Charles Leclerc sutton-images.com
Charles Leclerc - Ferrari - Formel 1 - GP Bahrain - 29. März 2019
Charles Leclerc - Ferrari
Charles Leclerc - ART - GP3 2016
Charles Leclerc - ART - GP3 2016
27 Bilder

Porträt von Charles Leclerc

So tickt Saubers neue Hoffnung

Charles Leclerc gewann erst die GP3, dann dominierte er die Formel 2. 2018 will er mit Sauber die Formel 1 aufmischen. Der 20-Jährige hat einen steilen Aufstieg hinter sich, kennt aber auch die Tiefen des Lebens.

Sportlich betrachtet hätte es 2017 nicht besser laufen können für Charles Leclerc. Mit acht Pole-Positions und sechs Siegen krönte sich der gebürtige Monegasse bereits vor dem Saisonfinale in Abu Dhabi, wo er den Sonntagslauf gewann, zum neuen Champion der Formel 2. Man kann von einem glatten Durchmarsch sprechen. Die Belohnung: Ferraris-Nachwuchsmann fährt 2018 den zweiten Sauber neben Marcus Ericsson.

Leclercs schwerstes Rennwochenende

Privat hingegen musste Leclerc einen schweren Schicksalsschlag verarbeiten. Am Mittwoch vor den Läufen in Aserbaidschan war sein Vater Hervé verstorben. Trotzdem trat der Sohnemann an. Er fuhr mit einer halben Sekunde Vorsprung die schnellste Qualifikationszeit, drehte die schnellste Rennrunde und gewann. Den Sonntagssprint beendete er auf Rang 2. Auf der Frontflügel-Endplatte seines Prema- Rennwagens stand jeweils auf Französisch geschrieben: „Ich liebe Dich, Papa.“ Ein bisschen musste man an Michael Schumacher denken, der 2003 nach dem Tod seiner Mutter in Imola siegte. Für solche Heldentaten braucht man mentale Stärke. „Im Freien Training war es sehr schwer, mich zu konzentrieren“, führt Leclerc aus. „Mein Vater war das ganze Wochenende in meinem Kopf. Aber ich wollte ihn stolz machen und ehren. Genau das verdient er. Er hat so viel für mich geopfert. Die Situation hat mich stärker gemacht.“

Formel 1 - Alfa Romeo - Fantasie-Teams - Sean Bull Design
Neuigkeiten

Es war nicht das erste Unglück, das Leclerc zu verkraften hatte. Auch der Tod des Freundes und Ex-Rennfahrers Jules Bianchi quälte ihn. Jules Bianchi hatte 2010 geholfen, die Karriere des damals 13-Jährigen zu retten. Nach erfolgreichen Jahren im Kartsport fehlten plötzlich die Geldgeber: „Ich hätte aufhören müssen. Zum Glück sprach Jules mit Nicolas.“ Gemeint ist Nicolas Todt, Sohn von FIA-Präsident Jean Todt und Manager zahlreicher Fahrer. Todt nahm den Monegassen unter Vertrag. „Charles ist sehr reif für sein Alter und auf dem Boden geblieben. Er kommt aus einem guten Stall und hat mit Nicolas Todt den richtigen Manager“, sagt Guenther Steiner, Teamchef von HaasF1.

Der Südtiroler muss es wissen, zwischen ihm und Leclerc gibt es Berührungspunkte. 2016 bestritt der Mann mit dem noch heute jungenhaften Gesicht vier Freitagstrainings (England, Ungarn, Deutschland, Brasilien) für den US-Rennstall. Leclerc blieb unauffällig und war in allen Vergleichen langsamer als Romain Grosjean. „Er hat seine Arbeit gut gemacht. Aus den Trainingsleistungen kannst du nicht schließen, wie er sich im Rennen anstellen würde. Man fährt im ersten Training nicht viel, sammelt Daten für die Aerodynamik und testet Reifen“, sagt Steiner.

Großes Lob vom Sauber-Teamchef

Auch in den ersten Trainings zum GP Malaysia, USA, Mexiko und Brasilien 2017 schwamm Leclerc im Sauber im Haifischbecken mit, ohne das ganz große Highlight zu setzen. Vergleiche mit Teamkollegen sind in diesen Fällen allerdings unangebracht. Leclerc kennt im Gegensatz zu den Stammfahrern das Auto nur oberflächlich. Vor allem die Servolenkung berei-tete ihm Probleme: „Die Kräfte, die man ins Lenken investiert, sind viel geringer als in der Formel 2. Ich fahre sehr nach dem Gefühl, das mir Auto und Reifen vermitteln. Das dringt über die Lenkung nicht so durch. Deshalb fehlt noch etwas die Einschätzung, ob die Balance passt und ob ich am Limit bin.“ Sauber-Teamchef Frédéric Vasseur nennt noch einen weiteren Aspekt. „Du fährst als Ersatzpilot immer mit Reserven. Das Schlimmste, was passieren könnte, wäre das Auto wegzuwerfen.“

Vasseur kennt seinen neuen Fahrer bereits seit vier Jahren. 2016 triumphierte Leclerc für ART Grand Prix, Vasseurs Nachwuchsrennstall in der GP3. Der Franzose hält große Stücke auf seinen Schützling: „Charles ist wie ein guter Katalysator. Er vereint ein Team um sich, ohne zu weich zu sein. Er treibt die Ingenieure an und holt aus jedem das Beste heraus.“

Personen, die mit Leclerc schon zu tun hatten, beschreiben ihn als lernwillig und als Arbeiter. Er selbst sagt: „Ich arbeite so lange, bis etwas so ist, wie ich es brauche.“ Er lernte in der Ferrari Academy von Vettel und Räikkönen und gehört jetzt zur jungen Garde um Verstappen, Sainz, Vandoorne, Stroll. Und was wäre aus Leclerc geworden, wenn es als Rennfahrer nicht geklappt hätte? „Auto-Ingenieur. Oder Architekt.“

Zur Startseite
Motorsport Neuigkeiten Colin Chapman - Classic Team Lotus - Lotus Workshop - Werkstatt - Hethel - England Werkstatt mit Meisterflair Besuch bei Classic Team Lotus
Mehr zum Thema Sauber F1
Antonio Giovinazzi - GP Aserbaidschan 2019
Neuigkeiten
Antonio Giovinazzi - Alfa Romeo - GP Bahrain 2019
Neuigkeiten
George Russell - Mercedes - F1-Test Bahrain - 3. April 2019
Neuigkeiten