McLaren - GP Kanada 2019 Motorsport Images

Pirelli wehrt sich gegen Kritik

Reifen-Verschwörer brauchen 7 Teams

Red Bull und Ferrari würden gerne zu Reifen mit dickerer Lauffläche zurückkehren, um Mercedes einen Vorteil zu rauben. Es ist aber gar nicht so einfach, die Reifen während der Saison zu ändern.

Der siebte Mercedes-Sieg im siebten Rennen hält das Thema weiter wach. Auch wenn Ferrari in Montreal ein wehrhafter Gegner war. Die Gegner von Mercedes haben ihren Feind identifiziert. Es sind die 2019er Pirelli-Reifen.

Sie helfen hauptsächlich Mercedes, glaubt Red Bull. „Die Reifen mit der dünneren Lauffläche hat das größte Problem von Mercedes auf einen Schlag gelöst. Die Reifen überhitzen nicht mehr. Wer wie wir ein reifenschonendes Auto hat, wird bestraft“, grantelt Red Bull-Sportdirektor Helmut Marko.

Ferrari freut sich still über den Vorstoß Grazers. Die Italiener gehen bei ihrer Kampagne diplomatischer vor. Ferrari sorgt sich um das Wohl des Sports. Zu viele Einstopp-Rennen, keine Spannung auf der Strecke, weil sich die Reifen kaum noch abnutzen. Mercedes-Teamchef Toto Wolff antwortet den Reifen-Verschwörern „Das sind doch opportunistische Aktionen.“

Der Österreicher wehrt sich dagegen, dass Pirelli die Reifen zum Nutzen von Mercedes gebaut hat: „Pirelli bringt jedes Jahr neue Reifen. Mal verstehen sie die einen besser, mal die anderen. Pirelli muss eigentlich eine unlösbare Aufgabe erfüllen. Wenn die Reifen zu stark abbauen, beschweren sich die Leute genauso, wie wenn sie zu lange halten.“

Sebastian Vettel - Ferrari - Formel 1 - GP Kanada - Montreal - 8. Juni 2019
xpb
Ferrari und Red Bull würden gerne zu Reifen mit dickerer Lauffläche zurückkehren.

Dem Wunsch der Fahrer gefolgt

Auch Pirelli-Sportchef Mario Isola versteht die Aufregung nicht, die sich plötzlich im Fahrerlager verbreitet wie eine ansteckende Krankheit. „Alle Teams konnten letztes Jahr im Dezember in Abu Dhabi die 2018er mit den 2019er Reifen vergleichen. Wir haben keine Klagen gehört. Selbst wenn der Test kein klares Bild gezeigt hat, weil die Teams da noch mit den 2018er Autos und anderen Abtriebswerten unterwegs waren, hatten sie im Februar in Barcelona genug Gelegenheit, die neuen Reifen kennenzulernen. Kein einziger hat sich beschwert, dass sie die Reifen nicht aufwärmen können.“

Das sei erst in Baku passiert, als langsam klar wurde, dass Mercedes diese Saison dominieren würde. Und als es tatsächlich erste Probleme mit dem Aufwärmprozess gab. „Was aber“, so Isola, „bei dem Streckenlayout und dem glatten Asphalt in Baku normal ist. Es war dort schon immer schwierig, die Reifen in ihr Fenster zu bringen.“

Das Produkt, das Pirelli jetzt im Angebot hat, ist laut Isola genau das, was letztes Jahr alle gefordert hätten. „Alle Fahrer haben sich bei uns ausgeweint, dass die Reifen zu schnell überhitzen. Wir haben den Auftrag ausgeführt und können sagen, dass wir unser Ziel erreicht haben. Die Reifen werden nicht mehr so schnell heiß. Die Fahrer können länger attackieren. Und wir haben keine Blasen mehr.“

Drei Bedingungen für neue Reifen

Das sieht man bei Red Bull etwas anders. Mercedes habe Pirelli erst dazu ermutigt, es mit einer dünneren Lauffläche zu versuchen, heißt es. Tatsächlich probierte Pirelli das Konzept bei drei Rennen 2018 aus. Und zwar auf den Strecken, die den Reifen am meisten abverlangen: Barcelona, Paul Ricard, Silverstone.

„Das hatte allein Sicherheitsgründe“, wehrt sich Isola gegen Vorwürfe, man habe Mercedes mit dieser Maßnahme einen Gefallen getan. Wenn Mercedes jetzt davon profitiert, dann sei das Zufall. „Wir bauen keine Reifen für ein bestimmtes Team. Wir machen den Reifen, der für den Sport am besten ist. Bis jetzt hat Pirelli immer auf diese Wünsche gehört“, beteuert der Sportchef.

Mario Isola & Mattia Binotto - GP Kanada 2019
ams
Chat in Montreal: Ferrari-Teamchef Mattia Binotto kann mit Pirelli-Sportchef Mario Isola italienisch reden.

Trotzdem lässt der Club der Reifenverschwörer nicht locker. Haas-Teamchef Guenther Steiner spricht gar von einer „Reifenfenster-WM“. Man sei als Team zu abhängig davon, dieses Fenster zu treffen. „Selbst das beste Auto wird zur Schnecke, wenn man nicht in dieses magische Fenster kommt, in dem die Reifen optimalen Grip liefern.“

Der Wunsch von Red Bull und Ferrari nach einer schnellen Änderung ist das eine, die Machbarkeit eine andere. Pirelli muss sich dabei an Regularien halten, erklärt Isola: „Entweder wir erkennen ein Sicherheitsrisiko. Oder die FIA bittet uns. Oder mindestens 70 Prozent der Teams tragen diesen Wunsch an uns heran. Dann müssten wir neue Reifen aber erst testen und validieren.“

An den 70 Prozent wird es schon scheitern. Mercedes hält seine Schäfchen zusammen. Racing Point und Williams beteiligen sich nicht an der Kampagne. Auch McLaren ist nicht an neuen Reifen interessiert. „Wir verstehen sie ganz gut“, meinte McLaren-Chef Zak Brown in Montreal. Damit sitzen bereits 40 Prozent der Teams im Mercedes-Boot. Einer zu viel.

Pirelli wird 2020 wieder neue Reifenmischungen backen. Ein Ziel ist es, auf vielfachen Wunsch das Reifenfenster zu vergrößern. Das liegt derzeit bei rund 30 Grad. „Es wird keine einfache Aufgabe“, warnt Isola. Sollte es darüber hinaus noch andere Wünsche geben, dann sollen es die Teams bitte sagen. „Wenn wir etwas ändern sollen, müssen wir es jetzt wissen. Wir müssen parallel ja auch noch für die 18-Zoll Reifen testen.“

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