Williams FW42 - Barcelona-Tests - 2019 Stefan Baldauf

Pirelli mit Testfahrten zufrieden

Abstände der Reifen-Sorten passen

Pirelli zieht eine positive Bilanz der ersten Testtage. Mit den Grip-Unterschieden der einzelnen Mischungen liege man im berechneten Fenster. Mit den Gedanken sind die Gummi-Experten aber auch schon im Jahr 2021.

Pirelli-Motorsportchef Mario Isola hatte beim Pressetermin am letzten Testtag der ersten Barcelona-Woche ein Lächeln im Gesicht. Die ersten Runden des Jahres auf dem Circuit de Catalunya-Barcelona brachten den Reifeningenieuren verwertbare Daten. Kein Vergleich zur Situation vor 12 Monaten, als Kälte und Schnee die Kilometerleistung reduzierten und die Messungen verfälschten.

Nachdem man die Zahl der Reifensorten in der Winterpause von sieben Slickmischungen auf nur noch fünf reduziert hatte, waren auch die Italiener gespannt, wie sich die Abstände entwickeln würden. Nun sind die ersten Messungen abgeschlossen. So beträgt zum Beispiel der Abstand zwischen den beiden härtesten Sorten C1 und C2 zwischen acht Zehntel und einer Sekunde.

Pirelli gut unterwegs

„Der C1 ist etwas zu hart für diese Bedingungen. Für ihn ist es einfach einen Tick zu kalt. Sein Temperaturfenster liegt etwas höher. Wenn wir hier zum Rennen wiederkommen, sollte er deutlich besser funktionieren und das Delta sollte kleiner werden“, gibt Isola zu bedenken.

Bei den weicheren Sorten seien die Zahlen etwas aussagekräftiger. Zwischen C2 und C3 liegen sieben Zehntel. Die ganz weichen Mischungen C4 und C5 liegen jeweils 0,6 Sekunden von der nächst härteren Sorte entfernt. „Der C5 ist auch nicht ideal für diese Strecke. Er ist etwas zu weich. Neben den schnellen Kurven kommt auch noch der aggressivere Asphalt hinzu, der deutlich rauer ist als noch vor einem Jahr“, so die Analyse des Ingenieurs.

Insgesamt zog Isola aber ein positives Fazit. „Wir hatten mit Abständen von 0,8 bis 0,9 Sekunden zwischen den einzelnen Mischungen geplant. Mit einem durchschnittlichen Delta von 0,7 Sekunden sind wir also gut unterwegs – vor allem, wenn man bedenkt, dass es sich um eine relativ kurze Runde handelt hier. Es scheint so als passt die Spreizung, die wir gewählt haben.“

Isola von Speed überrascht

Probleme mit Graining gab es nur am ersten Tag, als noch wenig Gummi auf der Bahn lag. Vor allem der vordere linke Reifen neigte in den kühlen Morgenstunden zum Körnen. „Das kam nicht überraschend unter diesen Bedingungen“, sagt Isola. Blasenbildung wie im Vorjahr habe man nach der Reduzierung der Lauffläche überhaupt nicht feststellen können.

Einige Fragezeichen gibt es trotzdem noch. Was den Verschleiß angeht, kann Pirelli noch keine Zahlen liefern. „Da müssen wir auf die zweite Testwoche warten, wenn die Teams mehr Longruns und Rennsimulationen mit viel Sprit abspulen. Da fehlen uns einfach noch Daten.“

Pierre Gasly - Red Bull - Barcelona - F1-Test - 21. Februar 2019
Motorsport Images
Die neuen Autos liefern bereits die Abtriebslevel ihrer Vorgänger.

Etwas überrascht zeigt sich Isola über den Speed der Autos: „Eigentlich sollten die Rundenzeiten mit den neuen Aero-Paketen und dem gesteigerten Fahrzeuggewicht um eine Sekunde bis anderthalb Sekunden nach oben gehen. Aber das war nicht der Fall. Das Feld scheint auch etwas enger zusammengerückt zu sein, wenn man sich die Rundenzeiten ansieht. Jetzt muss man aber mal abwarten, ob da nicht einige noch etwas Performance verstecken.“

Vorbereitung auf 2021

Große Probleme an der Reifenfront sieht Isola nicht. Für die ersten Überseerennen wäre es auch schon zu spät. Die Gummis sind per Seefracht schon auf dem Weg. Der erste Grand Prix, zu dem man mit den aktuellen Testergebnissen reagieren könnte, wäre der Europaauftakt in Barcelona. Neben den eigenen Daten will Isola bei der Wahl der Sorten künftig auch vermehrt auf die Wünsche der Fahrer eingehen.

„Wir werden weitere Treffen haben. Ich bin immer sehr interessiert an der Meinung der Piloten. Am besten klappt es, wenn wir direkt nach dem Fahrer-Briefing bei einem Grand Prix sprechen. Es ist nämlich sonst nicht so einfach, alle zusammen zu bekommen. Aber auch außer der Reihe lade ich alle Piloten herzlich ein, direkt zu mir zu kommen, wenn es Grund für Klagen über die Reifen gibt.“

„Wir beginnen nämlich jetzt schon mit den Planungen für die Tests mit den 2020er Reifen. Die werden wir mit verschiedenen Autos sehr intensiv bis zum September durchziehen, damit wir unseren Fokus schon in der zweiten Jahreshälfte auf die Entwicklung der 18-Zoll-Reifen verlagern können.“

Die Wandel vom 13 Zoll großen Ballon- zum 18 Zoll großen Niederquerschnittsreifen ist ein Mammut-Projekt für Pirelli. „Wir befinden uns gerade in Diskussionen mit den Teams darüber, wer uns ein angepasstes Auto zur Verfügung stellen kann. Wir brauchen auf jeden Fall ein Auto, auf das die 18-Zöller passen und das uns repräsentative Daten ermittelt. Da müssen wir aber erst einmal wissen, was für Performance-Level für 2021 erwartet werden.“

Auch die Ingenieure der Teams müssen sich an die neuen Gummi-Dimensionen anpassen: „Die Reifen werden auch im Durchmesser größer werden – momentan liegen sie bei ungefähr 67 Zentimeter, später dann ungefähr bei 72 Zentimetern. Wir dürfen die Flanken nicht zu klein machen, damit die Belastungen auf die Felgen und Aufhängungen nicht zu stark steigen, wenn ein Pilot zum Beispiel über die Randsteine fährt.“ Und dann lächelt Isola noch einmal: „Wir machen das nicht etwa, damit unsere Logos größer werden.“

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