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Krieg um den Reifendruck

Wer füttert Pirelli mit falschen Daten?

Pirelli setzt trotz stabiler Reifen den Luftdruck oft zu hoch an und rudert dann zurück. Der Grund dafür sind die Abtriebsdaten, die Pirelli von den Teams bekommt. Zwei davon füttern Pirelli regelmäßig mit zu hohen Werten.

Pirelli hat alle überrascht. Obwohl die Autos deutlich schneller geworden sind, halten die Reifen ordentlich. Die Abnutzung ist gering, Körnen ein Problem der Vergangenheit und die Gefahr von dauerhaftem Überhitzen gebannt. Auf den harten Reifenmischungen könnte man ein ganzes Rennen mit stabilen Rundenzeiten fahren. Deshalb schreibt Pirelli generell geringere Luftdrücke als 2016 vor.

Meistens müssen die Teams darauf aber einen Trainingstag warten. Für den Freitag fährt der italienische Reifenproduzent oft noch die Politik der Vorsicht. Pirelli schreibt zu Beginn des Wochenendes vergleichsweise hohe Luftdrücke vor, die sie dann nach einem Trainingstag nach unten korrigieren.

In Australien, Bahrain und Barcelona wurden die Luftdrücke massiv gesenkt. In Australien an der Vorderachse. Der Reifendruck wurde von Freitag auf Samstag 22,0 auf 21,0 PSI reduziert. In Bahrain korrigierte Pirelli hinten von 20,5 auf 19,5 PSI. Das größte Reifendruck-Geschenk gab es in Barcelona. Vorne von 22,5 auf 22,0 PSI, hinten von 20,0 auf 18,5 PSI.

Niedrigere Luftdrücke: Ferrari profitiert

Bei den Winter-Testfahrten hatte sich Pirelli noch mit dem überraschend niedrigen Wert von 22,0 PSI vorne und 18,0 PSI hinten für Barcelona begnügt. Deshalb waren die Teams überrascht, dass 2 Monate später für das GP-Wochenende die Grenzwerte zunächst mit 22,5 und 20,0 PSI deutlich höher lagen.

Pirelli-Technikchef Mario Isola verteidigte sich: „Wir legen die Drücke anhand der Abtriebsdaten fest, die wir von den Teams jeweils drei Wochen vor dem Rennen bekommen. In Barcelona wurden die Autos stark modifiziert und damit der Anpressdruck erhöht. Darauf haben wir reagiert. Wenn wir nach einem Trainingstag anhand unserer eigenen Messungen sehen, dass die Werte nicht mit der Realität übereinstimmen, ändern wir die Grenzwerte für den Luftdruck.“

Wenn man die 3 Rennen, bei den Pirelli die Luftdrücke drastisch abgesenkt hat, miteinander vergleicht, dann ergibt sich eine Gemeinsamkeit. Mit den hohen Drücken am Freitag war Mercedes jedesmal klar überlegen. Auf eine Runde und bei den Longruns. Kaum hatte Pirelli die Werte für den Samstag reduziert, lag Ferrari im Windschatten der Silberpfeile.

Ferrari-Aerodynamik stabiler bei mehr Reifenbewegung

Alle Autos werden mit geringeren Reifendrücken schneller. Doch offenbar profitiert Ferrari mehr davon als Mercedes. Das kann daran liegen, dass die Aerodynamik der Silberpfeile besser funktioniert, wenn der Reifen weniger stark walkt. Ferrari scheint da die stabilere Plattform zu haben. Das wollen nicht mal einige Mercedes-Ingenieure ausschließen, auch wenn sie behaupten, dass die Problematik komplexer ist.

Tatsache ist, dass Mercedes für die in der Vergangenheit viel zu hart aufgepumpten Reifen ein gutes Modell hatte. Keiner brachte die 2016er Reifen so zuverlässig in ihr Arbeitsfenster wie der Weltmeister. Das ist jetzt plötzlich nicht mehr der Fall. Weil Auto und Reifen völlig anders sind. Nicht nur von den Dimensionen her. Auch vom Konzept.

Da Pirelli sich beim Festlegen der Luftdrücke an den Simulationen der Teams orientiert, geht im Fahrerlager der Verdacht um, dass der Reifenhersteller absichtlich mit zu hohen Abtriebsdaten gefüttert wird, um die Reifendrücke hochzuhalten. Es soll sich dabei immer um die gleichen zwei Teams handeln, die Phantasiewerte abliefern.

Ferrari vermutet, dass dahinter nur Teams stecken können, die ein Interesse an hohen Drücken haben. Also Mercedes. Mario Isola wollte die Gerüchte nicht kommentieren. „Es stimmt, dass sich einige der Abtriebswerte in der Realität als übertrieben erweisen. Doch eine solche Politik würde nicht viel bringen, weil wir ja jederzeit den Luftdruck ändern können, wenn wir der Meinung sind, dass es sicher ist.“

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