Valtteri Bottas - Mercedes - GP Abu Dhabi 2020 - Qualifikation xpb
Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Abu Dhabi - Samstag - 12.12.2020
Fernando Alonso - Renault R25 - Formel 1 - GP Abu Dhabi - Samstag - 12.12.2020
Fernando Alonso - Renault R25 - Formel 1 - GP Abu Dhabi - Samstag - 12.12.2020
Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Abu Dhabi - Samstag - 12.12.2020 38 Bilder

Quali-Niederlage für Mercedes in Abu Dhabi 2020

Quali-Niederlage für Mercedes „Zeit verloren auf uns selbst“

Mercedes kassiert im letzten Rennen des Jahres eine zweite Quali-Niederlage. Und das auch noch auf der Paradestrecke der Silberpfeile. Die Niederlage gegen Max Verstappen erklärt sich aus den Abständen zum Rest des Feldes. Die Gegner waren nicht besser. Mercedes war schlechter als üblich.

Das Undenkbare ist passiert. Mercedes verliert den Kampf um die Pole Position auf einer trockenen Fahrbahn. Zum zweiten Mal überhaupt erst in diesem Jahr nach der verregneten Qualifikation in der Türkei. Und das in Abu Dhabi, wo man seit 2014 keine Qualifikationsbestzeit mehr abgegeben hat. Am Freitag eilten Lewis Hamilton und Valtteri Bottas der Konkurrenz noch um sieben Zehntel davon. Doch schon im dritten Training kündigte sich die Wende an. Red Bull markierte die Bestzeit, auch wenn sie wegen der höheren Temperaturen nur für die Galerie war. Aussagekräftiger waren das Q1 und Q2. Der Vorsprung der Mercedes-Fahrer schrumpfte von Mal zu Mal.

Das Q3 wurde zum Herzschlagfinale. Innerhalb von 36 Sekunden wechselte drei Mal die Führung. Die Messlatte war der erste Versuch von Bottas mit 1.35,415 Minuten. Hamilton legte mit 1.35,332 Minuten vor. Bottas zog mit 1.35,271 Minuten vorbei. Und als man den Finnen schon für seine gelungene Revanche für die Bahrain-Pleite feiern wollte, stieß Max Verstappen die beiden Silberpfeile mit einer Runde von 1.35,246 Minuten vom Thron. Nur 86 Tausendstel oder fünf Meter trennten die drei schnellsten Fahrer des Tages.

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Abu Dhabi 2020 - Qualifikation
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Lewis Hamilton ist nach überstandener Corona-Erkrankung noch nicht vollständig fit.

Soft-Reifen nicht optimal genutzt

Eine Niederlage der Mercedes auf ihrer Paradestrecke verlangt nach Erklärungen. Valtteri Bottas gab den Reifen die Schuld. "Wir haben aus den Soft-Reifen nicht das herausgeholt wie die anderen. Nach unserem Gefühl war der Medium-Reifen im Vergleich zum Soft fast zu gut. Das heißt, dass wir Zeit liegengelassen haben."

Aus Sicht des Fahrers drückte sich das in einer nicht perfekten Balance aus. Beide Fahrer waren nicht hundertprozentig mit ihrem Auto zufrieden. "Je länger es dauerte, umso mehr Untersteuern bekam ich. Vielleicht lag es daran, dass die Streckentemperatur sank", berichtete Bottas. Das kann zwei Ursachen haben. Entweder die Vorderreifen haben gekörnt, weil man die Hinterreifen zu viel schützen wollte. Oder sie blieben zu kalt.

Lewis Hamilton steuerte nicht viel zur Aufklärung bei. "Max hat einfach einen besseren Job gemacht als wir. Wir müssen uns jetzt auf das Rennen konzentrieren." Seinem Ritt über den Randstein in Kurve 20, der ihn im Q1 wegen Überschreitens der Streckenlimits die Rundenzeit gekostet hat, maß Hamilton keine große Bedeutung bei. "Der Unterboden war wohl etwas angekratzt, aber er hat nicht den Unterschied zur Pole Position ausgemacht."

