens, weil er einen kugelsicheren Vertrag besitzt. Zweitens, weil es fahrerisch keine ernst zu nehmenden Alternativen zu den aktuellen Piloten gibt. Alle Experten sind sich einig: Aus dem GP2-Feld drängt sich zur Zeit kein Fahrer auf - sei es weil er zu jung ist oder sei es weil er zu alt ist.

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