Start - GP Italien 2020 xpb
Carlos Sainz - McLaren - GP Russland - Sotschi - Formel 1 - 2020
Carlos Sainz - McLaren - GP Russland - Sotschi - Formel 1 - 2020
Lando Norris - McLaren - GP Russland - Sotschi - Formel 1 - 2020
Max Verstappen - GP Russland 2020 43 Bilder

Fahrer lehnen Quali-Rennen ab

Front gegen Show-Pläne wächst

Die Front gegen die Pläne von Liberty, die F1-Show mit einem Quali-Rennen mit umgekehrter Startreihenfolge zu würzen, wird immer größer. Praktisch alle Fahrer lehnen dieses Format ab. Mit McLaren stellt sich auch ein zweites Team gegen den Vorschlag.

Rennen und Ergebnisse wie in Monza kann man nicht erzwingen. Sonst sind sie nichts mehr wert. Eine Überraschung ist keine Überraschung mehr, wenn sie zur Normalität wird. Das sollte eigentlich jeder verstehen. Liberty wirft trotzdem Pläne in den Raum, der Spannung auf die Sprünge zu helfen.

Ein Mini-Rennen am Samstag soll auf bestimmten Rennstrecken das klassische Qualifikationsformat ersetzen. Der 30-minütige Sprint würde in umgekehrter Reihenfolge zum WM-Stand gestartet. Nach der aktuellen Gesamtwertung stünde Romain Grosjean ganz vorne und Lewis Hamilton ganz hinten.

Das Ergebnis des Samstagsrennens wäre dann die Startaufstellung für den Sonntag. In der Hoffnung, dass es die Top-Fahrer bei dem Qualifikationsrennen höchstens bis ins Mittelfeld schaffen, um dann auch am Sonntag gezwungen zu sein, sich an die Spitze vorzukämpfen. Wenn sie es überhaupt schaffen.

Formel 1-Sportdirektor Ross Brawn verspricht sich dadurch mehr Rennverläufe wie in Monza und kündigte an, man wolle über dieses Konzept noch einmal abstimmen lassen. Im ersten Versuch vor der aktuellen Saison fiel das Quali-Rennen durch. Mercedes legte ein Veto ein.

Carlos Sainz - GP Belgien 2020
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Carlos Sainz meint, dass man das Experiment mit Quali-Rennen mal wagen kann.

Nur ein Fahrer kann sich Test vorstellen

Mercedes-Teamchef Toto Wolff wäre auch heute noch dagegen: "Wir sollten mit den Qualifikationsformaten nicht herumspielen. Das aktuelle wird von allen verstanden. Und die meisten finden es gut. Die Nascar-Serie hat viel mit künstlichen Spannungsmachern experimentiert und ist dabei auf die Nase gefallen."

Auch FIA-Präsident Jean Todt hält nichts von dem Vorstoß seines ehemaligen Technikdirektors bei Ferrari. "Ich bin gegen Rennen mit umgekehrter Startaufstellung. Es gefällt mir schon in der Formel 2 und Formel 3 nicht. Das ist für mich kein Rennsport. Künstliche Spannung funktioniert nicht."

Wenn diese Warnung nicht ausgereicht hat, dann sollte spätestens das Votum der Fahrer den Liberty-Managern zu denken geben. Mit einer Ausnahme lehnen alle das Format ab, selbst die Piloten, die davon profitieren würden. Nur Carlos Sainz könnte sich vorstellen, es wenigstens einmal zu testen, um sich dann ein besseres Urteil erlauben zu können.

Max Verstappen dagegen erteilt dem Plan eine klare Absage: "Das ist eine künstlich erzeugte Show. Dafür steht die Formel 1 nicht. Das schnellste Auto sollte vorne stehen. Dafür arbeiten alle im Team. Warum sollte man sie dafür bestrafen? Die Qualifikation ist gut wie sie ist. Am Samstag ist die pure Performance von Mensch und Maschine gefragt."

Romain Grosjean wäre im Augenblick einer der Profiteure der Gedankenspiele von Liberty. Nicht einmal er kann sich dafür begeistern. "Wenn wir die beiden Mercedes und Verstappen mal abziehen, dann ist die Show dahinter mega. Wir brauchen kein künstliches Element um die Spannung noch zu erhöhen. Viel gescheiter wäre es, das Feld enger zusammenzuführen. Dann kommt die Spannung ganz von allein." Teamkollege Kevin Magnussen pflichtet bei: "Der schnellste Fahrer und das beste Team sollten gewinnen. Das ist die DNA der Formel 1.

