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Stefano Domenicali: Zweite Chance für Sprint-Rennen

Mehr Action in der Formel 1 Neuer Anlauf für Sprint-Rennen

Stefano Domenicali hat erstmals konkret über seine Pläne als Formel-1-Chef geredet. In den Überlegungen spielen auch alte Ideen, wie das Sprintrennen am Samstag eine Rolle. Den ursprünglichen Vorschlag zum Start in umgekehrter Reihenfolge erteilte der Italiener aber eine Absage.

Ein altes Sprichwort besagt, dass man lieber nichts reparieren sollte, das eigentlich gut funktioniert. Doch genau das ist beim Thema Qualifikation schon seit Jahren der Fall. Obwohl das aktuelle Format mit dem Einzelzeitfahren über drei K.O.-Runden bei den Fans gut ankommt, werden immer wieder Vorschläge für neue Arten der Ermittlung der Startaufstellung vorgebracht.

Vor dem Start der letzten Saison stritten sich die Teamchefs wochenlang über die Idee eines Sprintrennens am Samstag. In einer Art Mini-Grand-Prix sollten die Piloten die Reihenfolge für das Hauptrennen am Sonntag herausfahren. Der Clou dabei: Für den Samstagslauf war angedacht, dass die Piloten umgekehrt zum WM-Stand antreten, was eine Portion Extra-Action verspricht.

Die Pläne scheiterten am Ende am Veto einiger Teams. Vor allem bei Marktführer Mercedes wollte man sich nicht mit der Idee anfreunden, dass sich die Silberpfeile plötzlich durchs ganze Feld pflügen müssen. Und auch bei den Fans und den Fahrern traf der Vorschlag auf Ablehnung. Die Abkehr vom Einzelzeitfahren würde mit einer alten Tradition brechen. Zudem wolle man keine künstliche Spannungsmacher, so die Hauptkritik.

Eigentlich war das Thema schon für beerdigt erklärt worden, doch nun zaubert der frischgebackene Formel-1-Chef Stefano Domenicali die Sprint-Rennen wieder aus dem Hut. Allerdings stellte der Italiener in der ersten virtuellen Presserunde seit Amtsbeginn klar: "Eine umgekehrte Startreihenfolge wird es nicht geben."

Stefano Domenicali - GP Portugal 2020
Motorsport Images
Stefano Domenicali steht neuen Ideen für die Formel 1 aufgeschlossen gegenüber - will aber auch die Tradition nicht vernachlässigen.

Erste Testläufe schon 2021?

Wie genau der Vorschlag zu einem Sprintrennen ohne "Reverse Grid" aussieht, ist noch nicht bekannt. Domenicali signalisierte aber, dass er offen für Experimente sei: "Es ist wichtig, dass wir weiter über neue Ideen nachdenken, die den Sport attraktiver oder interessanter machen können. Dafür müssen wir auch nicht unbedingt den traditionellen Ansatz vernachlässigen."

Möglich ist, dass die Sprintrennen gar nicht als Ersatz für das Qualifying dienen soll oder dass Rookies eine zusätzliche Chance bekommen könnten. Laut Domenicali will bei möglichen Änderungen auf jeden Fall behutsam vorgehen: "Wir haben aus der Zeit gelernt, in der das Qualifying-Format alle zwei Tage geändert wurde. Da haben wir uns die Finger verbrannt. Das müssen wir unbedingt vermeiden."

Die ersten Praxistests für die Sprintrennen-Idee könnten schon 2021 starten. "Wir schauen gerade, wie der Ansatz für ein sogenanntes Sprintrennen am Samstag aussehen könnte. Wir denken darüber nach, ob sich das vielleicht schon diese Saison ausprobiert lässt. Die Diskussionen mit den Teams laufen bereits. Ich denke, das ist eine Sache, die wirklich interessant sein könnte."