Racing Point dämpft Erwartungen

Aufschwung kommt nicht vor 2020

Lance Stroll - Racing Point - Barcelona - F1-Test - 27. Februar 2019 Foto: Stefan Baldauf

Nach dem Besitzerwechsel soll bei Racing Point alles besser werden. Der Aufschwung kommt aber nicht über Nacht, warnt die Teamleitung. Erst in der Saison 2020 sei man in der Lage richtig anzugreifen.

Die Zeiten der Dauer-Finanzkrise beim neuformierten Racing-Point-Team sind vorbei. Das Budget wurde im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent auf 140 Millionen US-Dollar erhöht. Personell hat sich allerdings noch nicht viel getan. Die Teamführung besteht aus denselben Personen, die das klamme Team jahrelang erfolgreich über Wasser gehalten haben.

Auch auf die Größe des Teams hatte das frische Geld noch keinen Einfluss: „Wir haben jetzt 425 Angestellte. Vorher lagen wir bei 400“, erklärt Teamchef Otmar Szafnauer. „Wir wollen langsam wachsen. Es kommt ein neuer Mitarbeiter nach dem anderen. Unser Plan sieht ungefähr 50 Neuzugänge für 2019 vor. Am Ende der Saison sollten wir also bei 475 liegen. Aber wir müssen erst einmal die richtigen Leute finden.“

Am meisten soll die Entwicklungsabteilung aufgestockt werden. Gerne würde man auch in der Produktion mehr Leute einstellen, doch da ist man räumlich limitiert: „Wir müssen erst neue Gebäude bauen und in Maschinen investieren“, bedauert Szafnauer. Die Pläne für den Ausbau der Fabrik sind schon längst fertig. Aktuell läuft gerade der Genehmigungsprozess. Es dauert also noch ein bisschen, bis die Bagger in Silverstone anrollen.

Neue Boxen, neues Motorhome

Bis dahin muss die Mannschaft mit dem aktuellen Equipment auskommen. Die ersten Investitionen in die Ausrüstung betrafen laut Szafnauer nur Dinge, die nicht direkt mit der Performance der Autos in Zusammenhang stehen. So wurde zum Beispiel eine neue Einrichtung für die Boxengarage angeschafft. Beim Europa-Auftakt in Barcelona zieht das Team zudem in ein neues Motorhome. Technikchef Andy Green jubelt spöttisch: „Wir haben jetzt endlich Laptops, die nicht acht Jahre alt sind sondern moderne Geräte mit der aktuellen Windows-Version.“

Lance Stroll - Racing Point - Barcelona - F1-Test - 26. Februar 2019 Foto: Stefan Baldauf
Racing Point kommt mit einer B-Version des RP19 nach Melbourne.

Was das Auto angeht, warnt die Teamspitz zu hohen Erwartungen. Ingenieur Green erklärt, warum: „Das grundlegenden Entscheidungen für das aktuelle Auto wurden schon vor dem Besitzerwechsel getroffen. Im Rückblick hätten wir bei der Konstruktion wohl ein paar Dinge anders gemacht. Aber wir konnten nicht ahnen, dass so viel frisches Geld reinkommt. Es wird etwas Zeit brauchen, bis sich das Geld in ein schnelleres Autos umwandelt.“

Einen grundlegenden Unterschied gibt es allerdings für die Techniker: „Wir haben nun das Geld, um jeden kleinen Entwicklungsschritt auch ans Auto zu bringen. Früher mussten wir mit der Produktion immer ewig warten, bis sich ein neues Aero-Paket auch richtig gelohnt hat. Wenn wir jetzt ein paar Zehntel im Windkanal finden, werden die Änderungen direkt implementiert.“

RP19 kommt als B-Version nach Melbourne

Die beschleunigte Umsetzung der Technik-Ideen hatte auch Auswirkungen auf die Testfahrten in Barcelona. Weil die Entwicklungskurve in den letzten Wochen so steil verlief, entschieden sich die Ingenieure dafür, zum Wintertest nur ein Interimsauto zu bringen. Damit wurden in Katalonien Daten zur Korrelation mit dem Windkanal gesammelt. Und natürlich wurden die Bauteile auf ihre Haltbarkeit überprüft.

Zum Saisonstart wird Racing Point dann mit einem komplett veränderten Auto antreten, das vor allem auf der aerodynamischen Seite deutlich stärker sein soll. „Wir wissen, dass wir mit dem bestmöglichen Auto nach Melbourne kommen werden, das dem aktuellen Stand unserer Entwicklung entspricht. Das war in den vergangenen Jahren leider nicht der Fall“, freut sich Green.

Lance Stroll - Racing Point - F1-Test - Barcelona - 2019 Foto: Racing Point
Mit Lance Stroll ist in der Winterpause auch ein neuer Fahrer zum Team gestoßen.

Laut Green ist die Stimmung und die Motivation bei seinen Ingenieuren so gut wie lange nicht. Endlich kann man zeigen, was man draufhat und wird nicht durch finanzielle Fesseln zurückgehalten. „Früher gab es viele Dinge, die uns von der eigentlichen Arbeit abgelenkt haben. Wir mussten das Team am Leben erhalten und Entscheidungen treffen, die nichts mit der Entwicklung des Autos zu tun hatten. Und jetzt können wir uns endlich auf die Performance konzentrieren.“

Racing Point bekommt Teile pünktlich

Green beschreibt, wie dramatisch die Lage in den letzten Jahren war: „Früher hat sich das Budget am Ende auch gerne Mal in Luft aufgelöst. Es ist das schlimmste Szenario, wenn man denkt, dass Geld vorhanden ist, wenn gar keins da ist. Und man schon alles ausgegeben hat, bevor eine Rennrunde absolviert wurde. Jetzt wissen wir, dass wir unser zugesichertes Budget auch wirklich kommt. Wir können uns damit mehr auf unsere eigentliche Arbeit konzentrieren.“

Mit der Übernahme wurden in kurzer Zeit alle alten Schulden getilgt. Das hat die Zusammenarbeit mit den Lieferanten komplett verändert: „Wir bekommen nun plötzlich alle Teile zum bestellten Termin. Das ist für uns eine ganz neue Art zu arbeiten. Das ist fast ein kleiner Schock. Man könnte es aber auch als normal bezeichnen. Wir entwickeln uns nun also zu einem normalen Team“, scherzt Green.

Als Ziel für 2019 wurde Platz 4 ausgegeben. Ausreden gibt es keine mehr. Neuzugang Lance Stroll und Sergio Perez müssen sich im engen Mittelfeld gegen starke Konkurrenz behaupten. Und die Ingenieure müssen beweisen, dass sie das Geld sinnvoll einsetzen können. Green ist mit seinem Gedanken aber schon einen Schritt weiter: „2020 wollen wir auf jeden Fall einen großen Sprung nach vorne machen. Deshalb haben wir mit der Arbeit mit dem übernächsten Auto jetzt schon begonnen.“

Racing Point RP19: Der neue rosarote Panther

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