Quali-Modus unter Beschuss

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Neuer Modus, alter Sieger und viel Leerlauf: Der große Preis von Australien riss viele Beteiligte des Formel 1-Zirkus nicht gerade vom Hocker. Besonders das Qualifying ist manchem ein Dorn im Auge.

"Das war das Ärgste, was es in der Formel 1 je gegeben hat", polterte Ex-Weltmeister und RTL-Experte Niki Lauda. "Eigentlich müsste man den Fernseher abschalten." Auch Manager Willi Weber kam trotz der 56. Pole-Position seines Schützlings Schumacher ins Gähnen: "Ich habe mich gelangweilt."

RTL-Kommentator Christian Danner fand die aus zwei Teilen bestehende Qualifikation zum ersten Saisonrennen "ganz grausam". Es sei "sehr schwer", Spannung zu vermitteln, meinte der Ex-Rennfahrer. "Steigerungsfähig und steigerungsbedürftig" sei der Modus, urteilte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. "Das erste Doppel-Qualifying der neuen Saison war abwechslungsreich", befand zwar BMW- Motorsportdirektor Mario Theissen, doch auch er hatte Mitleid mit den Zuschauern. "Man sitzt herum und wartet, aber für uns ist das nicht weiter schlimm", sagte Rekordweltmeister Schumacher. "Langweilig war mir nicht. Die Regeln sind halt so. Aber für die Zuschauer ist es komplizierter", sagte Bruder Ralf.

Fahrer: Problem erkannt

Wenigstens die Piloten haben das Problem der zunehmenden Distanz zwischen Fans und Fahrern erkannt. "Wir haben uns immer weiter von den Zuschauern weg bewegt", meint Michael Schumacher. Der sechsmalige Weltmeister ist dabei, mit der Fahrervereinigung GPDA Abhilfe zu schaffen.

In Melbourne wurden auf seine und Mark Webbers Initiativ Pins für einen guten Zweck verkauft, die gleichzeitig Lose für Eintrittskarten ins Fahrerlager waren. "Da kann man wenigstens einige Menschen glücklich machen", sagte Schumacher.

Zuschauerrekord an der Strecke

Trotz aller Kritik am neuen Modus gab es im Albert Park einen Besucherrekord. 81.500 Zuschauer kamen am Freitag und auch am Samstag waren die Tribünen mit 106.500 Besuchern voll besetzt. "Die Fans sind hungrig auf die Formel 1", freute sich Melbourne-Chef Ron Walker.

Dabei drehten einige Fahrer in den Feien Freitagstrainings nicht einmal 20 Runden. Auch andere Maßnahmen scheinen eher kontraproduktiv. So waren schon im Vorjahr durch das Tankverbot nach der Qualifikation die Zeiten der Piloten wenig aussagekräftig. In diesem Jahr ist es nicht besser geworden. "Da kennt sich doch keiner mehr aus", sagte Niki Lauda. Bernie Ecclestone machte schon nach der ersten Hälfte des Qualifyings keinen Hehl daraus, dass ihm der neue Modus nicht schmeckt. "Wenn es nach mir ginge", sagte nicht nur Schumacher-Manager Weber, "sollten sie wieder nach den alten Regeln fahren."

Zumindest am Rennsonntag schien das deutsche TV-Publikum zufrieden: Das erste Formel-1-Rennen der Saison haben am Sonntag von 4.00 Uhr an im Durchschnitt 2,76 Millionen Fernseh-Zuschauer live gesehen. Das entspricht nach Angaben von RTL einem Marktanteil von 60,9 Prozent und einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 400 000 Zuschauer. Die anschließende Wiederholung des Rennens am Vormittag verfolgten 5,25 Millionen Fans.

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