Portrait eines "Super-Super-Stars"

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Kompromisslos, besessen, perfektionistisch nennen ihn Teamkollegen und Konkurrenten - verlässlich, großzügig, entspannt beschreiben ihn diejenigen, die Michael Schumacher nahe stehen.

"Ich bin kein Mensch, der gerne Emotionen zeigt, außer bei denen, die mich gut kennen", sagt der Formel-1-Rekordweltmeister von sich selbst. "Ansonsten kontrolliere ich mich, so gut es geht, was den Leuten vielleicht nicht das richtige Bild davon gibt, wer ich bin."

Länger als jeder andere Fahrer vor ihm hat Schumacher die Formel 1 geprägt und bestimmt. "Ich mache das, was mir Spaß macht", hat der 37 Jahre alte Ferrari-Pilot immer betont. Nie stand ein Pilot derart im Fokus der Öffentlichkeit wie der Kerpener. Dabei ist Schumacher nie ein Weltmeister der Herzen geworden, wie der tödlich verunglückte Brasilianer Ayrton Senna.

Der Renn-Roboter - eine Reizfigur der Szene

Seine Dominanz mit sieben WM-Titeln und beinahe allen wichtigen Rekorden hat Distanz geschaffen. Das reservierte Auftreten des Multi-Millionärs in der Öffentlichkeit verstärkte den Eindruck des "Renn-Robotors". Er ist misstrauisch im Umgang mit den Journalisten, vermutet - bedingt durch zahlreiche negative Erfahrungen - hinter Fragen oft eine Falle. Manche seiner Antworten sind auch deshalb nichts sagend. Trotz des Trubels ist sein Privatleben tabu. Homestorys und Bilder mit seiner Familie gibt es nicht.

Seine Überlegenheit und seine rücksichtslose Art auf der Rennpiste, die selbst vor seinem jüngeren Bruder Ralf nicht Halt macht, haben ihn unter den Fahrer-Kollegen nicht beliebt gemacht. Er ist der "Super-Super-Star", so Formel-1-Chef Bernie Ecclestone, und die Reizfigur der Szene. An Schumacher haben sich viele gerieben, um selbst Profil zu bekommen. Nach umstrittenen Aktionen wie zuletzt der "Straßensperre" in Monaco wurde der Champion heftig angegriffen. Aber Schumacher kämpft auch für seine Kollegen. So finanziert er die Piloten-Organisation GPDA beinahe allein und hat die Sicherheit auf den Strecken vorangebracht.

Den Erfolg und den Reichtum (Jahresverdienst: geschätzte 70 Millionen Dollar) hat sich der "Jahrhundert-Fahrer", geschickt gemanagt von Willi Weber, hart erarbeitet. In Kerpen betrieben sein Vater Rolf und seine 2003 gestorbene Mutter Elisabeth eine Kartbahn, auf der er als vierjähriger Knirps den Grundstein für seine Karriere legte. Der gelernte Kfz-Mechaniker hat bei allem überragenden Talent nie aufgehört, an sich zu arbeiten. "Ich kennen keinen Fahrer, der körperlich und geistig so fit ist", sagte Ferrari-Chef Luca di Montezemolo über seinen schnellsten Angestellten.

Ein normaler Familienvater mit "Traumfrau"

Als Schumacher 1996 nach zwei WM-Titeln für Benetton zu Ferrari wechselte, lebte die Scuderia nur noch vom Glanz der Vergangenheit. Mit dem Teamchef und väterlichen Freund Jean Todt sowie dem Technischen Direktor und Strategie-Genie Ross Brawn bildete er die Troika, die die Marke mit dem Pferd auf Trab brachte. Schumacher ist wissbegierig, verlangt viel von sich und anderen. Nie vergisst er einen Geburtstag seiner Mechaniker oder Teammitglieder und betont: "Ich diktiere nichts. Wir erarbeiten uns die Lösungen im Konsens."

Er ist ein Harmoniemensch - beruflich wie privat. Familie und Freunde gehen ihm über alles. Seit 1996 wohnt er im beschaulichen Vufflens-le-Chateaux am Genfer See. Schumacher genießt dort mit seiner "Traumfrau" Corinna, mit der er seit elf Jahren glücklich verheiratet ist, sowie den Kindern Gina Maria (9) und Mick (7) die Ruhe. "Ich bin ein normaler Vater, spiele mit meinen Kindern und mache, worauf sie Lust haben."

Abseits der Piste will er kein Aufhebens machen. Seine caritativen Einsätze als UNESCO-Sonderbotschafter oder für die Stiftung für Gehirn- und Rückenmarkserkrankung verlaufen meist abseits des öffentlichen Interesses. Als er nach der Tsunami-Katastrophe 2004 zehn Millionen Dollar spendete, wollte er nicht darüber reden. Aber Bescheid wissen will er auch in diesem Fall und informiert sein, in welche Projekte die Mittel fließen.

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