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Pro & Contra Stallregie

Wer hat Recht: Ferrari oder Mercedes?

Bottas & Hamilton - GP Ungarn 2017 Foto: Wilhelm 63 Bilder

Ferrari setzt alles auf die Karte Sebastian Vettel. Mercedes fährt noch zweigleisig. Wer taktiert im WM-Duell besser? Unsere F1-Experten sind sich nicht einig: Andreas Haupt sagt Ferrari, Michael Schmidt glaubt an das Mercedes-Modell.

04.08.2017 Michael Schmidt, Andreas Haupt 7 Kommentare

Auf der Rennstrecke sind Ferrari und Mercedes gleichauf. In ihrem Erfolgskonzept total unterschiedlich. Ferrari spielt nur die Karte Sebastian Vettel und macht damit Kimi Räikkönen zur Nummer 2. Mercedes hat sich noch nicht entschieden, wer am Ende um den Titel fahren soll. Man könnte Lewis Hamilton favorisieren, aber man tut es nicht. Es ist eine Gratwanderung, die unterschiedliche Reaktionen hervorruft. Auch bei uns in der Redaktion. Andreas Haupt ist der Meinung, dass sich Ferraris Taktik auszahlen wird. Michael Schmidt glaubt, dass Mercedes gar nicht anders kann, als beiden Fahrer die gleichen Chancen zu geben, sich aber trotzdem bald festlegen muss. Lesen Sie hier unsere Standpunkte:

Andreas Haupt: Bottas hat Recht auf Platztausch abgetreten

Sowohl die Herangehensweise von Ferrari als auch die von Mercedes ist nachvollziehbar. Bei Ferrari ist Sebastian Vettel der schnellere Mann. Und der konstantere. Er hamstert fleißig dicke Zähler. Deshalb konnte er Räikkönen vor Ungarn um 79 Punkte abhängen. Jetzt sind es schon 86. Klar, dass Ferrari deshalb alle Jetons auf das Auto mit der Startnummer 5 verlagert hat. Obwohl es allen Motorsport-Fans lieber gewesen wäre, wenn der schnellere Mann am Sonntagnachmittag gewonnen hätte. Das war zweifelsfrei Räikkönen in einem intakten Auto. Ferrari hätte ihm nur eine Runde mehr auf den Supersofts schenken müssen.

Räikkönen weiß, dass er kein Rennen mehr gewinnen wird, wenn Vettel nicht ein Katastrophen-Wochenende ereilt. Oder die WM am Saisonende schon für den Heppenheimer entschieden ist, und er seinem Stallgefährten für die treuen Dienste einen Sieg schenkt. Räikkönen fährt gerne Formel 1 und bekommt seine Anstrengungen fürstlich entlohnt. Das reicht ihm. Obwohl ein Weltmeister anders denken sollte.

Bottas & Hamilton - Formel 1 - GP Kanada - Montreal - 10. Juni 2017 Foto: xpb
Bottas konnte in Budapest nicht mit Hamilton mithalten - kam aber trotzdem vor dem Teamkollegen ins Ziel.

Nun zu Mercedes. Dort ist die Lage verzwickter. Weil Bottas hungrig ist und sich selbst den Traum eines WM-Titels eines Tages erfüllen will. Besser heute als morgen. Er fährt besser, als es die meisten Experten vor der Saison erwartet hatten. Sein Teamkollege ist auf eine Runde und über die Distanz sauschnell. Trotzdem hält sich Bottas in beiden Disziplinen wacker. Deshalb will Mercedes den Teamfrieden nicht mit einer unpopulären Entscheidung beschädigen. Oder gar dafür sorgen, dass sich Bottas als Nummer zwei fühlt. Es ehrt Hamilton, dass er den dritten Platz in der letzten Runde wieder an den Teamkollegen abtrat. Er hätte allen Grund gehabt, es nicht zu tun.