Dafür ließ der gerade von Corona genesene Weltmeister alle spüren, dass er noch nicht wieder in gewohnter Form fährt. Die Stimme ganz leise, ein paar Huster zwischendrin, die Körperhaltung wie der sterbende Schwan, inszenierte Hamilton seine Rückkehr aus dem Würgegriff des Virus mit Leidensmiene. "Ich habe lange gebraucht, bis ich meinen Rhythmus gefunden habe. Mir fehlt noch etwas zu 100 Prozent. Ich brauche mehr Schlaf, um meine Batterien wieder aufzuladen und spüre meine Lungen, wenn ich aus dem Auto steige." Mit anderen Worten: Das ist noch nicht der Hamilton, den wir kennen. Teamchef Toto Wolff lobte trotzdem: "Es war eine beeindruckende Leistung, die Lewis gezeigt hat, nachdem er zehn Tage außer Gefecht war."

Max Verstappen - Red Bull - GP Abu Dhabi 2020 - Qualifikation
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Hamilton gratulierte Verstappen fair zur ersten Pole der Saison.

Mercedes langsamer als 2019

Dass die Mercedes unter Wert geschlagen wurden, zeigen schon die Zahlen. Der Titelverteidiger verfehlte seine Trainingsbestzeit aus dem Vorjahr um 0,467 Sekunden. Verstappen blieb nur ein Zehntel unter seiner 2019er Zeit. Auch der Abstand zum Rest des Feldes zeigte, dass die Mercedes nicht auf Ballhöhe waren. McLaren verlor nur 0,226 Sekunden, Alpha Tauri 0,692 Sekunden und Ferrari 0,794 Sekunden auf die Silberpfeile. Ein klares Indiz dafür, dass beim Favoriten etwas aus dem Ruder gelaufen sein musste. Chefingenieur Andrew Shovlin fasste es in einen Satz: "Wir haben Zeit auf uns selbst verloren, speziell im dritten Sektor." Und das war am Tag davor noch der Abschnitt, in dem die Mercedes allen um die Ohren fuhren.

Die Niederlage vom Samstag wird auch im Rennen nur noch schwer geradezubiegen sein. Verstappen startet wie Bottas und Hamilton auf Medium-Reifen. Wenn er den Start gewinnt, wäre das schon die halbe Miete. Bottas war auf der langen Gerade nur 2,5 km/h schneller. "Und überholen ist generell schwierig auf dieser Strecke", weiß Hamilton aus der Vergangenheit. Dazu kommt, dass der Mercedes beim Hinterherfahren schlagartig seine guten Gene verliert. Die beste Aerodynamik schenkt auch am meisten her, wenn sie nicht optimal angeströmt wird. Wolff setzt seine Hoffnungen auf die Strategie: "Wir fahren mit zwei gegen einen. Das gibt uns Optionen, Max unter Druck zu setzen."

Valtteri Bottas durfte einen kleinen persönlichen Sieg feiern. Er hat letzte Woche gegen George Russell verloren, dafür diesmal Lewis Hamilton geschlagen. Toto Wolff hatte den Finnen vorher in einem langen Gespräch moralisch aufgerüstet und ihm am Funk vor dem letzten Schuss im Q3 zugerufen: "Gib alles, Valtteri." Auch Hamilton gab Rückendeckung: "Weder Valtteri, noch ich müssen uns rechtfertigen. Ich weiß gar nicht, wie ich Valtteri noch loben soll. Zwischen uns lagen meist nur Hundertstelsekunden. Das sagt alles." Man konnte spüren, dass auch dem Weltmeister der Hype um Ersatzmann Russell und die daraus entstehenden Fragen etwas zu viel wurde.

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