Reifen - Formel 1 - GP Deutschland - 19. Juli 2012 xpb
Pirelli Reifen 2012 - soft & supersoft
Pirelli Reifen 2012 - medium & hard
Pirelli Reifen 2012
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Pirelli-Reifen

Die Formel 1 feiert ein Unfallfestival

Die Zuschauer bekamen im Freitagstraining von Hockenheim viel geboten. Trockene Strecke, nasse Strecke und viele Abflüge. 38 an der Zahl. Für Pirelli war der erste Trainingstag ein Schlag ins Wasser. Der geplante Test der neuen Reifenmischungen fiel dem Wetter zum Opfer.

Kimi Räikkönen erinnerte der Freitag von Hockenheim an den Freitag von Silverstone. "Nur dass es hier auf nasser Strecke viel rutschiger ist als in Silverstone. Deshalb sind auch so viele von uns von der Strecke geflogen." Das Protokoll zählte insgesamt 38 Dreher, Verbremser und Unfälle. Pirelli-Reifenchef Paul Hemery schiebt das Unfallfestival auf den Streckenbelag: "Er bietet kaum Abrieb. Wenn es regnet ist kein Grip mehr da."

Der Freitag hat sich für die Teams und Pirelli nicht gelohnt. Wer wie Lotus, McLaren, Mercedes, Ferrari, Force India und Williams neue Teile testen wollte, hat ein fast leeres Datenblatt in der Hand. Im ersten Training setzte der Regen nach 41 von 90 Minuten ein. Die zweite Sitzung fand komplett auf nasser Straße statt. Die Trockenperiode in der Mitte war zu kurz. Sebastian Vettel wollte gerade Slicks aufziehen lassen, da öffnete der Himmel erneut seine Schleusen. Das kam auch für Pirelli ungelegen. Man wollte neue Reifen für 2013 testen, die schon in Silverstone wegen Dauerregens im Transporter bleiben musste. "Wir werden sie nicht nach Ungarn mitnehmen. Dort macht der Test keinen Sinn", erklärte Hembery. Pirelli wird erst bei den letzten Rennen des Jahres wieder Experimentalreifen mitbringen.

Für den italienischen Reifenhersteller war Hockenheim Neuland. "Unsere Erfahrungswerte beschränkten sich auf ein GP3-Rennen vor zwei Jahren." Was macht ein Reifenhersteller in einem solchen Fall? Pirelli-Mann Hembery: "Zuerst scannen wir die Oberfläche der Straße ein. Das wird heute mit Lasertechnik gemacht. So finden wir heraus, wie rau der Belag ist. Dann simulieren wir die Kräfte, die aufgrund des Streckenlayouts auf den Reifen einwirken. Die Daten dafür bekommen wir von den Teams. Zum Schluss berechnen wir, mit welchen Temperaturzyklen wir zu rechnen haben. Daraus ergeben sich Informationen über den erwarteten Abrieb und den Verschleiß."

Hockenheim vergleichbar mit Melbourne

Das Resultat der Vorarbeit war, dass Pirelli die Mischungen "soft" und "medium" mit nach Hockenheim brachte. Hembery vergleicht die Strecke mit Melbourne. "Also nicht besonders anspruchsvoll für den Reifen. Suzuka, Silverstone und Spa sind wegen der schnellen Kurven viel härter. Auch Monza stellt wegen der hohen Geschwindigkeiten auf den Geraden große Anforderungen an die Reifen. Bei den Bremsmanövern leiden die Reifenschultern."

Ein Thema sind immer noch die Klagen mancher Teams, sie würden die Reifen nicht verstehen. Hembery hat eine Erklärung dafür: "Die Autos haben sich im Vergleich zu letztem Jahr stark verändert. Sie produzieren viel weniger Abtrieb. Die Topteams sind davon besonders betroffen, weil sie aus dem angeblasenen Diffusor oder den biegsamen Frontflügeln am meisten gemacht haben. Also mussten sie auch mit den größten Änderungen in der Aerodynamikbalance zurecht kommen.

Schumi und Hembery werden keine Freunde mehr

Temperaturunterschiede zwischen Vorder- und Hinterreifen sind immer das größte Problem. Wenn ein Reifen überhitzt, baut er schneller ab." Wegen der Ausgeglichenheit im Feld würden die Teams aggressiver entwickeln, führt Hembery weiter aus: "Manche Änderungen funktionieren, manche nicht. Die Ergebnisse treten mehr zu Tage, wenn 14 Autos innerhalb einer Sekunde liegen."

Michael Schumacher wird nicht mehr Hemberys Freund. Der Rekordsieger hatte beim Fanforum vor zwei Tagen auf die Frage nach seinem größten Wunsch an die Regelmacher geantwortet: "Ich würde Wettbewerb auf dem Reifensektor zulassen. Dann gäbe es wieder vernünftige Reifen." Hembery lässt die spitze Bemerkung kalt: "Als Michael Schumacher würde ich das auch sagen. Er hat damals vom Wettbewerb der Reifenhersteller am meisten profitiert. Wir halten uns nur an die Regeln. Die machen weder Herr Schumacher, noch die Teams noch Pirelli."

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