Der Q3-Trick von Ferrari & Mercedes

Der wundersame Speedgewinn

Valtteri Bottas - Mercedes - GP Ungarn 2018 - Budapest - Rennen Foto: xpb 65 Bilder

Nach genauer Analyse der Leistungen in der dritten Quali-Runde fällt auf, dass Ferrari und Mercedes ihren Vorsprung zur Konkurrenz fast verdoppeln können. Weder die Renault- bzw. Honda-Teams noch die Kundenautos können da mithalten.

Es ist ein Standardspruch im Lager von Red Bull. „Wenn Mercedes und Ferrari im Q3 den Party-Modus andrehen, haben wir keine Chance.“ Laut Red Bull können Mercedes und Ferrari in der letzten K.O.-Runde der Qualifikation mehr als alle anderen am Power-Rad drehen. Man spricht von Deltas bis zu 60 PS.

Offenbar gelingt das aber nur den beiden Werksteams. Die Kunden von Mercedes und Ferrari beobachten ein ähnliches Phänomen. Allerdings nicht immer. Wir haben uns Training für Training vorgenommen und die Abstände im Q2 und Q3 miteinander verglichen. Da an den Autos nichts verändert werden darf, muss der Unterschied im Motor liegen.

Konzentrieren wir uns zuerst auf den Vergleich zwischen Red Bull und den beiden Werksteams. In drei Fällen ist ein Vergleich hinfällig. Zwei Mal wegen Regens. Ein Mal, weil Red Bull selbst auf der Pole Position stand. Natürlich in Monte Carlo, der Strecke auf der der Motor bei nur 58 Prozent Volllast am wenigsten zählt. Bei fünf Rennen ist der Unterschied zwischen Q2 und Q3 dagegen deutlich. Und nur in Kanada gibt es eine Erklärung, die außerhalb des Motorbereichs liegt. Red Bull fuhr im Q2 mit weicheren Reifen als Vergleichsmaßstab Ferrari.

PS-Vorteil wird immer größer

Ferrari - Formel 1 - GP Italien - 2018 Foto: Wilhelm
Mercedes und Ferrari drehen im Qualifying immer noch einmal auf.

In Melbourne, Barcelona, am Red Bull-Ring und in Monza ist das Defizit von Red Bull stark angewachsen, hat sich teilweise sogar verdoppelt. In Hockenheim kam es zu einem Erdrutsch, was aber daran lag, dass die Ferrari-Piloten im Q2 keine optimalen Runden auf die Bahn gezaubert haben.

Es fällt auf, dass die Tendenz zu einem starken Zeitgewinn im Q3 ab dem GP Kanada auffällig wird. Ab da haben Ferrari und Mercedes mit einem Rennen Verspätung die zweite Spezifikation ihrer Antriebseinheiten eingesetzt. Die Schere zwischen Mercedes und Ferrari zu Renault ging also noch einmal auf. Wenn Monza ein Maßstab war, wird sich dieser Trend bei den restlichen sieben Rennen noch vergrößern. Zumindest auf den Power-Strecken.

Der Vergleich zwischen Werk und Kunde ist nicht ganz so einfach. Wir haben Mercedes und Force India sowie Ferrari und HaasF1 ausgewählt. Für die Kunden geht es schon im Q2 um Sein oder Nichtsein. Force India und HaasF1 drehen bereits in der zweiten K.O.-Runde ihren Motor voll auf, um sicherzustellen, dass sie ins Q3 weiterkommen.

Doch reicht das aus, die teilweise eklatanten Zeitsprünge der Top-Teams in Relation zu den Kunden im Q3 zu erklären? Sicher nicht. Ganz so gleich sind die Motoren dann offenbar doch nicht. Force India verlor auf Mercedes im Q3 fünf Mal mehr als 30 Prozent Zeit. In Baku und Montreal verfälschen unterschiedliche Reifenmischungen im Q2 das Bild. HaasF1 verlor in vier Trainings massiv Boden im Q3. Hier spielte der Reifenfaktor nur in einem Fall eine Rolle.

