Pirelli wehrt sich

"Reifenfenster nicht zu klein"

Pierre Gasly - Red Bull - Formel 1 - GP Spanien - Barcelona - 10. Mai 2019 Foto: Red Bull

Pirelli-Sportchef Mario Isola wehrt sich gegen Vorwürfe, das Arbeitsfenster der 2019er Reifen sei zu klein. Er begründet die Probleme mancher Teams damit, dass es noch viel Lernbedarf gibt.

Barcelona ist kein gutes Pflaster für Reifenkritiker. Auf dieser Rennstrecke bekommt jedes Teams seine Reifen in das magische Arbeitsfenster, in den dem die Gummisohlen ihren maximalen Grip liefern. In den schnellen Kurven walken die Reifen stark. Da wärmt sich der Unterbau schnell auf. Und der Asphalt ist rauh genug, damit sich die Lauffläche gut verzahnen kann.

Baku vor zwei Wochen war das krasse Gegenteil. Der glatteste Streckenbelag im ganzen Kalender, nur langsame Kurven, eine 1,8 Kilometer lange Gerade, auf der die Reifen stark auskühlen. Kein Wunder, dass nach dem GP Aserbaidschan viele Teams an Pirellis Tür geklopft haben. Sie beschwerten sich über ein zu kleines Arbeitsfenster der neuen Reifen und wollten nicht länger Geisel eines Reifens sein, der mal Grip liefert und mal nicht.

„Wir reden am Montag nach dem Rennen nur über Reifen. Wer sie ins Fenster bringt und wer nicht. Das wird langsam langweilig“, ärgerte sich Haas-Teamchef Guenther Steiner. Das US-Team stand in den letzten drei Rennen auf Kriegsfuß mit den Reifen. „Alle haben Probleme, aber uns traf es bislang am stärksten“, klagt Steiner.

Pierre Gasly - Red Bull - Formel 1 - GP Spanien - Barcelona - 10. Mai 2019 Foto: Red Bull
In Barcelona klagen die Teams deutlich weniger über die Reifen als in Baku.

Arbeitsfenster weiterhin 30 Grad groß

Pirelli-Sportchef Mario Isola will nun aufräumen mit der Geschichte, dass sich das Arbeitsfenster seit Einführung der neuen Reifengeneration verkleinert habe. „Wir haben die Reifen aus drei Gründen verändert. Einmal, weil wir verhindern wollten, dass die Reifen Blasen werfen. Zum zweiten, weil sich die Fahrer einen Reifen gewünscht haben, der nicht so schnell überhitzt. Das erlaubt ihnen über eine längere Distanz zu attackieren. Und schließlich, weil Teams einen Reifen haben wollten, der ab einem bestimmten Punkt gut spürbar abbaut.“ Im Formel-1-Deutsch wird dieser Punkt „Klippe“ genannt.

Das Arbeitsfenster der 2019 Gummis ist laut Isola nicht geschrumpft: „Der Bereich ist weiterhin rund 30 Grad groß. Das sagt schon die Logik. Neu sind nur die Gummimischungen C1, C2 und C5. Die Mischung C3 entspricht dem Soft-Reifen von 2018. C4 ist exakt der Ultrasoft-Reifen. Warum sollte sich das Fenster bei diesen Reifen auf einmal verändert haben?“ Pirelli gibt für die einzelnen Reifentypen folgende Arbeitsbereiche an:

C1: 110-140°C

C2: 110-135°C

C3: 105-135°C

C4: 90-120°C

C5: 85-115°C

Dünnere Lauffläche schiebt Temperatur hoch

Einige Teams behaupten, dass es die um 0,4 Millimeter dünnere Lauffläche erswchwere, die Hitze im Reifen zu halten. Isola räumt ein, dass die dünnere Lauffläche die Arbeitsfenster im Vergleich zu 2018 etwas nach oben geschoben habe. Dazu Steiner: „Genau das ist unser Problem. Sie liegt so hoch, dass wir auf bestimmten Strecke nicht reinkommen.“

Davon, dass die Teams den Reifentemperaturen hilflos ausgeliefert seien, könne laut Isola keine Rede sein: „Alle haben zwei Hitzesensoren. Einen für die Lauffläche, den anderen für die Karkasse. Daraus lässt sich die Temperatur im Mantel berechnen. Die Teams sind also voll im Bilde, was vor sich geht. Da hat sich nichts geändert.“

Isola glaubt, dass die Beschwerden im Laufe des Jahres zurückgehen werden. „Die Reifen sind für alle noch neu. Deshalb befinden sich alle Teams noch in der Lernphase. Das war bei früheren Neueinführungen von Reifen genauso.“

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