Pirellis Taktik-Spielchen

Einstopp-Strategie möglich

Valtteri Bottas - GP Belgien 2017 Foto: Wilhelm 101 Bilder

Pirelli hat die Teams mit seiner aggressiven Reifenwahl in Spa vor eine Herausforderung gestellt. Wenn es wie geplant läuft, könnte sich im Rennen ein spannendes Strategie-Duell entwickeln.

In dieser Saison hat Pirelli regelmäßig Reifenmischungen geliefert, die zu lange hielten. Folge davon war ein Einstopp-Rennen nach dem anderen. Die einzige Herausforderung für die Strategen lag zumeist darin, das richtige Timing für den Reifenwechsel zu finden. Doch in Spa-Francorchamps sollte das etwas anders sein. Nach Supersoft im Vorjahr haben die Italiener dieses Mal sogar Ultrasoft im Angebot

Pirelli-Mut freut Teams und Fahrer

Davon machten die Teams auch fleißig Gebrauch. Williams und Red Bull griffen bei ihrer Wahl so extrem nach den weichen Mischungen, dass sie vom härtesten „Soft“-Gummi nur den einen Satz wählten, den sie nach dem Reglement nehmen müssen. „Wir waren schon überrascht über die Wahl“, gab Pirelli-Technikchef Mario Isola zu. „Aber wir wollten mit der aggressiven Strategie auch mehr Variabilität zwischen den Teams erreichen.“

Auch die Teams und Fahrer sind zufrieden. „Es ist eine große Herausforderung für uns“, verriet Force India-Technikdirektor Andy Green. „Aber genau das lieben wir auch. Deshalb begrüßen wir die Entscheidung von Pirelli.“ Zum Glück erfuhren die italienischen Reifeningenieure erst kurz vor dem Rennwochenende davon, dass der Asphalt im Vergleich zum Vorjahr deutlich rauer wurde als erwartet. „Sonst wäre die Auswahl der Reifen vielleicht anders ausgefallen“, so Isola.

Rennen mit Action-Garantie?

Die Fans können sich jetzt schon auf ein spannendes Rennen freuen. Mercedes scheint mit dem härteren Soft-Reifen besser zurechtzukommen. Ferrari hat den besseren Dauerlauf-Speed mit den Supersofts. Je nach Phase des Rennens ändert sich damit der Pace-Vorteil von einem Auto zum anderen. Das sollte in der Theorie zu direkten Duellen auf der Strecke führen.

Auch in Sachen Strategie könnte es Unterschiede geben. Laut Isola ist eine Einstopp-Taktik nicht unmöglich. „Der Verschleiß auf dem Soft-Reifen ist nicht besonders hoch. Wenn man mit Ultrasofts losfährt und dann nach zirka 10 Runden auf die Softs wechselt, kann man theoretisch durchfahren.“ Die Frage lautet, ob die Pace auf der härtesten Mischung gut genug ist, damit es sich lohnt einen Stopp zu sparen. Oder ob es nicht besser ist, einen zusätzlichen Stopp einzulegen und sich auf die weicheren Mischungen zu konzentrieren.

„Vor allem bei Mercedes kann ich mir die Einstopp-Option vorstellen“, spekuliert Isola. „Sie haben eine sehr gute Pace auf dem Soft-Reifen und haben heute viele Kilometer darauf absolviert. Der Unterschied zur Pace auf den weicheren Reifen ist bei ihnen nicht so groß wie bei den anderen.“

Sollten sich Ferrari und Mercedes für unterschiedliche Strategien entscheiden, dann können sich die Fans auch auf direkte Duelle freuen. Eine Strategie mit mehr Stopps lohnt sich nur, wenn man den Konkurrenten auf der Strecke überholen kann.

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