Wie gleich sind Werks- und Kundenmotoren?

Guenther Steiner & Mattia Binotto - GP Frankreich 2018 Foto: ams
Bekommt Haas von Ferrari identisches Material wie das Werksteam?

Laut Reglement dürfte zwischen den Motoren für die Werksteams und denen der Kunden kein Unterschied bestehen. Das ist die Theorie. Die Praxis sieht anders aus. Auch die Kunden haben den scharfen Motormodus, aber keiner weiß wirklich, was dahintersteckt und ob er genauso oft wie im Werksteam abgerufen werden darf.

In Bezug auf die Hardware sind die Triebwerke mit Ausnahme von Leitungen, die zum Chassis zählen identisch. Beim Sprit gibt es schon Unterschiede. Ferrari fährt ein anderes Benzin als HaasF1 und Sauber.

Die Software muss zwar in Bezug auf die Klopf- und Lambda-Empfindlichkeit, sowie die Benzin-Durchflussmenge gleich sein, doch wer weiß schon, mit welchen Parametern das Programm gefüttert wird. Beim Energiemanagement gibt es definitiv Unterschiede. Die FIA ist nicht glücklich darüber, kann aber nicht eingreifen.

Q3-Vergleich Red Bull

Rennen Q2 Q3 Maßstab
GP Australien + 0,412 s + 0.715 s Mercedes
GP Bahrain + 0,601 s + 0.440 s Ferrari
GP China + 0.774 s + 0.701 s Ferrari
GP Aserbaidschan + 0.391 s + 0.413 s Ferrari
GP Spanien + 0.464 s + 0.643 s Mercedes
GP Monaco --- --- (Pole) ---
GP Kanada - 0.472 s + 0.173 s Ferrari
GP Frankreich + 0.173 s + 0.676 s Mercedes
GP Österreich + 0.457 + 0.710 s Mercedes
GP England + 0.757 s + 0.710 s Mercedes
GP Deutschland + 0.036 s + 0.610 s Ferrari
GP Ungarn --- --- (Regen) ---
GP Belgien --- --- (Regen) ---
GP Italien + 0.704 s + 1.537 s Ferrari
* +Rückstand / -Vorsprung

Q3-Vergleich Force India - Mercedes

Rennen Q2 Q3
GP Australien --- --- (nicht im Q3)
GP Bahrain + 1,551 s + 1.750 s
GP China + 1.017 s + 1.133 s
GP Aserbaidschan + 0.291 s + 0.846 s
GP Spanien --- --- nicht im Q3
GP Monaco + 0.604 s + 0.829 s
GP Kanada + 0.627 s + 1.227 s
GP Frankreich --- --- nicht im Q3
GP Österreich --- --- nicht im Q3
GP England + 1.587 s + 2.302 s
GP Deutschland + 0.920 s + 1.358 s
GP Ungarn --- --- (Regen)
GP Belgien --- --- (Regen)
GP Italien + 0.517 s + 0.809 s
* +Rückstand / -Vorsprung

Q3-Vergleich HaasF1 - Ferrari

Rennen Q2 Q3
GP Australien + 0.356 s + 0.349 s
GP Bahrain + 1,282 s + 1.400 s
GP China + 0.139 s + 1.760 s
GP Aserbaidschan --- --- nicht im Q3
GP Spanien + 0.816 + 1.503
GP Monaco --- --- nicht im Q3
GP Kanada --- --- nicht im Q3
GP Frankreich + 0.721 s + 1.530 s
GP Österreich + 0.515 s + 0.428 s
GP England + 1.150 s + 1.352 s
GP Deutschland + 0.187 s + 0.988 s
GP Ungarn --- --- (Regen)
GP Belgien --- --- (Regen)
GP Italien + 1.610 s + 1.817 s
* +Rückstand / -Vorsprung
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