Lance Stroll - GP Aserbaidschan 2019 xpb

Racing Point zeigt alte Baku-Form

Wenn Stroll nur Quali könnte

Auch unter dem neuen Namen Racing Point hat Force India die alten Qualitäten behalten. Die Truppe aus Silverstone holt zumeist das Maximum aus seinem Paket. So liegt die Truppe aus Silverstone in der Punktetabelle vor Teams mit besseren Autos.

Racing Point wusste es schon bei den Wintertestfahrten. Der Start in die neue Saison würde schwierig werden. Der neue RP19 war zu langsam. Ein Upgrade, wahrscheinlich aber zwei, würden nötig sein, wieder in die Position zu kommen, die das Team in den letzten Jahren ausfüllte. Das war der Kampf um Platz 4.

Davon schien Racing Point beim Saisonstart in Melbourne noch weit davon entfernt. Das erste Aero-Paket brachte zu wenig Fortschritt, und es funktionierte auch nicht alles wie geplant. Technikchef Andy Green verordnete seiner Truppe erst einmal eine Verschnaufpause. Um gut von schlecht zu trennen und Auto und Reifen besser zu verstehen.

Als größtes Problem erwiesen sich die langsamen Kurven. Die bei Einschlagen der Räder erzeugten Turbulenzen störten die Strömung zum Heck zu stark. Und dort fehlte dann der Abtrieb.

Außerdem erwiesen sich die neuen Pirelli-Reifen als Buch mit sieben Siegeln. „Das Arbeitsfenster ist noch kleiner geworden. Es ist von Strecke zu Strecke, von Asphalt zu Asphalt anders. Du beginnst beim Studium der Reifen jedes Mal bei Null“, stöhnt Green.

Spitzenplatz im Mittelfeld

Obwohl der Racing Point RP19 vom Speed her am unteren Ende des Mittelfeldes rangierte, sammelten Sergio Perez und Lance Stroll bei jedem Rennen Punkte. Und in Baku zum ersten Mal im Doppelpack, und das gleich zweistellig. Auf seiner Spezialstrecke schwang sich Racing Point zum Star des Mittelfeldes auf. Der 5. Startplatz von Perez zählte wie die Pole Position, der 6. Rang im Rennen wie ein Sieg.

Die Ingenieure hatten den richtigen Kompromiss zwischen Top-Speed und Abtrieb gefunden und sie verstanden die Reifen besser als ihre Kollegen von Renault, Haas und Toro Rosso. Nur McLaren konnte mithalten. Die beiden Teams haben sich dank des Punktesegens leicht von den anderen Mittelfeld-Teams abgesetzt.

Sergio Perez lobte: „Wir sind voll im Plan. Solange wir das Auto noch nicht dort haben, wo es hingehört, wollten wir nicht zu viel auf unsere direkte Konkurrenz verlieren. Die zehn Punkte von Baku waren extrem wichtig für uns. Außer McLaren sind alle unseren direkten Gegner abgeschmiert. Jetzt müssen wir hoffen, dass die Upgrades in Barcelona funktionieren. Das wird sicher eine schwierigere Strecke für uns. Baku kommt unserem Auto schon sehr entgegen.“

Sergio Perez - Lance Stroll - Racin Point - GP Aserbaidschan 2019
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Sergio Perez begann das Rennen auf Startplatz 5, Lance Stroll fuhr von Rang 13 los.

Der Mexikaner hatte zwar gleich beim Start Max Verstappen überholt, aber als der Holländer und Charles Leclerc dann von hinten angeflogen kamen, ließ er sie anstandslos vorbei. „Die sind in einem anderen Rennen gefahren als ich. Meine Gegner waren die McLaren. Die hatten das ganze Rennen lang einen guten Speed. Ich war das ganze Rennen am Limit und konnte nur in den letzten zwei Runden verschnaufen.“

Der Schlüssel waren eine fehlerlose Fahrt von Perez und der Umstand, dass der Racing Point seine Reifen nach der VSC-Phase schneller anzündete als seine Verfolger. „Ich habe mir nicht einen Verbremser geleistet.“

Stroll kritisiert seinen Trainingsunfall

Diesmal durfte auch Lance Stroll jubeln. Der Kanadier schied zwar erneut im Q1 aus, doch er boxte sich von Startplatz 13 in die Punkteränge zurück. „Es war ein gutes Rennen für das Team und auch für mich. Ich habe beim Start wieder gut Plätze gut gemacht, einige Autos überholt wie die Toro Rosso und Ricciardo. Mein langsamer Boxenstopp hat Ricciardo wieder vorbeigebracht. Im zweiten Stint war das Auto sehr gut ausbalanciert. Ich konnte erneut ein paar Autos überholen und hatte dann Glück, dass noch drei Autos ausgefallen sind.“ Das Rundenprotokoll zählte insgesamt fünf Überholmanöver auf der Strecke.

Stroll erkennt einen klaren Aufwärtstrend und nimmt sich selbst in die Pflicht. „Sergio hat gezeigt, dass es mit dem Auto aufwärts geht. Ich habe mir mit meinem Unfall am Freitag selbst ins Knie geschossen. Es hat danach zu lange gedauert, bis ich ein Gefühl für mein Auto bekam. Erst während des Rennens habe ich mich richtig wohl gefühlt. So stark war das Auto noch nie. Aber diese Strecke war immer gut für dieses Team.“

Teamchef Otmar Szafnauer fasste zusammen: „Es war wichtig, dass wir unsere traditionell gute Form in Baku in so viele Punkte umgemünzt haben. Das Auto beginnt jetzt langsam sein Potenzial zu zeigen. Es gibt aber noch Luft nach oben. Wir dürfen auch nicht zu viel in das Ergebnis interpretieren. Ein Teil der guten Form liegt sicher an der ungewöhnlichen Strecke. Ich sehe uns im engen Mittelfeld als fünft- oder sechstschnellstes Team. Das kann aber von Rennen zu Rennen schwanken.“

Lance Stroll - Racing Point - Formel 1 - GP Aserbaidschan - Baku - 26. April 2019
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Der Crash im Freien Training kostete Lance Stroll wertvolle Testkilometer.

Wann zündet Stroll den Quali-Modus?

Ein Härtestest wird der anstehende Grand Prix in Spanien sein. Es handelt sich um Rennstrecke, die ein gutes Allround-Rennauto belohnt und die alle Teams gut kennen. Bei den Proberunden vor der Saison war Racing Point noch mit einem ganz anderen Auto auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya unterwegs. Szafnauer glaubt nicht, dass die Konkurrenz einen Vorteil daraus zieht. „Die anderen haben ihre Autos seit den Wintertests ja auch verändert.“

Der Teamchef hofft auch, dass Lance Stroll endlich seine echte Pace zeigen kann. Bisher liegt der Sohn von Teambesitzer Lawrence Stroll mit 4 zu 13 Punkten deutlich hinter Teamkollege Perez zurück. „In Sachen Rennspeed sind sie sehr dicht beisammen. Es liegt nur am Qualifying. Und das ist eine Sache der Erfahrung und der Eingewöhnung ins Team. Checo ist schon ewig bei uns. Und er ist 10 Jahre älter als Lance. Ich glaube aber, dass Lance zügig auf das gleiche Level kommt. Er ist nämlich ein intelligenter Junge. Und er ist verdammt schnell.“

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