Der Mercedes-Denkansatz ist richtig. Vor allem im Sinne des Sports. Wenn Hamilton nicht vorbeikommt an Ferrari, muss er Bottas zurück überholen lassen. Aber es muss bei der aufgestellten Regel auch eine Ausnahme geben. Bottas hat sein Recht, den Platz vom Teamkollegen zurück zu bekommen, in den letzten 24 Runden abgetreten. Weil er nicht mit Hamilton mithalten konnte. Der Finne schob es auf die Überrundeten. Aber an den Hinterbänklern mussten auch Vettel, Räikkönen und Hamilton vorbei.

Vettel war in einem angeschlagenen Auto in den letzten 24 Runden im Schnitt um über zweieinhalb Zehntel schneller als Bottas. Hamilton folgte den beiden Ferrari locker. Nach Ablauf der 69. Runde trennte die beiden Mercedes schon fast acht Sekunden. Da hätte jeder verstanden, dass Hamilton aufs Podest fährt. Und die Marke Mercedes würde deshalb auch keinen Schaden tragen und auch nur ein Auto weniger verkaufen. Die Teamführung und die Ingenieure hätten es Bottas nur im Debrief nach dem Rennen erklären müssen. Ich bin sicher, er hätte es verstanden, wäre aber natürlich trotzdem sauer gewesen. In so einem Fall wischt sich ein echter Champion den Mund ab und greift nach der Sommerpause erst recht an. Mercedes würde sehen, ob Bottas aus diesem Holz geschnitzt ist.

Toto Wolff sagt selbst: „Wenn wir die WM aufgrund von 3 Punkten verlieren, schieße ich mir als erster ins Knie.“ Keiner sprach vom umgekehrten Fall. Wenn Bottas die WM durch die 3 Punkte gewinnt. Weil es der unwahrscheinliche Fall ist. Obwohl – nochmal gesagt – der 27-Jährige eine beachtenswerte Saison fährt und theoretisch alle Chancen hat. Aber Mercedes muss sich für das wahrscheinliche und nicht das unwahrscheinliche Szenario absichern. Dass Hamilton und Vettel die WM auf den letzten Metern ausfechten.

Michael Schmidt: Hamilton braucht Bottas noch

Man könnte es sich einfach machen. Ferrari muss alles auf Sebastian Vettel setzen. Er hatte vor dem GP Ungarn 79 Punkte Vorsprung auf Kimi Räikkönen. Glaubte da einer ernsthaft, dass Kimi noch Weltmeister wird? Die Mercedes-Piloten trennten 22 Zähler vor dem elften WM-Lauf. Da war es doch kein Kunststück, Fairplay zu üben. Mercedes blieb ja gar nichts anderes übrig.

Schauen wir mal genauer hin. Ferrari hatte natürlich Recht, in Budapest die Karte Vettel zu spielen. Der Abstand der beiden Ferrari-Piloten ist mittlerweile tatsächlich zu groß, um da Vettel noch Punkte zu klauen, die vielleicht einmal den Titel kosten können. Und Vettel war in der Mehrzahl der Rennen der schnellere Mann. Doch das Ganze hat auch eine Vorgeschichte. Man hat Kimi Räikkönen schon viel früher in der Saison den Zahn gezogen. Hat den Finnen in Shanghai dazu benutzt, um Lewis Hamilton vor dem zweiten Boxenstopp möglichst lang auf der Strecke zu halten, in der Hoffnung Vettel könne auf frischen Reifen entscheidend Zeit gutmachen. Hat ihn in Monte Carlo ohne Not viel zu früh an die Boxen geholt, so dass er hinter die Überrundeten Jenson Button und Pascal Wehrlein fallen musste, was ihn zusätzlich Zeit kostete. Hat in Österreich den Undercut von Mercedes mit Hamilton verschlafen. Man fragt sich, was in Silverstone passiert wäre, wenn es am Ende nicht zu den Reifenschäden gekommen wäre. Oder in Montreal, als der Platztausch durch Räikkönens Bremsprobleme ohne Diskussionen vollzogen wurde. Hätte Ferrari da auch Räikkönen für Vettel geopfert?