Start - GP Italien 2020
Mercedes
Wenn sich Mercedes durch Feld pflügen muss, würden die Fahrer der kleinen Teams schlecht aussehen, befürchtet George Russell.

Was kommt nach dem Quali-Rennen noch?

George Russell fürchtet, dass er aussieht wie ein Idiot, wenn ihn die Fahrer in den schnellen Autos im Qualifikationsrennen aufschnupfen, als würde er parken. "Die sind so viel schneller, die bremsen so viel später, dass sie Leute wie mich mit Leichtigkeit überholen. Sie sehen dann wie die Superhelden aus und wir wie die Anfänger."

Pierre Gasly ist froh, dass er den GP Italien aus eigenen Stücken gewonnen hat und nicht durch einen Eingriff von außen. Okay, das Schicksal spielte ein bisschen mit, aber genau das machte den Reiz dieses Rennens aus. Der Monza-Sieger gibt zu: "Ich bin gegen diese umgekehrte Startaufstellung. Es wäre viel wichtiger, wenn wir alle Autos in das gleiche Leistungsfenster bekommen könnten. Das zeigt das Mittelfeld. Der Kampf dort ist aufregend genug. Du weißt vorher nie, wer vorne liegt. Das einzige Problem sind Mercedes und Verstappen."

Daniil Kvyat warnt davor sich allzu große Hoffnungen zu machen. Ein Alpha Tauri wird auch dann nicht um den WM-Titel fahren. "Wenn die Mercedes am Sonntag von Platz zehn oder zwölf starten sind sie nach zehn Runden Erster und Zweiter. Das neue Format würde nur mehr Konfusion bringen."

Ross Brawn kann mit seinem Vorstoß nicht einmal die Digitalgeneration unter den Fahrern erreichen. Lando Norris erteilt ihm eine Absage: "Eine umgekehrte Startaufstellung ist nicht der Schlüssel für bessere Rennen. Ich setze mehr auf die Regeländerung, die 2022 kommt. Das ist ein großer Schritt, der etwas ändern und für mehr Gleichheit sorgen könnte. Es ist falsch, den Besten zu bestrafen. Wer den besten Job macht, hat es auch verdient."

Daniel Ricciardo fürchtet, dass dem Schritt zu einem Quali-Rennen ein zweiter und dritter folgen könnte, wenn die US-Manager einmal Gefallen daran finden. "Du gibst ihnen den kleinen Finger, und sie nehmen die ganze Hand. Was ist ein Grand Prix-Sieg noch wert, wenn jeder gewinnen kann? Das Chaos in Monza ist natürlich entstanden. Es wurde aus der Situation heraus geboren, und nicht künstlich erzeugt."

McLaren-Teamchef Andreas Seidl - GP Ungarn 2020
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Andreas Seidl hält nichts von künstlichen Spannungsmachern.

McLaren stimmt gegen Quali-Rennen

Neben Mercedes hat nun auch ein zweites Team ganz offen seine Ablehnung der Pläne von Liberty signalisiert. McLaren-Teamchef Andreas Seidl kündigte an, dass man bei einer erneuten Abstimmung dagegen votieren würde. "Bei McLaren sind wir schon immer der Meinung gewesen, dass es ein einheitliches Reglement geben muss und am Ende des Qualifyings die besten Fahrer und die besten Autos vorne stehen sollen. Mercedes verdient die Erfolge, weil sie einen besseren Job erledigt haben. Es liegt an uns, für mehr Spannung zu sorgen."

Bei der ersten Abstimmung über Quali-Rennen befand sich McLaren noch auf Seiten der Befürworter: "Da ging es aber darum, ob man das Experiment bei einem der Doppel-Grand-Prix in Spielberg oder Silverstone durchführt. Es sollte beim zweiten Rennen etwas mehr Abwechslung erreicht werden. Zwei Läufe auf der gleichen Strecke gibt es jetzt aber nicht mehr", so Seidl.

Wenn der Vorschlag für das kommende Jahr noch durchgewinkt werden soll, bräuchte es zu diesem späten Zeitpunkt der Saison eine sogenannte "Super-Mehrheit". Das heißt, dass 28 der 30 stimmberechtigten Parteien – darunter auch die zehn Teams – dafür sein müssten. Durch die Ablehnung von Mercedes und McLaren fehlt somit nur noch eine Gegen-Stimme, um den Plan zu kippen.

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