Pirelli will in Bahrain testen

Gespräche mit Teams und FIA in Japan

Mercedes - Pirelli 2017 Reifen-Test - Paul Ricard - 2016 Foto: Mercedes 23 Bilder

Pirelli fordert weiter, die Wintertests 2017 nach Bahrain zu verlegen. Niki Lauda macht sich für die Italiener stark. Die anderen Teams sind skeptisch. Pirelli-Chefingenieur Mario Isola nennt die Gründe für Pirellis Wunsch.

Die Entscheidung fällt zwischen Barcelona und Bahrain. Noch wissen die elf Formel 1-Teams nicht, in welchem Land sie Ende Februar das erste Mal mit den 2017er Autos und den breiteren Reifen testen werden. Pirelli bevorzugt den Wüstenstaat. Weil dort zum Testzeitpunkt voraussichtlich heißere Temperaturen herrschen als in der spanischen Metropole. Auch wenn die Gefahr eines Sandsturms besteht.

Bahrain geht auf die Hinterreifen

Die Teams sind skeptisch. Niki Lauda plädiert für einen Test in Bahrain. Der Mercedes-Außenminister findet, dass es die Teams Pirelli schuldig sind, die Probefahrten dorthin zu verlegen, um die neukonstruierten Reifen und neuen Mischungen optimal testen zu können. Der dreifache Weltmeister führt die gleichen Gründe an wie der Reifenlieferant.

Red Bull ist der stärkste Vertreter der Gegenfraktion. Das Team bringt höhere Kosten und weitere Reisewege als Kontra-Argumente gegen den Bahrain-Test hervor. Die Versorgung mit Updates und Ersatzteilen sei durch die große Entfernung von den Fabriken in Europa beeinträchtigt.

In Japan soll es weitere Gespräche zwischen den Parteien geben, wie Mario Isola verriet: „Wir treffen uns mit der FIA und den Teams.“ Pirellis Chefingenieur führt die Gründe aus, warum es unbedingt Bahrain statt Barcelona sein soll. „Die Beschaffenheit des Asphalts, die Wetterbedingungen und der Faktor Traktion.“

Bahrain geht mit seinen Beschleunigungsstücken aus langsamen Kurven heraus auf die Hinterreifen. Dort will Pirelli für die kommende Saison ansetzen. Der Lieferant will Reifen bauen, die im Windschatten des Gegners nicht einbrechen und plötzlich keinen Grip mehr liefern.

„Wir wollen dafür sorgen, dass der Reifen wieder zurückkommt, wenn er mal überhitzt hat, sobald man wieder in sauberer Luft fährt“, führt Isola aus. Das dürfte Überholversuche fördern. Bislang war es so, dass sich die Fahrer meist zurückfallen ließen, wenn sie den Vordermann nicht überholen konnten. Um den Pirellis wieder Luft zum Atmen zu geben.

Pirelli mit Notfallplan

Pirelli glaubt, die Überhitzung der Gummis in Bahrain perfekt analysieren zu können. Und man will die Ergebnisse dann auf Barcelona übertragen. „Dort geht es im letzten Sektor auch um Traktion.“

Allerdings fehlen auf dem Sakhir International Circuit die schnellen Kurven von Barcelona, die die Reifen in seitliche Richtung strapazieren. Trotzdem beharrt Pirelli auf Bahrain. „Wenn es in Barcelona kalt ist, kommt es häufig zu Graining. Besonders am linken Vorderreifen. Das verfälscht die Ergebnisse.“

Der Reifenlieferant wäre aber bereit, die Tests zu splitten. „Wir könnten zunächst in Bahrain fahren und dann nach Barcelona wechseln. Logistisch wäre das möglich“, führt Isola aus. „Aber das wollen die Teams nicht.“ Auch an zwei Parallel-Tests glaubt er nicht. „Da könnte sich die eine Hälfte später beschweren.“ Die FIA würde da wohl auch einen Riegel vorschieben.

Einige werfen auch Abu Dhabi als mögliche Strecke für die Tests in den Raum. Isola winkt ab: „In Bahrain können wir vom Medium bis runter zum Ultrasoft vier Mischungen unter guten Bedingungen testen. In Abu Dhabi wäre der Medium bereits zu hart.“

Eine Entscheidung muss laut Pirelli bis spätestens Ende November gefallen sein. Pirelli hat übrigens auch einen Notfallplan ausgearbeitet für den Fall, dass die Reifentests unerwartete Ergebnisse zu Tage fördern sollten. „Wir könnten dann für Australien noch die Reifensätze kurzfristig ändern.“

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