Unter dem Strich kann man sich über Ferrari nicht beschweren. Vettel hatte schon früh in der Saison den Vorsprung, der die alte Ferrari-Taktik rechtfertigt, die Taktik auf den Fahrer maßzuschneidern, der den WM-Titel gewinnen soll. Der andere muss eben froh sein, dass er einen Ferrari fahren darf. Räikkönen weiß ganz genau, dass er sein Cockpit riskiert, wenn er jetzt den wilden Mann spielt. So sichert er sich womöglich ein weiteres Jahr seinen Arbeitsplatz für den es 15 Millionen gute Gründe gibt, und wenn nicht, dann wird 2018 Charles Leclerc in exakt seine Rolle schlüpfen müssen. Es ist halt so bei Ferrari.

Valtteri Bottas - Mercedes - GP Ungarn 2017 - Budapest - Rennen Foto: xpb
Hätte Hamilton den Platztausch nicht rückgängig gemacht, wäre der Teamfrieden in Gefahr gewesen.

Mercedes kommt historisch betrachtet aus einer anderen Ecke. Die Silberpfeile fuhren in den letzten drei Jahren nur gegen sich selbst. Da konnte nicht viel schiefgehen, wenn man Lewis Hamilton und Nico Rosberg aufeinander los ließ. Jetzt gibt es mit Ferrari wieder einen Gegner. Und mit Hamilton und Bottas zwei Fahrer, die sich in elf Rennen im Punktestand nahezu neutralisiert haben. Die Differenz liegt jetzt nur noch bei 19 Zähler und macht die Strategie für Mercedes nur noch schwieriger.

Ja, Hamilton ist der schnellere Fahrer. Und wenn es mal um den WM-Titel geht, auch der abgezocktere und rücksichtslosere. Er fährt in seiner fünften Saison für Mercedes und hat sich seine Meriten mit zwei WM-Titeln verdient. Da kann der Neuling im ersten Jahr schon einmal anstehen, müsste man meinen. Zumal Bottas zu Mercedes wie die Jungfrau zum Kind kam. Allein die Beförderung in ein Top-Team war schon ein Geschenk.

Trotzdem wäre es fatal gewesen, wenn ihm Mercedes jetzt schon die rote Karte gezeigt und das Versprechen zur Wiedergutmachung des Platztausches nicht eingelöst hätte. Bottas wäre mit dem Gefühl von Ungarn weggefahren, dass er seinem Team und seinem Teamkollegen nicht trauen kann. Mercedes braucht den Finnen auch im nächsten Jahr. Und Hamilton braucht ihn vermutlich später in der Saison, wenn sich das Team dann endlich mal festlegen muss. Dass der Engländer den dritten Platz wieder hergegeben hat, ehrt ihn. Es war aber auch Kalkül dabei. Bottas wird im umgekehrten Fall auch Platz machen. Die Versicherung kann Hamilton vielleicht irgendwann einmal helfen.

Trotzdem hat Mercedes nicht mehr viel Zeit, eine Entscheidung zu treffen. Jeder Punkt, den man auf Vettel verliert, ist im Prinzip einer zu viel. Weil sich Vettel und der Ferrari praktisch keine Blöße geben. Toto Wolff und Niki Lauda werden ihren Fahrern eine Frist setzen müssen, ab der alle Strategien nach Ferrari-Vorbild auf einen WM-Kandidaten zugeschnitten sind. Egal wie groß die Punktedifferenz dann ist. Wenn man den Piloten diese Frist rechtzeitig mitteilt, tut sie für den Benachteiligten immer noch weh, ist aber nachvollziehbar. In Ungarn hätte Mercedes Bottas ohne Ankündigung vor vollendete Tatsachen stellen müssen. Mit entsprechenden Folgen für das Betriebsklima. Deshalb hat die Teamleitung die richtige Entscheidung getroffen.

Was ist Ihre Meinung zu den Erfolgsrezepten von Ferrari und Mercedes? Schreiben Sie uns Ihre Meinung.

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Ich Stimme mit CH-Engineer,aber ich habe seit der kindheit mag Mercedes

Crintel 7. August 2017, 21:35 Uhr
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