Pirellis neue Reifen-Politik

Hinten Druck runter, vorne kein Pardon

Manor - Formel 1 - GP Singapur - 14. September 2016 Foto: ams 23 Bilder

In den letzten 3 Rennen fiel auf, dass Pirelli eine neue Politik fährt. Während vorne die Drücke weiterhin extrem hoch bleiben, werden sie hinten sukzessive abgesenkt. Pirelli erklärt das mit dem Radsturz. Einige Teams glauben, dass sich die Reifen geändert haben.

Die Teams atmen auf. Pirelli fährt mit seinen Reifen eine neue Politik. Seit 3 Rennen ist ein Trend zu beobachten. Die Startdrücke der Hinterreifen fallen. Vorne bleiben sie dagegen weiterhin extrem hoch. Das hat Konsequenzen. Die Vorderreifen heizen sich langsamer auf als die hinteren Sohlen. Speziell in Singapur hatten einige Fahrer Probleme damit.

Überraschend niedrige Reifendrücke für Malaysia

Spa war das letzte Rennen, bei dem Pirelli die Reifen noch zum Ballon aufpumpte. 23,5 PSI vorne, 22,0 PSI hinten. Doch seit Monza scheint der italienische Reifenhersteller die Angst verloren zu haben, die Hinterreifen könnten den Belastungen nicht standhalten. Es begann mit 23,5 und 21,5 PSI und wurde am Samstag auf 23,0 und 20,5 PSI abgesenkt.

Auch in Singapur korrigierte Pirelli die ursprünglich vorgeschriebenen Startwerte. Vorne blieb es bei 20,0 PSI. Hinten wurde von 17,5 auf 16,5 PSI reduziert. Ein Ingenieur meinte: „Das sind ja fast schon Drücke wie früher.“

Noch überraschter sind die Skeptiker über die Reifendrücke, die beim kommenden Grand Prix in Malaysia gelten sollen. 21,5 PSI vorne, nur 18,5 PSI hinten. „Unter 20 PSI hatten wir zuletzt nur auf Stadtkursen.“

Wurden die Reifen leichter?

Bleibt die Frage, warum sich Pirelli derzeit mehr Sorgen um die Vorderreifen macht als um die eigentlich höher belasteten Hinterreifen. Pirelli erklärt seine neue Politik damit, dass man vorne den Teams mehr Freiheiten beim Radsturz gestattet. So durfte in Monza mit 3,25 Grad gefahren werden, in Singapur mit 3,75 Grad. „Mehr Sturz bedeutet gleichzeitig, dass wir mit dem Luftdruck streng bleiben müssen.“

Hinten macht es der Reifenausrüster aus Mailand umgekehrt. Kein Pardon beim Radsturz, dafür mehr Spielraum bei den Drücken. Es gibt aber offenbar noch andere Gründe für die plötzliche Sorge um die Vorderreifen.

Wegen des größeren Radsturzes neigen die weichen Mischungen zu Blasenbildung nahe der Innenschulter. Und es werden beim Bremsen immer öfter stehende Wellen in den Flanken beobachtet. Das schädigt die Karkasse. Das beste Rezept dagegen ist ein hoher Luftdruck.

Einige Teams haben sogar den Verdacht, dass sich die Hinterreifen geändert haben. Offenbar in eine Richtung, die sie widerstandsfähiger macht. Ein Team traut dem Braten schon lange nicht mehr und misst ständig das Gewicht der Reifen. Demnach wogen vier Reifen ohne Felge bis zum GP Ungarn 15,6 Kilogramm. Danach nur noch 15,1 Kilogramm.

Daraus kann man schließen, dass sich die Konstruktion der hinteren Reifen geändert hat. Es könnte auch ein Grund dafür sein, warum sich das Kräfteverhältnis nach der Sommerpause geändert hat. Einigen Autos scheinen die niedrigeren Reifendrücke hinten in die Karten zu spielen.

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